Stadtmeisterschaft legt Probleme der Fußballklubs offen

Von: Guido Jansen
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Der Aachener Amateurfußball hat dem großen Interesse an der Fußballstadtmeisterschaft zum Trotz ein Problem. In der siebten Liga ist für die meisten Klubs Schluss. Foto: Imago/Gerhard König

Aachen. Das Interesse an der Fußball-Stadtmeisterschaft, die ab dem kommenden Dienstag zum 25. Mal ausgetragen wird, ist wie immer riesig. Spätestens ab der Zwischenrunde, wenn die Favoriten in das Geschehen eingreifen, kommen die Zuschauer in Scharen. Darauf darf sich der Ausrichter Raspo Brand ab der kommenden Woche freuen. Trotzdem hat der Amateurfußball aus der Stadt Aachen ein Problem.

Gemessen an den Spielklassen war das Niveau noch nie so niedrig wie jetzt. Die Landesliga, nach den Reformen der vergangenen Jahre nur noch Liga Nummer sieben, ist das höchste der Gefühle.

Und von diesen siebtklassigen Teams gibt es in Aachen nur zwei: Hertha Walheim und Rhenania Richterich. Mit anderen Worten: Nach der Alemannia und deren zweiten Mannschaft, die immerhin in der NRW-Liga spielt, aber nicht an der Stadtmeisterschaft teilnimmt, kommt in Aachen lange nichts.

„Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, dann liegt der Amateurfußball in Aachen am Boden”, sagt Hermann Grümmer, der Scout von Alemannia Aachen und fundierter Kenner der hiesigen Amateurszene. Einen Grund für die Endstation Landesliga kennt der Mann, der früher in der Oberliga erfolgreich den TuS Langerwehe trainiert hat. „Die vielen Auflagen, die den Klubs heute gemacht werden, sind schuld.”

Grümmer spielt beispielsweise auf die Anforderungen an, die ein Klub erfüllen muss, der in die NRW-Liga, die früher Oberliga hieß, aufsteigen will.

Nur weil es im Osten bei Spielen in der fünften Liga immer mal wieder Randale gebe, „sind so strenge Sicherheitsvorkehrungen nötig”. Die seien so streng, dass sie kaum ein Klub aus der Mittelrheinliga erfüllen könne. In den Vorschriften ist etwa von einem Stadion mit getrennten Eingängen und getrennten Zuschauerbereichen die Rede.

„Kein Verhältnis”

Ex-Alemannia-Trainer Wilfried Hannes, der mit seiner Borussia aus Freialdenhoven in der Mittelrheinliga um den Aufstieg in die NRW-Liga spielen könnte, winkt ab. „Totaler Schwachsinn. Da wollen wir ganz sicher nicht hin. Da steht der Aufwand im keinem Verhältnis zum Ertrag.”

Hannes´ Rechnung ist einfach. Zuerst muss in die Sportanlage investiert werden. Dann müssen Spieler geholt werden, die die Klasse haben, um in der NRW-Liga zu spielen. Eine doppelte Investition, die sich offenbar nicht lohnt. „Dann spielst du gegen Fichte Bielefeld und hast deswegen keinen einzigen Zuschauer mehr, der nicht auch eine Klasse tiefer kommt.”

Ein weiteres Problem aus Grümmers Sicht: Die „Fußball-Verrückten”, die ihre Freizeit darauf verwenden, einen Verein weiterzubringen, werden immer weniger. „Das ist aber nicht nur in Aachen so, sondern überall”, so Grümmer.

Das bestätigt Ronald Krichel von Westwacht Aachen. „Das Ehrenamt ist mittlerweile derart kompliziert geworden. Ohne Steuerberater kommt heute selbst ein kleiner Klub nicht mehr klar”, berichtet der Westwacht-Pressesprecher.

Krichel sieht aber noch ein Problem in Aachen. „Vielen Klubs fehlt der Weitblick. Das wird oft viel zu kurzfristig investiert”, sagt der Mann, der die Westwacht in der vergangenen Saison auch als Trainer betreut hat. Das weniger werdende Geld im Amateurfußball fließe zu sehr in Spieler für die erste Mannschaft und damit in den kurzfristigen Erfolg.

„Beispiele, dass es sich lohnt, in die Jugend zu investieren, gibt es genug. Germania Dürwiß, der SV Rott oder der FC Niederau machen es vor. Und zwar nicht erst seit gestern.” Bezeichnenderweise liegen diese Klubs alle außerhalb Aachens.

Um kein falsches Bild zu zeichnen: Klubs, die gute Nachwuchsarbeit machen, gibt es auch in Aachen. „Vereine, die lieber Geld für Jugendtrainer statt für Seniorenspieler ausgeben, gibt es aber viel zu wenige”, moniert Krichel.

Erst wenn da ein Umdenken stattfinde, dann sei in Aachen wieder mehr möglich als zwei Landesligisten.
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