Stolze Rösser in der Werkstatt

Von: Martina Rippholz
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Die Rösser stehen Kopf: So li
Die Rösser stehen Kopf: So liegen die Pferde des Bildhauers Bonifatius Stirnberg derzeit in seiner Werkstatt. Noch bis nächste Woche werden sie für die leicht veränderte Anordnung Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Sie wiehern noch. Aber mit dem stolzen Galoppieren ist es vorbei. Zumindest vorerst. Bonifatius Stirnbergs fünf Bronze-Pferde, die sonst auf dem Bahnhofsvorplatz traben, liegen jetzt auf Kopf und Rücken in der Werkstatthalle des Aachener Bildhauers.

Einige haben ihre Hufen verloren, mitsamt Knöchel und einem Teil des Unterschenkels. Die Beinstumpfen ragen in die Höhe. An der Werkbank macht sich Stirnbergs Angestellter an dem abgetrennten Stück zu schaffen. Er schiebt eine lange silberne Stange durch das hohle Innere. Und beginnt dann zu schweißen.

„Das sind 30 Millimeter dicke Edelstahlstangen”, erklärt Stirnberg. „Beim Abbau der Pferde haben wir festgestellt, dass die Verankerungen nicht mehr in Ordnung. Deshalb machen wir die jetzt neu.” Am Montag war Stirnbergs Pferdeskulptur vom Bahnhof entfernt und mit dem Anhänger in die Werkstatt gebracht worden. Der Grund: die Rösser werden neu angeordnet und dann voraussichtlich Mitte nächster Woche an derselben Stelle wieder installiert.

Klage gegen die Stadt

Diese Prozedur hat lange auf sich warten lassen. Vor zwei Jahren fiel vor dem Oberlandesgericht in Köln das Urteil im Prozess Bonifatius Stirnberg gegen die Stadt Aachen. Der Künstler hatte geklagt. Und zwar nachdem im Jahr 2007 „seine” Pferdegruppe im Zuge der Erneuerung des Bahnhofsvorplatzes um rund 20 Meter versetzt worden war. Sowohl die neue Platzierung als auch eine leicht veränderte innere Anordnung der einzelnen Rösser missfiel dem Bildhauer, der die Tiere Mitte der siebziger Jahre geschaffen hatte. Zusätzlich ärgerte ihn der aus Mo­saiksteinen gepflasterte Sockel. Denn durch die neue Höhe war auch der Neigungswinkel der galoppierenden Gruppe ein anderer geworden.

Zumindest ein Teil von Stirnbergs Forderungen wird in diesen Tagen umgesetzt. Die rund 200 Kilogramm schweren Rösser werden für rund 20.000 Euro in ihre ursprüngliche Anordnung gebracht, der Mosaik-Hügel nach den Vorstellungen des Künstlers neu gepflastert. Nur der Standort bleibt bestehen. Glücklich ist Stirnberg deshalb immer noch nicht: „Ich halte es für großen Blödsinn, jetzt nicht auch einen besseren Standort zu finden”, sagt er. „Aber da bleibt die Stadt stur. Damit muss ich mich jetzt abfinden.”

Und trotzdem sieht er ganz zufrieden aus in seiner Werkstatt, umgeben von den geliebten Huftieren. „Die sind das erste Mal seit ersten ihrer Installation wieder bei mir”, sagt Stirnberg. „Wie alle meine Figuren sehen sie hier viel größer aus als im Original.” Dabei ist so ein Bronze-Pferd etwa so groß wie ein ausgewachsener Mensch. Damit fallen sie am Bahnhof gut auf. Das ist wohl auch der Grund, warum einige Aachener die Figuren schon vermissen. „Eine Frau rief mich an und fragte, wo die Pferde seien”, erzählt Stirnberg lachend.

Währenddessen begutachtet sein Mitarbeiter die Querverstrebungen an den Leibern der Pferde. Ein Teil von ihnen wird erneuert werden, ein anderer wird nicht mehr gebraucht werden. „Weil die neuen Bodenverankerungen viel robuster sind”, sagt Stirnberg. Zwischenstreben und Bodenstangen sollen die Pferdgruppe ab nächster Woche in ihrer Original-Formation zusammenhalten. Damit die auch auf jeden Fall stimmt, klebt an jedem Huftier ein gelber Krepppapierstreifen mit einer Nummer. Außerdem wird Bonifatius Stirnberg auch beim Aufbau wieder dabei sein. Zwei Tage werden die Arbeiten vor Ort dauern, schätzt er. Zuerst werden die Rösser formiert, dann kommt der Sockel.

Komplizierte Hufe kommen noch

Dessen Pflasterung will Stirnberg ebenfalls beobachten. Denn der war laut dem Künstler zu klein und die Pferde liefen optisch bergauf. Stattdessen sollen sie aber bergab traben. Ob für den größeren Sockel noch ein Gulli versetzt werden muss, steht indes noch nicht fest. Fest steht, dass die Arbeiten in der Werkstatt noch einige Tage dauern werden. Die komplizierteren Hufen und Beine kommen noch. Nächste Woche dann werden die Pferde wieder aufrecht wiehern und galoppieren. Fast so, wie es ihr Schöpfer wollte.
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