Aachen - Stadt ringt weiter um ihren Sonderweg für bessere Luft

Stadt ringt weiter um ihren Sonderweg für bessere Luft

Von: Gerald Eimer
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Rußschleudern: Viele Busse dürften nach heutigem Stand bei Einführung einer Umweltzone nicht mehr in die Stadt fahren. Foto: Harald Krömer

Aachen. Während die großen Ballungszentren in NRW nur noch mit grüner Umweltplakette befahren werden dürfen, ringt die Stadt Aachen weiter um ihren Sonderweg für bessere Luft. Wie Sprecher Harald Beckers am Montag erklärte, seien die städtischen Verantwortlichen weiterhin nicht von der Wirkung einer Umweltzone überzeugt. Gleichwohl müsse man feststellen, dass der Stadt mit dieser Haltung allmählich die Verbündeten abhanden kämen.

Beckers reagiert damit auf einen Bericht der „Nachrichten“ (27. Juni), wonach inzwischen maßgebliche Vertreter des Landesumweltamts (Lanuv) für eine grüne Umweltzone in Aachen plädieren. Grund sind die anhaltend schlechten und gesundheitsgefährdenden Feinstaub- und Stickoxidwerte, die immer noch weit hinter den Anforderungen der EU für saubere Luft zurückbleiben.

Der Aachener Luftreinhalteplan habe zwar einiges bewirken können, reiche aber im Ergebnis nicht aus, argumentieren Fachleute des Lanuv und Vertreter der Umweltverbände, die nun ein strengeres Durchgreifen verlangen. „Es muss mehr passieren“, sagt auch Beckers, betont aber zugleich, dass Aachen den bislang beschrittenen Sonderweg gerne weitergehen würde. Von einer Umweltzone verspricht sich die Stadt dabei geringere Effekte als von der Landesumweltbehörde prognostiziert. „Wir wollen nicht nur auf Reglementierung setzen, wir wollen auch das Verhalten in der Bevölkerung verändern“, sagt Beckers, der unter anderem auf die Förderung des Rad- und Nahverkehrs und die Brennstoffverordnung verweist.

Aus der Argumentation gegen eine Umweltzone sind allerdings auch deutliche Ängste vor den Nebenwirkungen herauszuhören. So warnen vor allem die wirtschaftsorientierten Verbände vor dem Fernbleiben der motorisierten Kundschaft aus den Niederlanden und aus Belgien, die künftig nicht mehr ohne Plakette in die Stadt einfahren dürften. Auch deshalb hat die Grenzstadt Aachen mit ihrem Luftreinhalteplan den Sonderweg beschritten. Die Umweltzone würde den Pakt mit Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Einzelhandelsverband sprengen, sagen die Verantwortlichen, die damit zugleich den Burgfrieden in der Verkehrspolitik gefährdet sehen.

Kollaps vermeiden

Die zweite große Sorge betrifft den Busverkehr. „Es darf nicht auf einen Kollaps hinauslaufen“, warnt Beckers. Der könnte aber kommen, wenn künftig nur noch Busse mit modernster Filtertechnik im Stadtgebiet verkehren dürften. Vor allem die im Auftrag der Aseag fahrenden Subunternehmen sind dafür längst nicht gerüstet. Auch die Aseag befindet sich noch mitten in einem kostenträchtigen Modernisierungsprozess ihrer Busflotte.

Die von der EU geforderten Grenzwerte für Luftschadstoffe seien in Aachen auch bei noch so gutem Willen nicht vor 2020 einzuhalten, glauben die städtischen Umweltverantwortlichen. „Dieses Problem haben aber alle Kommunen“, meint Beckers.

Demgegenüber sind die Umweltverbände und auch das Landesumweltamt überzeugt, den Bürgern durch grüne Umweltzonen etliche Tonnen Dieselruß ersparen zu können. Dadurch könne zugleich das Risiko für Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs, Asthma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt werden. „Diesen Fakten werden sich am Ende alle beugen müssen“, betonte noch vergangene Woche eine Lanuv-Sprecherin mit Blick auf die Situation in Aachen.

Die Stadtverwaltung sieht sich somit zunehmend in eine zweifelhafte Abwehrrolle hineingedrängt. „Wir wollen jetzt erstmal das nächste Treffen der Projektgruppe im September abwarten“, sagt Beckers. Dann kommen Vertreter der verschiedenen städtischen Interessengruppen sowie des Landesumweltamts und der Bezirksregierung Köln zusammen, die als Aufsichtsbehörde das letzte Wort über die Einführung einer Umweltzone hat.

Erwartet werden harte Verhandlungen darüber, ob es auch in den nächsten fünf Jahren bei einem – dann jedoch deutlich nachgebesserten – Luftreinhalteplan für Aachen bleiben kann, oder ob die Umweltzone noch oben drauf kommt. Deren Grenze würde aller Voraussicht nach entlang des Außenrings gezogen.

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