Aachen - Stammzellen: Ein Geschenk, das ein Leben retten kann

Stammzellen: Ein Geschenk, das ein Leben retten kann

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Seine Stammzellen sollen einer 38-jährigen Frau in Kanada das Leben retten: Der 19-jährige Aachener Simon Frank hat Stammzellen gespendet. Foto: Harald Krömer
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Kleiner Behälter, der Leben retten soll: Plasmabeutel mit gespendeten Stammzellen. Foto: DKMS

Aachen. Simon Frank hat vor einigen Wochen erfahren, dass er einen genetischen Zwilling hat, einen Menschen, dessen Gewebemerkmale mit den seinen in wichtigen Teilen übereinstimmen. Es ist eine 38-jährige Frau, sie lebt in Kanada. Mehr weiß Simon Frank nicht über diesen Menschen.

Aber der 19-Jährige Aachener hat – hoffentlich – dazu beigetragen, der Frau das Leben zu retten. Die Kanadierin ist an Leukämie (Blutkrebs) erkrankt. Am 25. März hat Simon Frank für sie Stammzellen gespendet. Er denkt oft an die totkranke Frau in Kanada, die jetzt mit seinen Zellen um ihr Leben kämpft. „Ich hoffe sehr, dass sie es schafft“, sagt er.

Als Knochenmarkspender ist Simon Frank erst seit knapp einem Jahr registriert. Fast 5000 Menschen in der Region ließen sich damals typisieren, um einem schwer erkrankten jungen Mann zu helfen. Auch alle Erwachsenen der Familie Frank ließen sich in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufnehmen.

Vor wenigen Wochen stellte sich heraus, dass Simon tatsächlich als Stammzellenspender für einen Kranken irgendwo auf der Welt infrage kam. Dann war eine ganze Reihe Tests und Untersuchungen nötig. Schließlich mussten zwischen Spender und Empfänger genügend Gewebemerkmale übereinstimmen – und der 19-Jährige musste kerngesund ist.

Die Untersucherei war nicht ganz ohne, gesteht der junge Mann. Denn er gehört zu den Menschen, denen beim Gedanken an Spritzen und solches Zeug doch eher mulmig wird. „Aber schließlich ist da jemand, der Hilfe braucht“, erinnert sich Simon. „Ich kann helfen, ohne meine Gesundheit zu verlieren. Und diese Krankheit hätte auch mich treffen können.“

Bei Simon Frank wurde eine „periphere Stammzellenentnahme“ vorgenommen. Durch ein hormonähnliches Präparat wurde zunächst das Knochenmark angeregt, Stammzellen in großer Menge zu produzieren. Für den jungen Aachener bedeutete das zehn Spritzen in fünf Tagen. Dass da schwer was los war in seinem Körper, spürte der 19-Jährige vor allem an grippeähnlichen Symptomen. Gut vier Stunden lag er dann in einer Kölner Spezialklinik an Schläuchen und Maschinen, als die Stammzellen aus seinem Blut gewaschen wurden. Ein Kurier stand schon parat. Denn die wertwollen Zellen mussten innerhalb von 72 Stunden bei der Empfängerin ankommen.

Erst nach der Spende hat Simon Frank erfahren, dass sein genetischer Zwilling eine 38-Jährige in Kanada ist. Für diese Patientin ist er nun zwei Jahre lang „reserviert“ – für den Fall, dass eine weitere Spende notwendig ist.

Frühestens nach drei Monaten kann der junge Aachener auch erfahren, wie es „seiner“ Patientin geht. Erst nach zwei Jahren wäre auch ein persönlicher Kontakt möglich, wenn die Empfängerin damit einverstanden ist. Schon jetzt aber kann der Spender – anonym – einen Brief schreiben, der nach Kanada weitergeleitet wird. „Das habe ich auch vor“, sagt er, „als Unterstützung“.

Jeder Fünfte sucht vergeblich

Simon Frank erzählt seine ganz persönliche Spenden-Geschichte nicht, um sich damit wichtig zu machen. Vielmehr möchte er andere anregen, über eine Typisierung für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei nachzudenken. Immerhin finden heute nach Angaben der DKMS zwar 80 Prozent der Patienten mit Hilfe der Datei einen Fremdspender. Aber jeder fünfte Patient mit Blutkrebs sucht immer noch vergeblich einen Spender. „Es wichtig, dass man sich für andere einsetzt“, sagt Simon Frank. Das klingt wie ein ziemlich gutes Lebensmotto.

Der 19-Jährige hat sein ganzes Leben vor sich, wie es so schön heißt. Er hat viele Pläne. Letztes Jahr hat er am Couven-Gymnasium Abitur gemacht, derzeit jobbt er, und im Herbst möchte er eine Ausbildung beginnen. Messerschmied will er werden, weil er Messer toll findet und gerne etwas Praktisches mit den Händen macht. In Kanada hat unterdessen eine 38-jährige Frau gerade ganz andere Prioritäten: überleben. Simon Frank und seine Familie hoffen, dass sein genetischer Zwilling das mit seinen Stammzellen schafft.

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