Aachen - Stadt hofft auf Urteil im Zensus-Verfahren: „Wir haben die korrekten Einwohnerzahlen“

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Stadt hofft auf Urteil im Zensus-Verfahren: „Wir haben die korrekten Einwohnerzahlen“

Von: Margot Gasper
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Die Statistikstelle hat errechnet, dass Ende Dezember in Aachen 255.967 Menschen lebten. Die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist relativ konstant. Geburten und Todesfälle halten sich die Waage.
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Hat eine Menge Zahlen parat: Yvonne Debald, Abteilungsleiterin der Statistikstelle.

Aachen. Sieben Jahre ist die jüngste Volkszählung jetzt her. Der nächste Zensus im Jahr 2021 ist schon längst in Vorbereitung. Aber noch immer liegt die Stadt Aachen mit dem Land NRW über die Ergebnisse der letzten Erhebung über Kreuz. Gestritten wird über die Frage, wie viele Einwohner Aachen denn nun hat.

Nach dem Zensus 2011, einem Stichproben-Verfahren, dessen Ergebnisse hochgerechnet wurden, hatte das Land die Einwohnerzahlen deutlich nach unten korrigiert, für Aachen damals auf etwas über 240.000. Zahlreiche Kommunen, darunter Aachen, Baesweiler und Geilenkirchen, zogen dagegen vor Gericht. Ein Urteil aber gibt es nach all den Jahren immer noch nicht. Yvonne Debald ist vorsichtig optimistisch, dass sich jetzt – endlich – etwas tut. „Wir rechnen in den nächsten zwei bis drei Monaten mit einem Urteil“, sagt die Abteilungsleiterin der städtischen Statistikstelle.

Debald ist weiterhin überzeugt: „Wir in Aachen haben die korrekten Einwohnerzahlen.“ Und die liegen seit Jahren relativ konstant um rund 5500 über den Zahlen des Landes. Nicht nur Aachen wartet dringend auf den Ausgang des Musterverfahrens. Es geht immerhin um viel Geld. Schließlich ist die Einwohnerzahl zum Beispiel die Grundlage für die Berechnung der Schlüsselzuweisungen des Landes.

255.967 Aachener

Ohnehin macht das Land aktuell in Sachen Zahlen und Daten nicht gerade die beste Figur. Jüngst gab es Meldungen über massive Probleme bei den Statistikämtern im Land. Weil der Landesregierung wichtige Daten fehlten, um die Entwicklung, etwa bei Geburten, einzuschätzen, greife man sogar auf die Daten eines Babynahrungsmittelherstellers zurück, hieß es. Die Aachener Statistik-Chefin betont, dass sie und ihre Kollegen die städtischen Meldedaten problemlos und zeitnah verarbeiten können.

Ende Dezember 2017 gab es 255.967 Aachener. Ganz korrekt muss man sagen: Die wohnberechtigte Bevölkerung, die mit Erst- oder Zweitwohnsitz in der Stadt gemeldet ist, war 255.967 Personen stark. „Aachen wächst weiter“, bilanziert Yvonne Debald. „Die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist dabei aber relativ konstant“, sagt sie.

Geburten und Todesfälle gleichen einander in etwa aus. So gab es 2017 zum Beispiel 2227 Geburten. Dem gegenüber standen 2358 Sterbefälle. In manchen Jahren ist das umgekehrt, aber es gibt keine riesigen Abweichungen. Für Wachstum bei den Einwohnerzahlen sorgen aber zwei Gruppen, erläutert die Statistikerin: „Die Flüchtlinge und – ganz stark – die Studenten.“ Zuzüge brachten 2017 insgesamt ein Einwohner-Plus von 1146.

Bei den 18- bis 20-Jährigen verzeichnet die Stadt den größten Zuzug. Und am meisten wächst die Bevölkerung ab August, wenn bald das neue Studienjahr beginnt. Dann kommen die neuen Studis in die Stadt. Natürlich ziehen viele ein paar (Studien-)Jahre später wieder weg. „Aber ein gewisser Klebeeffekt macht sich schon bemerkbar“, sagt Debald: Viele junge Menschen bleiben Aachen auch nach dem Studium treu – weil sie hier Arbeit finden und weil sie die Stadt mögen.

Das Durchschnittsalter aller Aachener liegt bei 40,64 Jahre. 2013 war „der“ Aachener noch 38,91 Jahre alt. Insgesamt wird die Bevölkerung derzeit also allmählich etwas älter.

Die städtische Statistikstelle ist vor allem Dienstleister. „Wir liefern zum Beispiel Planungszahlen für die verschiedenen Fachbereiche“, erläutert Debald. „Und wir können Gebiete dafür kleinräumig betrachten und so zuschneiden, wie sie für die jeweiligen Fragestellungen benötigt werden.“ Der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule etwa braucht Datenmaterial für die Planung von Kindertagesstätten und Schulen.

Dem Zahlenmaterial der Statistiker kann man zum Beispiel entnahmen, dass vergangenes Jahr die meisten Neugeborenen, nämlich 151, in Eilendorf zu Hause waren. 149 waren es in Brand, 124 in Forst, 122 im Bereich Frankenberg und 121 rund um den Hangeweiher. Die wenigsten Neugeborenen, nämlich 15, gab es im vergangenen Jahr in der Innenstadt, im Bereich Markt. Aber auch Kornelimünster mit 24 war in Sachen Geburten eher bescheiden unterwegs.

Aachen ist bunt. Bei den Einwohnern, die keinen deutschen Pass haben, machen die Türken mit rund 6200 die größte Gruppe aus. An zweiter Stelle folgen, allerdings mit großem Abstand, die Syrer (rund 2900). 2700 Chinesen, 2000 Polen, 1700 Inder und 1600 Rumänen leben in Aachen. Und wenn man zusammenzählt, von wie vielen Nationen es in Aachen nur einen einzigen Vertreter gibt, dann kommt man aktuell auf 13. Genauere Angaben dazu rückt von Yvonne Debald aber nicht raus. „Das wäre gegen die Regeln des Datenschutzes“, sagt sie.

Hinter den Erwartungen zurück

Bei einem Projekt allerdings sind die städtischen Statistiker hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ende 2014 wurde erstmals ein Demografiemonitoring für das Jahr 2013 vorgelegt. Auch in den beiden Folgejahren gab es solch ein umfangreiches Zahlenwerk über Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. Und dann – war Schluss. Dabei hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp im Vorwort zu den Zahlen für 2013 noch angekündigt: „Diese Art der Beobachtung wird nun jährlich erstellt und veröffentlicht.“

Personell habe man diese Aufgabe einfach nicht mehr stemmen können, bedauert Debald. Denn der demografische Wandel mache sich leider auch bei den städtischen Statistikern bemerkbar. „Ich hoffe, dass es dieses Jahr für die Zahlen von 2017 wieder klappt.“ Man wolle die Zahlen dann auch stärker auswerten und bewerten, kündigt Debald an. „Die Zahlen sind da. Was fehlt, ist die Auswertung.“

Auch bei den angekündigten Stadtteilprofilen ist es bisher beim Prototypen für Brand geblieben. „Aber wir versuchen, die Brander Zahlen regelmäßig zu aktualisieren“, sagt Debald. „Und wir stellen die Daten regelmäßig in der Bezirksvertretung Brand vor.“

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