Aachen - Stadtrat: Der OB ging sofort auf Reisen

Stadtrat: Der OB ging sofort auf Reisen

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Ja, wie heißen sie denn: Wegen der Vielzahl neuer Kollegen benötigten viele Ratsleute eine kleine Hilfe, um die Mitglieder der anderen Fraktionen zu identifizieren. Foto: Harald Krömer

Aachen. Willst du neue Freunde kennenlernen, geh in den Rat der Stadt Aachen - Mittwochabend, bei der konstituierenden Sitzung, drängten sich im Gestühl sage und schreibe 35 frischgebackene Mitglieder der Volksvertretung.

Quer durch die Parteien war viel parlamentarischer Nachwuchs zu verzeichnen, und so dürften sich zahlreiche Kommunalpolitiker zum ersten Mal leibhaftig begegnet sein.

Der ebenfalls neue Oberbürgermeister Marcel Philipp riet den Kollegen denn auch, sich gegenseitig bekannt zu machen, sich zu helfen und zu unterstützen.

Es war aber auch ein Gedränge im Rathaus. Das lag vor allem daran, dass sich der Rat wegen der vielen Überhang- und Ausgleichsmandate von zuletzt 58 auf 74 Mitglieder vergrößert hat. Viel Publikum war bei der Premiere der Saison 2009 bis 2014 natürlich auch, so dass es ganz schnell ganz schön kuschelig wurde.

Diese Enge hatte prompt eine weitere Premiere im Gefolge: Weil rein platztechnisch keine Möglichkeit bestand, die Neulinge allesamt nach vorne zu bitten und in geschlossener Formation zu vereidigen, wie das bis dato üblich war, machte Philipp es andersrum. Bewaffnet mit einem großen Plan, auf dem die Sitzordnung fein säuberlich verzeichnet war, machte er sich auf den Weg zu jedem einzelnen Ratsmitglied, das auf „Einführung und Verpflichtung” Anspruch hatte. Alle standen auf und versprachen, nach bestem Wissen und Gewissen ihr Mandat ausfüllen zu wollen - nur einer nicht: Manfred Bausch von der SPD hatte sich das Knie lädiert und musste im Rollstuhl sitzen bleiben.

Weil der Aachener Rat eine solch kopfstarke Truppe geworden ist, gibt es jetzt richtige Hinterbänkler. Das heißt, es gibt neuerdings eine dritte Bankreihe, in der Teile von CDU und Grünen sowie die drei Einzelkämpfer untergebracht wurden. Was in diesem Fall nichts über die Qualität der dort angesiedelten Kommunalpolitiker sagt - es ist einfach der Sachzwang.

Marcel Philipp leitete seine erste Sitzung ohne Fehl und Tadel. Er sprach zunächst über seine ersten Tage im Amt, die ihm eine Fülle verschiedenster Eindrücke und Erlebnisse beschert hätten, solche und solche. Zu den negativen gehöre unbedingt die Tatsache, dass die Rechtsradikalen schon wieder eine Demo in Aachen planten. Wenig schön sei auch, dass täglich gleich mehrere „Hiobsbotschaften” eintrudelten, was den Zustand der städtischen Finanzen angehe. Mit Freude habe er dagegen registriert, welch „außerordentlich freundschaftliche Aufnahme” er bei der Verwaltung gefunden habe.

Haushalt und Campus

Mit entwaffnender Offenheit gestand Philipp, am liebsten würde er alles gleichzeitig machen, und das würde ja auch von ihm erwartet, aber gehen tue es natürlich nicht. Daher gelte es, Schwerpunkte zu setzen, wobei zwei Dinge absolute Priorität hätten: das Herstellen eines seriösen Haushalts und die Verabschiedung des Bebauungsplans für den RWTH-Campus, am besten noch bis Dezember - „packen wir es gemeinsam an”.

Und der OB erinnerte sich an die eigenen Anfänge als Ratsmitglied vor zehn Jahren, als ihn der gestandene Sozialdemokrat Claus Haase beiseite genommen und gute Zusammenarbeit angeboten habe. Solchen Zuspruch wünsche er, siehe oben, auch den aktuell dazugestoßenen Ratsvertretern.

Haase, mittlerweile 68, sprach noch vor Philipp zum Auditorium - erneut als Alterspräsident. Diesmal allerdings sehr viel ausführlicher als vor fünf Jahren, es war eine richtige Rede. Kernthese: Leider Gottes gehe man in die neue Legislaturperiode mit denselben Problemen wie 2004 - „wieder drücken uns finanzielle Sorgen, und wir werden in den nächsten Jahren darum kämpfen müssen, nicht wieder in eine Nothaushaltssituation zurückzufallen”.

Und wie vergönnten sich die Fraktionen im zum Teil ungewohnten Ambiente? Immerhin sind die Grünen zum Koalitionspartner CDU auf die rechte Seite des Saals gezogen, wogegen die FDP nach links zu Roten und ganz Roten musste. Erste Anmutung: Erkennbaren Schaden hat dadurch keiner genommen.

Aber die neuen fünf Jahre haben ja gerade erst angefangen.
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