Stadtverwaltung: Mitarbeiter sollen vor Angriffen besser geschützt werden

Von: Gerald Eimer
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Großer Andrang vor dem Bürgerservice an der Hackländerstraße. Nicht immer sind die Besucher so friedlich. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Der Ton wird ruppiger, das Klima rauer: Das kriegen seit längerem immer wieder auch Polizeibeamte, Einsatzkräfte der Feuerwehr, Ordnungskräfte im Außendienst aber auch Verwaltungsmitarbeiter in den Amtsstuben zu spüren.

Mit einem neuen Sicherheitskonzept will die Stadt nun gegensteuern und ihre Mitarbeiter vor Übergriffen schützen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit vielen Monaten, in diesem Jahr soll die Umsetzungsphase eingeleitet werden.

Noch ist das letzte Wort im Verwaltungsvorstand nicht gefallen, doch wohin die Reise gehen soll, das haben Katrin Päßler und Melanie Spiegelberg am Donnerstag im Personal- und Verwaltungsausschuss den verantwortlichen Politikern umfänglich vorgestellt und dabei zugleich dargelegt, womit sich städtische Bedienstete im Alltag oftmals rumplagen müssen.

Systematisch erfasst

Päßler und Spiegelberg, tätig im städtischen Gesundheitsdienst und in der Personalabteilung, versuchen seit 2015, systematisch Übergriffe gegen Mitarbeiter zu erfassen, worunter etwa Pöbeleien, Beleidigungen, Drohungen, Sachbeschädigungen und auch körperliche Gewalt bis hin zu Waffeneinsätzen, Geiselnahmen, Überfällen oder Amokläufen zählen.

Die letzteren schweren Verbrechen der Kategorie rot hat es bislang in der Aachener Verwaltung zum Glück noch nicht gegeben. Vorbereitet sein will man aber auch darauf. Im Alltag sind jedoch all jene Fälle bedeutsamer, die Päßler und Spiegelberg in eine gelbe oder orange Kategorie einsortieren. Dazu gehören etwa verbale Aggression, Randale, Nötigung oder auch körperliche Gewalt.

Als Pilotprojekt haben sie sich für ihre Arbeit das Verwaltungsgebäude Hackländerstraße ausgesucht, in dem wichtige Fachbereiche mit großem Publikumsverkehr zu finden sind, darunter der Bürgerservice, der Bereich Wohnen, Soziales und Integration und das Jugendamt. Zu finden ist dort zudem das Ausländeramt der Städteregion. Und natürlich läuft der weit überwiegende Teil der Gespräche in einer gesitteten und friedfertigen Atmosphäre ab, sie gehören damit in die Kategorie grün. Doch Ausraster gibt es trotzdem immer wieder.

So hat die Stadt dort – wie auch an der Volkshochschule – seit Juli vergangenen Jahres testweise einen Sicherheitsdienst engagiert und damit offenbar gute Erfahrungen gemacht. Denn in vielen Fällen können die Kräfte offenbar beschwichtigend eingreifen und zur Entspannung beitragen. Die Bilanz innerhalb von vier Monaten von Juli bis Oktober: 60 Mal wurde der Sicherheitsdienst von Mitarbeitern hinzugerufen, drei Sachbeschädigungen wurden registriert, elf Hausverweise ausgesprochen, in einem Fall wurde Anzeige wegen Bedrohung erstattet.

„Das Geld für den Sicherheitsdienst ist gut angelegt“, resümiert Katrin Päßler, „das bringt wirklich was. Die Beschäftigten fühlen sich sicherer.“ Großartig publik machen will man den Sicherheitsdienst freilich auch nicht: Man wolle schließlich nicht den Eindruck erwecken, als stelle man den Großteil des Publikums unter Gewaltverdacht.

Wie wichtig die neuen Schutzmaßnahmen sind, belegt auch eine Umfrage unter Mitarbeiterin im Bürgerservice, von denen sich im Schnitt jeder einmal im Monat bedroht fühlt oder ein mulmiges Gefühl im Umgang mit Kunden hat. Mindestens einmal täglich haben sie es mit alkoholisierten Menschen zu tun, andere Kunden verweigern notwendige Auskünfte oder werden aggressiv.

Alarm auf Knopfdruck

In solchen Fälle können Deeskalationsempfehlungen und Gesprächsstrategien helfen. In mehreren Ämtern gibt es längst auch ein Alarmierungssystem, um Hilfe herbeizurufen. Auch Selbstverteidigungskurse werden angeboten. Und wenn es dennoch zu Übergriffen kommt, soll auch eine psychosoziale Nachsorge für die Betroffenen sichergestellt werden.

Was beispielhaft an der Hackländerstraße und mit dem Ordnungsamt erprobt wurde, soll nun auf weitere Ämter übertragen werden. Eingebunden werden unter anderem die Bezirksämter, die Volkshochschule, das Sportamt und auch der Stadtbetrieb, dessen Mitarbeiter im Außendienst ebenfalls häufig mit Pöbeleien zu tun haben.

Breite Zustimmung

Sorgen, dass das neue Sicherheitskonzept am Einwand der Verwaltungsvorstands rund um Oberbürgermeister Marcel Philipp scheitern könnte, müssen Päßler und Spiegelberg kaum haben. Das Lob von Personaldezernent Markus Kremer ist ihnen für Arbeit bereits sicher, und auch vom Personalrat und aus der Politik gibt es allseits Zustimmung.

„Solche Maßnahmen gefallen uns oft nicht“, erklärt Elke Eschweiler, verwaltungspolitische Sprecherin der CDU, „sie sind aber notwendig.“ Ihr SPD-Kollege Michael Servos sieht das ähnlich, setzt aber auch auf das nötige Augenmaß. Ein allzu martialisches Auftreten von Sicherheitskräften stünde einer bürgernahen Verwaltung entgegen.

Mit dem nun vorgelegten Sicherheitskonzept ist zugleich ein Antrag der AfD-Ratsfrau Mara Lux auf mehr Schutz für Verwaltungsmitarbeiter vom vergangenen Oktober bearbeitet worden. Aus Sicht von Servos sei dieser Antrag „an Hohn nicht zu überbieten“: Denn gerade die AfD trage dazu bei, dass „die Respektlosigkeit unter den Menschen“ immer mehr um sich greife.

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