Statt des Zauns soll nun ein Schild die Kröten schützen

Von: Werner Czempas
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Ein Schild wie dieses soll kü
Ein Schild wie dieses soll künftig die Amphibien am Entenpfuhler Weg schützen.

Aachen. Enttäuschte Gesichter gab es im Bürgerforum in den Reihen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Aachener BUND-Gruppe hatte die Stadt um „Maßnahmen zum dauerhaften Amphibienschutz” am Gut Entenpfuhl gebeten.

Doch Verwaltung und Politik reagierten zurückhaltend. Das Zögern wird nach Meinung der Naturschützer einer Menge Frösche und Kröten den Garaus machen.

Seit 15 Jahren kümmert sich der BUND Aachen wie an vielen anderen Stellen in der Stadt auch an Gut Entenpfuhl um die Amphibienpopulation. Zwei Tunnel wurden unter den Entenpfuhler Weg gebuddelt. Durch die sollen die Tiere die schmale Straße passieren, wenn sie sich zum Laichen im Frühjahr zum Weiher am Gut aufmachen.

Doch die Tunnel helfen nicht sonderlich. Retten sie doch nur die die Tiere, die zufällig schnurstracks auf die Eingänge lossteuern. Der Rest marschiert rechts und links vorbei auf die Straße, wo die Amphibienmännchen - so wissen es die erfahrenen Naturschützer - gern verweilen, um nach den Weibchen zu peilen. Und genau das - so wissen es viele Autofahrer - kann tödlich enden.

Deshalb schlägt der BUND nun „die Installation eines festen, dauerhaften Metallleitsystems” vor. Das soll den rings um Gut Entenpfuhl beobachteten Grasfrosch, Erdkröte und Teichfrosch sicher zu den Tunneln leiten. Stopprinnen an zwei Wegeeinmündungen sollen verhindern, dass die Tiere von dort auf die Straße und den Parkplatz laufen.

„Zum Laichgewässer am Gut Entenpfuhl sind die Tiere bei ihrer Frühjahrswanderung in so großer Anzahl unterwegs, dass schon wenige Besucher auch bei rücksichtsvollem Verhalten mit ihrem Wagen eine erhebliche Anzahl von Tieren überfahren”, begründet der BUND. Die Umweltschützer schätzen die Kosten eines festen Rettungssystems auf 30.000 Euro. Die Untere Landschaftsbehörde im städtischen Fachbereich Umwelt führte denn auch den Grundsatz staatlichen Handelns an, wonach „zwischen Aufwand und Nutzen ein angemessenes Verhältnis” bestehen müsse.

„Keine Bestandsgefährdung”

Das gelte auch für den Amphibienschutz. Weshalb die „Installation eines kostenintensiven dauerhaften Metallleitsystems” nicht erforderlich sei. Wegen des geringen Verkehrsaufkommens am Entenpfuhler Weg seien „allenfalls geringe verkehrsbedingte Tierverluste” zu erwarten. Die führten „keinesfalls zu einer Bestandsgefährdung”. Auch das Forstamt sprach sich gegen das Metallleitsystem aus. Es gefährde die Wurzeln der Bäume. Auch wäre der Wald in diesem Bereich nur „unter sehr erhöhtem Aufwand” zu bewirtschaften.

Thomas Kirchübel und Dieter Formen vom BUND wiesen diese Argumente als nicht zutreffend zurück. Es gebe ein spezielles Metallleitsystem, das keineswegs Bäume schädige und Waldarbeiten behindere. Auch sei beobachtet worden, dass auf dem Entenpfuhler Weg auf einem Abschnitt von 200 Metern im Frühjahr „oft mehrere hundert Tiere auf der Straße verweilen”, was schon bei wenigen passierenden Fahrzeugen zu „Kalamitäten” führe. Im übrigen sei nicht auszuschließen, dass streng geschützte Amphibienarten wie Gelbbauchunke und Kreuzkröte an Gut Entenpfuhl vorkommen.

Zwischen den „stichhaltigen Argumenten auf beiden Seiten”, wie Ulla Griepentrog von den Grünen feststellte, zeigten sich die Politiker aller Fraktionen hin- und hergerissen. Sie folgten dennoch der Verwaltung, wonach lediglich ein Warnschild am Entenpfuhler Weg auf die Amphibienwanderung aufmerksam machen und „zu einer entsprechend vorsichtigen Fahrweise” sensibilisieren soll.

Weitere Schutzmaßnahmen seien derzeit nicht erforderlich. Die kommende Frühjahrswanderung werde die Untere Landschaftsbehörde „durch regelmäßige Kontrollen begleiten und die Anzahl der verkehrsbedingten Tierverluste erfassen”. Dazu solle der BUND hinzugezogen werden.

Wenig begeistert

Thomas Kirchübel reagierte wenig begeistert: „Die Stadt macht dann nichts anderes, als tote Tiere zu zählen. Die sind tot - und das ist ein Verlust.” Er wies darauf hin, dass die Deutsche Gesellschaft Amphibienkunde das Jahr 2012 zum „Jahr der Erdkröte” erklärt habe. „Das ist doch für die Stadt Aachen eine günstige Gelegenheit, in Sachen Umweltschutz auch für sich werbend zu verkünden: Wir tun etwas”, appellierte Thomas Kirchübel.

Beschluss im Bürgerforum: Wiedervorlage des Themas im nächsten Sommer.
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