Aachen - Stadt braucht mehr Platz für mehr Flüchtlinge

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Stadt braucht mehr Platz für mehr Flüchtlinge

Von: Werner Breuer
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Suchen Platz für Flüchtlinge: Sozialdezernent Manfred Sicking, OB Marcel Philipp, Heinrich Emonts, der Leiter des Fachbereichs Soziales, und Sandra Knabe, Abteilungsleiterin Übergangsheime (v.l.). Foto: Harald Krömer
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Zur Unterbringung von Flüchtlingen hat die Stadt auch ein ehemaliges Hotel in der Innenstadt angemietet. Foto: Harald Krömer

Aachen. Gibt‘s Probleme? Aktuell sieht Oberbürgermeister Marcel Philipp sie nicht: Derzeit seien in Aachen über 560 Flüchtlinge untergebracht, erklärt der OB, für sie stehe ausreichend Wohnraum zur Verfügung. Auf Dauer dürfte das aber nicht reichen. „Wir müssen zügig mehr Kapazitäten schaffen“, sagt Philipp.

Denn die Zahl der Flüchtlinge steigt – wieder. „Es waren schon einmal mehr“, sagt der Oberbürgermeister. Dann wurden es weniger, weshalb die Kapazitäten zur Unterbringung der Schutzsuchenden vor Jahren nach und nach abgebaut wurden. Doch nun registriert die Verwaltung wieder Zuwächse. Vor zwei Jahren wurden der Stadt Aachen noch 237 Personen zugewiesen, ein Jahr später waren es schon 395. Derzeit leben laut einer Vorlage der Verwaltung für den Rat 562 Flüchtlinge in Aachen.

Die Verwaltung rechnet mit steigender Tendenz, zumindest das Gegenteil wird kaum erwartet: „Ein erneuter Rückgang ist mit Blick auf die globale Entwicklung, auf die europanahen Krisenherde und die nach wie vor ungleichen Verhältnisse in Europa derzeit nicht absehbar“, heißt es nüchtern in der Vorlage.

Mit Blick auf die kontinuierlich steigenden Flüchtlingszahlen geht Sozialdezernent Manfred Sicking davon aus, dass in den kommenden zwei Jahren zusätzlicher Wohnraum für mehr als 1000 Menschen geschaffen werden muss. Dabei nimmt die Verwaltung zunächst städtische Immobilien ins Visier, aber auch Wohnraum der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewoge. Hier könnten maximal 315 Plätze geschaffen werden. Aber auch die Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum ist für Sicking kein Tabu. Hier sieht die Verwaltung Potenzial für 65 weitere Plätze. Sie hofft zudem auf zwei Neubauten –einen soll die Gewoge errichten, einen weiteren ein Investor – mit insgesamt noch einmal 120 Plätzen. Und überdies könnten noch 30 durch den Ankauf eines Mehrfamilienhauses und 150 durch die übergangsweise Anmietung eines Bürohauses gewonnen werden.

Wir wollen auch Puffer einbauen“, sagt der Sozialdezernent. Denn mitunter wird die schönste Planung von aktuellen Entwicklungen überholt. Üblicherweise kündigen die zentralen Aufnahmeeinrichtungen des Landes zwei Wochen vorher an, wen sie nach Aachen schicken. „Wenn es bei den Einrichtungen des Landes eng wird, kann es auch schon mal schneller gehen“, weiß Heinrich Emonts, Leiter des städtischen Fachbereichs Soziales und Integration. Die Neuankömmlinge sieht er als „heterogene Gruppe“: Einzelreisende seien darunter, aber auch Ehepaare oder größere Familien. Ihre Gemeinsamkeit: „Das Aufatmen nach langer Flucht“, sagt Emonts. Von den oft dramatischen Erfahrungen seien viele traumatisiert. Deshalb werden sie zunächst in Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht. „Das halten wir für sinnvoll“, sagt Emonts, „wegen der engmaschigen Betreuung“.

Um die Betreuung kümmern sich auch Sozialarbeiter, die laut Sicking „die Integration der Flüchtlinge begleiten“ sollen. Zu ihren Aufgaben gehört es ebenso, den Kontakt zur Nachbarschaft zu halten. Aber auch den Hausmeistern der Objekte ist eine größere Verantwortung zugedacht. „Die sind nicht nur zum Wechseln von Glühbirnen da“, sagt Emonts, sondern erfüllen eine wichtige Aufgabe als Ansprechpartner für die Flüchtlinge. Deshalb werde bei ihrer Auswahl auch Wert auf soziale Kompetenz gelegt. Insgesamt soll den Flüchtlingen Unterstützung zuteil werden bei all den Problemen des Alltags, ob es nun um Anträge auf Geldleistungen oder Krankenschutz geht, um Arzttermine oder die Anmeldung der Kinder in Schulen oder Kindergärten. Auch wenn die Flüchtlinge in einer eigenen, abgeschlossenen Wohnung untergebracht werden („möglichst zeitnah“, sagt Emonts), sollen sie nicht alleine gelassen werden.

Vielleicht ist es ja das, was Marcel Philipp mit dem Begriff „Willkommenskultur“ meint. Es gebe in Aachen einen „gesellschaftlichen Grundkonsens“, sagte der OB beim Pressegespräch am Nachmittag. Abends im Rat wurde das mit breiter Mehrheit bestätigt, es gab viel Lob für die Pläne der Verwaltung.

Die dürften zwar den Haushalt in Zukunft etwas belasten, aber Sozialdezernent Sicking sieht das im größeren Zusammenhang der deutschen Geschichte: „Wir sollten stolz darauf sein, wenn wir Flüchtlingen anständige Lebensbedingungen bieten können.“

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