Aachen - Stauferkeller: Archäologen durchsuchen zehn Kubikmeter Schutt

Stauferkeller: Archäologen durchsuchen zehn Kubikmeter Schutt

Von: Alfred Stoffels
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Auch Schutt hat seinen Reiz: Im „Stauferkeller” am Markt haben die Archäologen jetzt zehn Kubikmeter Geröll durchsucht, wobei es viele Funde aus römischer und karolingischer Zeit gab. Foto: Harald Krömer

Aachen. Beim Ortstermin tief unter der Erde wurde das geübte Auge schnell fündig: Als Stadtarchäologe Andreas Schaub seinen Blick über die Schuttberge im sogenannten „Stauferkeller” am Markt schweifen ließ, erkannte er gleich, dass für seine Zunft noch einiges zu holen war in dem Geröll.

„Karolingische Scherben” identifizierte der Fachmann auf Anhieb, und so ließ er eine Woche lang die Freiwilligen vom Arbeitskreis Archäologie Aachen (AAA) sichten und sieben. Ergebnis laut Schaub: „Jetzt können wir wieder einen satten Fundpunkt in unsere Karten eintragen.”

Seit Jahrzehnten versuchen wechselnde Eigentümer und Pächter, das uralte Gewölbe an der Nordostseite des Marktes für gastronomische Zwecke herzurichten.

Zurzeit arbeitet die Firma Sausalitos, die ihr mexikanisches Restaurant samt Cocktailbar im Erdgeschoss betreibt, an dem schwierigen Projekt.

Dass neben anderen Behörden auch die (Boden-)Denkmalpflege ein Wörtchen mitzureden hat, ist selbstverständlich, und so ist Sausalitos-Geschäftsführer Darius Panah ziemlich erleichtert, dass er diesen Teil der Formalien abhaken kann.

Acht Tage lang waren die AAA-Ehrenamtler beschäftigt, um die rund zehn Kubikmeter Schutt, die schon zum Abtransport bereitlagen, zu durchsuchen. Beiseite getan wurden Hunderte von Keramikscherben, auch Knochen und Glasreste aus uralter Zeit waren unter den Funden.

Die genaue Auswertung erfolgt noch, aber jetzt schon kann Schaub sagen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Entdeckt wurden vor allem Überbleibsel aus karolingischer und auch merowingischer Zeit, die in Aachen erstaunlicherweise eher selten anzutreffen sind.

Auch Römisches ist natürlich dabei, zum Beispiel aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts, also aus einer relativ frühen Zeit.

Der Stauferkeller und auch der darunter befindliche Boden waren immer mal wieder Schauplatz archäologischer Erkundungen, der Ertrag war ziemlich übersichtlich.

Auch diesmal konnte natürlich keine zusammenhängende Struktur mehr aufgetan werden, aber die entdeckten „Streufunde”, so Schaub, reichen allemal, um dem Standort einen Ehrenplatz im archäologischen Kataster der Stadt Aachen zuzuweisen.

Derweil hofft Panah, bis Ende des Jahres sagen zu können, was im Stauferkeller passieren, wie das Konzept aussehen soll. Ihm schwebt gediegene Gastlichkeit mit Clubcharakter vor, möglicherweise beginne man mit zwei Öffnungstagen pro Woche. Wie auch immer - unterirdischer wird man sein Bier nur an wenigen Stellen in der Stadt trinken können.

Was die Römer und das Mittelalter angeht, ist in Zukunft nach den spektakulären Funden im Elisengarten mangels Baustelle keine größere Entdeckung zu erwarten.

Das Riesenprojekt RWTH-Campus nimmt zwar allmählich Gestalt an, liegt aber doch etwas weg von der Innenstadt. Gleichwohl stehen die Archäologen zur „Feldbegehung” parat - flächendeckendes Unter-die-Lupe-Nehmen wird es aber nicht geben. Schaub: „Dafür fehlen uns die Kapazitäten.”
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