Stadt denkt über ein Raketenverbot nach

Von: Alfred Stoffels
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Aachen. Oberbürgermeister Marcel Philipp will prüfen lassen, ob zumindest in Teilen der historischen Altstadt ein Verbot von Feuerwerkskörpern erlassen werden soll und kann. Dies vor dem Hintergrund, dass am Silvesterabend eine Rakete in die Citykirche St. Nikolaus abgeschossen wurde, was schwere Brandschäden zur Folge hatte.

Die Vorstellung, andere Vorzeigegebäude oder gar das Weltkulturerbe Dom könnten im Rahmen der Jahresendböllerei Schaden nehmen, löst natürlich eine gewisse Nervosität aus. In dieser Situation hält es der OB für sinnvoll und angebracht, über Vorsichtsmaßnahmen nachzudenken.

Nach Philipps Vorstellungen sollen sich alle zuständigen Verwaltungsgliederungen vom Rechtsamt über das Ordnungsamt bis zur Denkmalpflege Gedanken zum Thema machen. Das Kardinalproblem bei solchen Verboten ist natürlich, ob sie überhaupt kontrolliert und im Notfall sanktioniert werden können - die Polizei müsste also unbedingt mit ins Boot. Die ist allerdings gerade über Silvester mit Einsätzen aller Art ausgelastet.

Einige deutsche Städte, besonders solche, die reich mit Fachwerk gesegnet sind, haben Feuerwerksverbote erlassen oder es zumindest versucht. Die Rechtslage ist etwas schwierig, man muss schon gute Gründe haben, um den Leuten den Spaß an der Freud´ mit Böllern und anderem Knall- und Schießgerät zu verderben. Konstanz zum Beispiel hatte diesmal in großen Teilen der Altstadt das Hantieren mit Feuerwerkskörpern untersagt - in der Stadt am Bodensee war es erst am 23. Dezember zu einer Brandkatastrophe gekommen, drei uralte Häuser wurden ein Raub der Flammen.

Doch auch ohne ein spezielles kommunales Verbot hätte die Rakete in der Großkölnstraße nicht abgeschossen werden dürfen: Zum 1. Oktober vergangenen Jahres ist bundesweit das Sprengstoffgesetz geändert worden, in dem es seither wörtlich heißt: „Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern ist verboten.” Doch auch hier gilt: Wer überwacht das?

Detlev Fröhlke, Chef des Ordnungsamtes, weiß aus Erfahrung, dass „das enorm schwer ist”, zumal sich ein Verbot nicht auf den Kern der Innenstadt beschränken lasse, sondern wohl auch Teile von Burtscheid oder Kornelimünster umfassen müsse. Grundsätzlich sei es aber vernünftig, über Einschränkungen beim großen Ballern nachzudenken, allerdings müssten „Verhältnismäßigkeit und Wirksamkeit” in einem gesunden Verhältnis stehen.

Philipp sagte am Dienstag gegenüber den „Nachrichten”: „Wir haben ja nun ein paar Monate Zeit zum Überlegen. Wir werden uns alle Umstände, die eine Rolle spielen, in Ruhe angucken, aber eins steht fest: Eine richtige Katastrophe wäre, wenn uns so etwas zweimal passiert.” Das Unglück in der Nikolauskirche schockiere, auch wenn „nur” Kunstwerke zerstört worden und enorme Sachschäden entstanden seien.

Die Polizei teilte am Dienstag mit, dass es zu den jungen Leuten, die vom Vorplatz der Kirche ihre Silvesterraketen abgefeuert hätten, neue Erkenntnisse gebe. Demnach handelte es sich um eine Gruppe von etwa neun Personen, 19 bis 25 Jahre alt. Die Raketen wurden zum Teil aus einem Bierkasten heraus abgeschossen.

Die Bevölkerung wird erneut um Mithilfe gebeten. Hinweise werden bei jeder Polizeidienststelle oder unter den Rufnummern 0241/9577-31101 und (nach Büroschluss) 9577-34210 entgegengenommen.

Franz Kretschmann, Sprecher des Bistums, teilte mit, der Schaden in der Nikolauskirche werde auf jeden Fall in die Millionen gehen, wenn auch derzeit eine genaue Zahl noch nicht zu nennen sei. Mit der zuständigen Versicherung seien am Dienstag sehr gute Gespräche geführt worden, der Brandschaden werde komplett reguliert.

Der schwer beschädigte Hochaltar wird abgebaut und später restauriert. Wo er in der Zwischenzeit gelagert werden kann, steht noch nicht fest. Der gesamte Altarraum muss eingerüstet werden, um die notwendigen Sicherungsmaßnahmen vornehmen zu können. In den nächsten Tagen wird zudem ein Chemiker die Brandrückstände auf Schadstoffe untersuchen, die für Menschen ungefährlich sind, aber die gesamte Baukonstruktion angreifen können. Die Heizungsanlage ist auch beschädigt, aber weniger als befürchtet.
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