Aachen - Startschuss für größtes Neubauprojekt gefallen

Startschuss für größtes Neubauprojekt gefallen

Von: Werner Czempas
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Weil auch Fäkalien ins Regenrückhaltebecken eingeleitet werden, stinkt es in Richterich oft zum Himmel. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Richtericher Dell“ und (vorerst) ein Ende: Nach der jüngsten Wende im Fall des geplanten Wohnbaugebiets im Aachener Nordwesten schwankten im Planungsausschuss die Politiker zwischen Erleichterung, Skepsis und strikter Ablehnung.

Vor ein paar Monaten meldete die Verwaltung überraschend, das in der Bürgerschaft heftig umstrittene Neubaugebiet Richtericher Dell müsse um 150 Wohneinheiten verkleinert werden. Bis zu 900 Grundstücke waren bis dahin kalkuliert. Grund für die Reduzierung: Die überaus unangenehmen Gerüche (Ekelempfinden, Übelkeit) durch das nahe Mischwasser-Rückhaltebecken an der Horbacher Straße könnten Grenzwerte überschreiten. Vor zwei Tagen verblüffte die Verwaltung erneut: Nach einem jetzt vorliegenden „detaillierten Geruchsgutachten“ lägen nur 15 Baugrundstücke in einem Bereich, in dem ein Richtwert überschritten werde.

Im Planungsausschuss sprach Dezernentin Gisela Nacken von einer „positiven Nachricht“. Bei den Zahlen vor ein paar Wochen habe es sich um eine „erste grobe Einschätzung“ gehandelt. Das nun vorliegende neutrale Geruchsgutachten sei aber damals schon beauftragt gewesen. Und: „Das Gutachten stimmt überein mit den Erfahrungen der Menschen vor Ort.“

Die neue Vorlage erläutert: „Da es sich bei der Geruchsimmissions-Richtlinie allerdings nur um eine Empfehlung, nicht um eine gesetzliche Vorgabe handelt, sollen die geplanten Wohnbauflächen in diesem Bereich nicht reduziert werden.“ Bis zur endgültigen Entscheidung, so Nacken, sei es „noch ein langer Weg“, weshalb auch die 15 Häuser im zunächst zu beschließenden Bebauungsplan verbleiben könnten. Auf die Inhalte des Gutachtens sollen Interessenten beim Kauf hingewiesen werden.

Für SPD-Sprecher Norbert Plum war es „eine gute Nachricht“. Mehrfach sei es zu den unterschiedlichen Zahlen „ schon hoch hergegangen“. Nun habe die Sache einen „harmlosen Ausgang genommen“. Skeptisch blickte dagegen Klaus Vossen für die FDP drein. Was, wenn der Gutachter sich geirrt habe und mehr Grundstücke vom üblen Gestank betroffen seien?

Könnten Käufer von der Stadt Schadenersatz verlangen? Maike Schlick sprach sich mit Blick auf einen Beschluss der Bezirksvertretung Richterich vom Vortag für eine „frühzeitige Bürgerbeteiligung“ aus. Sie sei „froh, dass es nicht zu einer so erheblichen Reduzierung“ des Baugebiets komme. Schlick optimistisch: „Es entsteht kein Schaden für die Stadt und auch kein Schaden für die Grundstückserwerber.“ Michael Rau (Grüne) meinte, bei Richtericher Dell handele es sich um „eine große Maßnahme“, bei der viel Geld in die Hand genommen werde. Er riet, die „Gesamtprojekt-Kosten von Anfang an ganz offen zu machen“.

Stinksauer reagierte der FWG-Politiker Hans-Dieter Schaffrath. Innerhalb weniger Wochen habe die Verwaltung ihre Zahlen von 150 auf 15 Grundstücke gesenkt, da frage er sich, ob sie die in ein paar Wochen wieder auf 150 erhöhe. Beschluss bei zwei Gegenstimmen der FDP und der Aufnahme der Schaffrathschen Kritik ins Protokoll: Der Planungsausschuss folgt der Bezirksvertretung Richterich, den Bebauungsplan Richtericher Dell aufzustellen.

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