Aachen - Stadt verliert den Kampf gegen illegale Kleidercontainer

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Stadt verliert den Kampf gegen illegale Kleidercontainer

Von: Heinrich Schauerte
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Hausmeister Franz Wirtz hat seine liebe Not mit einem illegalen Container am Westpark. Ständig wird dort auch Müll abgeladen, für den sich niemand verantwortlich fühlt.

Aachen. Frechheit siegt, sagt der Volksmund. Das gilt auch für illegale Kleidercontainer. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden, seit die Aufsteller gemerkt haben, dass sie beim Katz- und Maus-Spiel mit der Stadt die Gewinner sind.

Und das geht so: Man nehme einen Blechkasten, schreibe „Kleidung + Schuhe” drauf und stelle das Teil irgendwo ab. Am besten in Sichtweite eines genehmigten Containers. Auf jeden Fall muss es ein Platz im scheinbaren Niemandsland sein, wo aber viele Leute vorbeikommen.

Besonders dreistes Beispiel: Am Rande des „Hit”-Parkplatzes am Philipp-Neri-Weg neben der Glassammelstation. Der Platz ist wie immer raffiniert gewählt, denn es ist kaum zu erkennen, wozu er eigentlich gehört.

Wer das Geschäftsmodell kennt, weiß natürlich, dass die Sammelboxen im öffentlichen Raum stehen müssen, Privatleute würden sich das nicht gefallen lassen. Man kann bestens mit dem Auto anfahren, rundum wohnen viele Menschen und es herrscht reger Verkehr auf dem Supermarkt-Parkplatz. Ein Stück weiter in einer tristen Ecke steht der Rot-Kreuz-Container.

Oder das Parkdreieck zwischen Schanz und Vaalser Straße. Auch dort wurde der illegale Sammelbehälter so geschickt platziert, dass er besser zu erreichen ist als der genehmigte der Wabe - und er steht natürlich voll auf städtischem Grund. Der Container ist sauber und einladend, während der von der Wabe bemalt und beklebt ist.

An der Hanbrucher Straße steht das auffällige Teil auf dem Grünstreifen zwischen der Kleingartenanlage und dem Bürgersteig - ein „Niemandsland”, das aber der Stadt gehört. Einmal klebte ein Zettel dran, dass der Container illegal ist und man nichts einwerfen soll. Aber der ist längst weg, und die Kleingärtner ärgern sich nun schon viele Monate lang, dass da nichts passiert. Die städtischen Gärtner mähen das Gras fein säuberlich drumherum und entfernen den Unrat, der sich unweigerlich ansammelt.

In der Regel wird kein Aufsteller genannt, kein „guter Zweck”, nur eine Handynummer für den „Service”. Der dürfte hauptsächlich darin bestehen, regelmäßig das abzuholen, was wohlmeinende Zeitgenossen einwerfen - und die Container umzusetzen, falls es irgendwo zu brenzlig wird.

Nur ein paar hundert Meter weiter im Westpark versucht es eine andere Firma. Die gibt sogar einen Sitz in Frankfurt an. „Wenn man da anruft”, sagt Franz Wirtz, Hausmeister der angrenzenden Wohnanlage, „meldet sich eine Ausländerin, die sofort auflegt.” Die Nummer ist kostenpflichtig.

Um den Container herum liegt viel Unrat, meist alte Klamotten. „Das ist aber noch gar nichts”, meint der Vorarbeiter der städtischen Reinigungskolonne, der gerade vorbeikommt, „wir räumen hier zweimal pro Woche massenhaft Zeug weg.”

Und Wirtz weiß auch, was hier sonst so läuft: „Die Leute kommen vorbei, probieren die Sachen bei uns in der Tiefgarage an, und wenn es nicht passt, lassen sie es einfach liegen. Bei der vorherigen Firma wurden die Behälter wenigstens noch geleert, jetzt nicht mehr.” Auf diesem Container wird per Aufkleber die rührselige Geschichte erzählt, wie viele Arbeitsplätze das Textilrecycling schafft. Dass es hier um eine illegale und vermutlich rein kommerzielle Verwertung geht, wird natürlich nicht erwähnt.

Und die Stadt? Ist machtlos. Es gibt zwar eine Stelle, die für diese Art der unerlaubten Sondernutzung im öffentlichen Straßenraum zuständig ist. Die dort tätige Dame ist sehr engagiert, aber es werden trotzdem nicht weniger, sondern mehr Container.

Die Stadt kann die Kästen nur im Rahmen eines Vollstreckungsverfahrens entfernen, sonst wäre es eine Straftat. Das verursacht Kosten und dauert. Die Lagerkapazität ist auch begrenzt. Und oft steht der Container in der Zwischenzeit anderswo.

Das Aufstellen selbst ist nur eine Ordnungswidrigkeit, die man nicht mal ahnden kann, weil an die Leute nicht ranzukommen ist. Ausgediente Exemplare bleiben einfach stehen - etwa an der Maria-Theresia-Allee.

Die Mitarbeiterin, die sich um das Problem kümmert: „Wenn wir die Servicenummer anrufen, meldet sich ein Herr Meier oder Müller, der von nichts weiß. Umgekehrt rufen sie aber jeden Tag an und wollen stundenlang diskutieren, warum sie keine Container aufstellen dürfen.” So geht das im Rechtsstaat. Dabei ist die Sache eigentlich ganz klar geregelt: „Die Stadt Aachen vergibt Standorte ausschließlich an gemeinnützige Organisationen.”

Aktuell sind 47 illegale Sammelstationen bekannt, die Dunkelziffer dürfte erheblich sein. Das Geschäftsmodell ist wohl auch zu verlockend und funktioniert genau so lange, wie Menschen dort etwas einwerfen.
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