Aachen - Stadtacademie: Wie man Räume in der Zwischenzeit nutzen kann

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Stadtacademie: Wie man Räume in der Zwischenzeit nutzen kann

Von: Lee Beck
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Fahrradschlangen wie diese, die sich durch Aachen-Nord schlängeln, sieht man sonst nur bei den holländischen Nachbarn oder in Städten, die besser zum Radeln geeignet sind. Liebigstraße, Jülicher Straße oder Rehmplatz sind die Haltestellen, an denen die rund 30 Studenten vorbeifahren und die Gegend inspizieren. Es ist die erste Runde der Stadtacademie, eines informellen, interdisziplinären Studiums für Stadtmacher – mit Studenten aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

An diesem Tag auf dem Stundenplan: „Zwischennutzung – Von wem und vor allem wie wird Zwischennutzung als Strategie im Städtebau eingesetzt? Wer handelt und was für Ideen gibt es?“ Dazu gibt‘s nun eine theoretische Einführung unter dem Titel „Catalyzing Urban Transformation“ im Ludwig-Forum. Professor Klaus Overmeyer ist ein echter „Urban Catalyzer“, jemand, der Stadtentwicklung vorantreibt. Die frühere Regenschirmfabrik und heutige Herberge für moderne Kunst eignet sich bestens für seinen Vortrag.

Schnell kramen viele Studenten den Notizblock raus. Ihre Ziele sind es, Alternativen für den Städtebau zu entdecken und neue gestalterische und soziale Konzepte für den Raum Stadt zu entwickeln. Bei der Vorlesung begibt sich Professor Klaus Overmeyer auf die Suche nach dem Gelben vom Ei. Denn dort, sagt er, bündeln sich heute alle unabhängigen Akteure rund um die Zwischennutzung der Stadt: Etwa die Kommunikations-Genies, die Anpacker und die Networker. Wirtschaft, Staat, Gesellschaft – alles klar getrennt: „Das funktioniert heute nicht mehr“, sagt Overmeyer.

An Beispielen aus Berlin, München und Rotterdam zeigt er prächtige Beispiele der Raum-Zwischennutzung auf und kommt zu dem Schluss, dass es darum geht, die lokalen Gegebenheiten zu nutzen und mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten, um optimale Zwischennutzungs-Strategien zu entwickeln.

Die ersten drei Module der Stadtacademie wurden in Maastricht, Heerlen und Hasselt unterrichtet. Beim vierten Modul kamen Aachen-Nord und die Fahrräder ins Spiel. Für das Spektakel hat das Künstlernetzwerk Designmetropole Aachen die Stadtakademie in die Kaiserstadt geholt. Ihnen liegt Aachen-Nord besonders am Herzen. „Es gibt kein Viertelgefühl, und keiner weiß so richtig, was es ist“, sagt Patricia Graf, Designmetropole Aachen.

Sie selbst lebt auch in Aachen-Nord. Bei der Radtour kamen die Studenten vor allem im Gebiet der Liebigstraße und beim Anblick des alten Schlachthofs ins Schwärmen. „Die Diversität von Aachen-Nord ist faszinierend“, erzählt Rebekka Straetemans, die zusammen mit Dekan Tim Prins die Stadtacademie leitet.

Kreidekreuze für Veränderung

Am Tag nach der Vorlesung ging es darum, Konzepte und Strategien zu entwickeln, die direkt umgesetzt werden konnten. Patricia Yasemine Graf und Fabian Seibert von der Designmetropole erzählten viel über das Viertel. Eine Gruppe entwickelte die Idee, an alle Stellen, wo es konkrete Ideen für Veränderung gibt, Kreide-Kreuze auf den Boden zu malen, und diese Ideen einmal im Monat im Kreativdepot und Stadtteilzentrum Aachen-Nord zu präsentieren.

Handwerklich selbst aktiv werden

Eine andere Idee war es, das Depot komplett so zu renovieren, dass der minimale Standard von Gas, Wasser, Strom etc. eingehalten wird, aber der Rest von den einziehenden Initiativen, die sowieso schon handwerklich begabt sind, übernommen wird. So würde man von den zehn Millionen Euro Fördergeldern circa 2,5 Millionen für die Renovierung aufbringen, und der Rest könnte in soziale Projekte investiert werden. „Es gab sehr viel kreative Energie“, sagt Straetemans und lacht. Auch Professor Klaus Overmeyer begleitete die Studierenden und bewertete die Konzepte.

Für das Projekt haben sie sich Iris Schutten und Sabrina Lindemann an die Seite geholt, die längst mit ihrem „Hotel Transvaal“ in der niederländischen Hauptstadt Den Haag ein Paradebeispiel der Zwischennutzung sind. Denn der gesamte Stadtteil soll in Zukunft neu gebildet und 3000 Häuser sollen abgerissen werden. Viele Bewohner zogen weg. Um einen positiven Impuls in dieser Übergangszeit zu setzen, gestalteten die Macher die leeren Räume als Hotel.

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