Aachen/Kornelimünster - Stoffreliquien bleiben wegen Regen in der Kirche

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Stoffreliquien bleiben wegen Regen in der Kirche

Von: Georg Dünnwald
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Propst Ewald Vienken (l.) und Abt Friedhelm Thissen zeigten den Gläubigen am Sonntagnachmittag in der Propsteikirche das letzte Mal die Münsterländchen-Tuchreliquiare, hier das Schweißtuch des Herrn. Foto: Ralf Roeger
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Am Beverbach überraschten die Musiker des Musikvereins Hahn die Pilger. Sie brachten fromme Weisen zu Gehör. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Kornelimünster. So mancher Pilger traute seinen Ohren nicht: Da spielten die jungen Musiker der Indemusik doch tatsächlich Glenn Millers „Chattanooga Chou Chou“, das so manch jüngerem Deutschen eher als Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ ein Begriff ist.

Und das in der altehrwürdigen Propsteikirche St. Kornelius, in der wenig später die drei Stoffreliquien des Indestädtchens am Sonntagnachmittag zum letzten Mal gezeigt wurden, um dann die nächsten sieben Jahre wieder in einem hermetisch verschlossenen Schrein zu verbringen.

Ministranten und Klerus

Zu feierlicher, angemessener Musik zog die fromme Schar der Ministranten und des Klerus vor den Hochaltar, um die Schlussandacht der in Kornelimünster achttägigen Heiligtumsfahrt zu gestalten. Wegen des ständigen Regens hatte Propst Ewald Vienken darauf verzichtet, die Heiligtümer von der Galerie der Propsteikirche zu zeigen, „die könnten sonst Schaden nehmen“. Statt dessen wurden sie, „moderiert“ mit passenden Texten aus den Evangelien, in der Kirche gezeigt.

Das Schürztuch steht dabei für Gründonnerstag, denn es soll das Tuch sein, dass sich Jesus zum Waschen der Füße seiner Apostel umgebunden hatte. Das Grabtuch erinnert an Karfreitag, denn in dieses soll der Leichnam des Herrn eingehüllt worden sein, bevor er ins Grab gelegt wurde, das Schweißtuch aber steht für Ostern, denn es bedeckte Christi Kopf und erinnert deshalb an dessen leibliche Auferstehung. Deshalb hielten auch Propst Ewald Vienken und Benediktinerabt Friedhelm Thissen persönlich das Schweißtuch.

Schon am Samstag stand das Indestädtchen für mindestens 300 Öcher im Fokus. Denn an diesem absolut verregneten Tag war das Motto „Vür trecke noeh Mönster“. Pilgerten die Wallfahrer früher von Kornelimünster weiter nach Aachen, so drehte die Öcher-Platt-sprechende Gemeinschaft den Spieß einfach um.

Vom Waldfriedhof aus – wo Generalvikar Manfred von Holtum ein Gebet vortrug und einer der Wallfahrts-Initiatoren, Manfred Birmans, ein Plattgedicht von Hein Engelhardt rezitierte – ging es durch den Öcher Bösch nach Kornelimünster. Mit angenehmen Unterbrechungen am Beverbach.

Öcher Jakobsmuschel-Printen

Am Waldfriedhof verteilte Heiner Nobis noch an jeden Pilger eine große Printe in Form einer Jakobsmuschel als Pilgerbrot-Wegzehrung, am Beverbach spielte den Wallfahrern der Musikverein Hahn unter Leitung von Sander Hendrix fromme Weisen, und auch „Chefkantor“ Ägid Lennartz spielte auf seinem mobilen Klavier bekannte Kirchenlieder, die in Öcher Mundart gesungen wurden. Und Propst Ruprecht van de Weyer hielt den nächsten „Impuls“.

Schnell, schnell, denn es regnete aus Kübeln, die Pilger wollten deshalb zügig an der nächsten angepeilten Station, der Schützenwiese der Hitfelder St. Sebastianusschützen, sein. Dort wurden sie gebührend mit Kaffee, Wasser und diversen Schnäpschen empfangen. Hubert Crott hielt im besten Oxford-Öcher-Platt seinen Vortrag, aufatmend konnten sich die Pilger unter dem Vordach des Schützenhauses etwas ausruhen oder ins Schützenhaus gehen.

Selbstverständlich gab‘s aus Dankbarkeit für die völlig durchnässten Musiker des Hahner Musikvereins eine Runde Kräuterschnaps, die diese mit dem Lied „Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort...“ quittierten. Spaß am Leben und Humor zeichnet eben den aachen-maasländisch frommen Pilger aus.

Viel zu früh – ständiger Regen macht auch Wallfahrern Beine – kamen die Pilger an ihrer vierten Station an. In der Abtei von Kornelimünster wartete bereits Abt Friedhelm Thissen auf die Pilgerschar. Die Kirche war pickepackevoll, Abt Friedhelm stellte in seinem „Impuls“ anhand der in der Seitenkapelle hängenden Bilder der Künstlerin Janet Brooks-Gerloff die in Kornelimünster verehrten Reliquien vor.

Erbsensuppe und ein Bierchen

Jetzt freuten sich die Pilger ohne Ausnahme auf den Einzug ins Indestädtchen, wo sie vom Malteser Hilfsdienst mit einer heißen Erbsensuppe erwartet wurden und endlich das Bierchen trinken durften, „auf das ich mich schon die ganze Zeit über so sehr gefreut habe“, wie ein Pilger zugab.

Bevor die Pilger aber nach Kornelimünster von der Abtei aus aufbrachen, intonierte Ägid Lennartz noch das Öcher Pilgerlied. „Das ist das vom letzten Mal“, sagte er, „denn das jetzige ist nicht ins Platt übersetzbar“. Nach der Melodie von „Adeste fideles“ schmetterten die Pilger „Va Oche trecke dörch der Bösch noe Mönster...“. Und die meisten von ihnen hofften, dass auch in sieben Jahren wieder diese besondere Wallfahrt auf Öcher Platt von Aachen aus nach Kornelimünster stattfinden wird.

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