Staatsanwalt sicher: Ali C. ist der Mörder

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Lebenslange Haft für den 45-jährigen Angeklagten Ali C. aus Haaren: Das war das Fazit aus den Schlussvorträgen von Anklage- und Nebenklagevertretern im Fall der am 12. April 2011 abends in ihrem Haarener Einfamilienhaus getöteten Unternehmerin.

Bis zum 23. Verhandlungstag hatte es in dem langen, mit Beweisanträgen der Verteidigung gespickten Schwurgerichtsverfahren gedauert, bevor der Vorsitzende Richter Gerd Nohl am Montagnachmittag die Beweisaufnahme schließen und danach die Plädoyers zulassen konnte.

Jetzt war es für Staatsanwalt René Gilles, der den komplizierten und auf Indizien basierenden Fall im laufenden Prozess von einer Kollegin übernehmen musste, endgültig klar: Der nicht geständige Montagearbeiter Ali C. soll der Mörder der am Tattag 72-jährigen Geschäftsfrau sein, von der er sich knapp drei Wochen zuvor 1000 Euro geliehen hatte. Das Geld habe er zur Finanzierungen seiner Spielsucht gebraucht. Die Staatsanwaltschaft geht trotz der Einschränkungen der psychiatrischen Gutachterin weiterhin von einem erheblich Geldbedarf für die Spielleidenschaft des Angeklagten aus.

Eine heiß umstrittene Beweislage hatte zu immer neuen Gutachten geführt. Darin ging es um ein vor der eigentlichen Mordtat gegen das spätere Opfer eingesetztes Pfefferspray, das sich als ein schweizerischer Produkt der Marke Guardian Angel der Firma Piexon herausstellte. „Die Tat teilte sich in zwei Akte”, erklärte der Staatsanwalt. An jenem Abend des 12. April sei für den aus einem früheren Mietverhältnis bekannten C. der Rückzahlungstermin vereinbart gewesen. Die ansonsten vorsichtige Geschäftsfrau habe den ihr bekannten Mann in ihr Haus gelassen. Es sei aus nicht näher geklärten Umständen zum Einsatz des besagten Pfeffersprays gekommen. Das Opfer habe sich erwehren wollen, habe über die Kellertreppe wahrscheinlich durch den Garagenzugang des Hauses flüchten wollen.

Der Angeklagte sei also nicht bereits mit Mordvorsatz in das Haus gekommen, wertete der Staatsanwalt das Geschehen. Als Ali C. aber nicht zahlen wollte oder konnte, habe er den Sprayangriff ausgeübt, auf der Brust des Opfers und auf der Küchentüre fanden sich die Spuren der orangefarbenen Masse des Guardian Angel. Als er sich sein Tun vergegenwärtigte und das Opfer über die Kellertreppe zu fliehen versuchte, habe er die 72-Jährige erdrosselt. Eine solche Tat zur Verdeckung einer anderen Straftat wird juristisch als Mord gewertet, das Strafmaß ist lebenslange Haft. Am Hals der Toten und an den Händen wie unter den Fingernägeln der Toten habe die Polizei die DNA des Angeklagten gefunden.

Zwar habe es Unregelmäßigkeiten und Fehler bei der ermittelnden Polizei gegeben, gestand Gilles zu. Das Nicht-Tragen von Schutzanzügen bei der Spurenaufnahme habe aber nicht zu beweiserheblichen Verfälschungen geführt.

Das unter anderem wird die Verteidigung völlig anders sehen. Sie hatte beispielsweise bis zum Schluss darum gekämpft, dass das vom Angeklagten einige Wochen zuvor erworbene Pfefferspray nicht aus der Produktion stammen könne, der die Spuren am Tatort zuzurechnen seien. Das Gericht lehnte diese Sicht der Dinge in seinen Entscheidungen wiederholt, zuletzt am Verhandlungstag am Dienstag, ab. Die Verteidiger werden am kommenden Montag, 23. April, ab 13.30 Uhr plädieren.

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