Aachen - Städtisches Programm für Kinder soll raus aus der Barockfabrik

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Städtisches Programm für Kinder soll raus aus der Barockfabrik

Von: maf
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Aachen. Zumindest in einer Sache waren sich die Kulturpolitiker am Donnerstagabend einig: Die Stadt braucht im Kulturbetrieb eine eigene Abteilung „Bildung und Vermittlung“, der auch die Koordination der gesamten kulturellen Bildung in Aachen unterstellt ist.

Mindestens eine neue Stelle muss dafür geschaffen werden. Und dass die dringend notwendig ist, erläutert eine umfangreiche Verwaltungsvorlage zum jüngsten Kulturausschuss (wir berichteten).

Demnach soll diese Stelle einen ganzen Aufgabenkatalog leisten – von der Koordinierung der Kulturpädagogik in den städtischen Häusern über die Entwicklung von Angeboten und die Vernetzung von Kultureinrichtungen mit Kitas, Schulen und OGS-Trägern bis hin zur Auswertung eben solcher Kooperationen. Dass dieses Pensum nicht (mehr) von der Barockfabrik geleistet werden kann, darüber besteht bei den Kulturpolitikern Konsens. So beauftragten sie einstimmig die Verwaltung damit, die Schaffung einer Abteilung „Bildung und Vermittlung“ mit angeschlossener „Koordination kulturelle Bildung“ zu prüfen.

Der zweite Teil der Vorlage zum Thema Barockfabrik stieß bei SPD, FDP und Linken dagegen auf heftige Kritik. Denn darin schlägt die Verwaltung vor, das kulturelle Eigenprogramm für Kinder von 3 bis 14 Jahren nicht mehr in der Barockfabrik zu veranstalten. Stattdessen soll es ausgelagert werden, und zwar dezentral in verschiedene Häuser, die Spielflächen haben. Kulturdezernent Wolfgang Rombey nannte dafür etwa Zeitungsmuseum, Nadelfabrik, Ludwig-Forum, Klangbrücke, Musikschule, Theater und – wenn fertig – Grashaus und Kreativ-Depot.

Begründet wird diese Dezentralisierung mit baulichen Mängeln der Barockfabrik. Das alte Industriegebäude am Löhergraben habe zu lange Gänge, ein enges Treppenhaus, eine unübersichtliche Architektur und vor allem Toiletten im Keller. „Kleinkinder dürfen nicht alleine vom Obergeschoss in den Keller laufen“, so Rombey im Ausschuss. „Wir können das nicht länger so hinnehmen.“ Deshalb soll das Eigenprogramm für Kinder raus aus der Barockfabrik.

Gegen diesen Weg sprach sich am Donnerstag zuerst Sibylle Reuß (SPD) aus. Und ging damit in Einklang mit Ruth Crumbach-Trommler (FDP) und Ursula Ep­stein (Linke). Die drei Fraktionen wünschten sich mehr Bedenkzeit und votierten so mit sieben Stimmen gegen die Beschlussvorlage. Zehn Stimmen für eine Auslagerung der städtischen Kinder- und Jugendkultur gab‘s hingegen von CDU und Grünen. „Wir wollen das endlich festzurren“, erklärte Caroline Herff (CDU) mit Nachdruck. „Für die Kinder ist diese Lösung von Vorteil“, meinte Hermann-Josef Pilgram (Grüne).

So fiel am Ende der mehrheitliche Beschluss, dass die Verwaltung prüfen soll, wie das Kinder-Programm an verschiedenen Orten organisiert werden kann. Bald soll ein Konzept vorgelegt werden. Dann wird wohl Stephan Wunsch wie am Freitag wieder im Publikum sitzen. Er und seine Frau Vera Vie­höfer sind die Akteure des Rosenfisch-Theaters, das in der Barockfabrik seit Jahren Figurenstücke für Kinder spielt.

Für ihn ist der Beschluss eine herbe Enttäuschung. „Ich finde, dass Aachen ein Zentrum für Kinder- und Jugendkultur braucht“, sagt er. „Optimal ist das am Löhergraben derzeit sicher nicht. Genau deshalb sollte die Stadt die Barockfabrik aber eher stärken.“ Wunsch will die Diskussion weiter aufmerksam verfolgen.

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