Staatsanwältin geht mit Leonid V. (29) hart ins Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Zwölf Jahre Haft für schwere räuberische Erpressung und versuchten Mord an dem Ladenbesitzer des Mix-Marktes in Driescher Hof hat am Donnerstag Staatsanwältin Claudia Schetter in ihrem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht gefordert.

Der angeklagte Leonid V. (29) habe mit „hoher krimineller Energie” die Tat am diesjährigen Valentinstag, dem 14. Februar, begangen.

Unstrittig sei nach Aussagen einer Zeugin, dass der Angeklagte bereits mittags begonnen hatte, den Supermarkt „auszubaldowern”. Er war dabei einer Frau aufgefallen, die einen Werbestand im Supermarkt betreute und die der schlaksige junge Mann laut Staatsanwältin an „einen bekannten russischen Schauspieler” erinnerte. Deshalb konnte sie sich so gut an den späteren Täter erinnern.

Leonid V. habe das alles abgestritten und behauptet, den Überfall spontan begannen zu haben, dies auch noch unter Alkohol. Alles dreiste Schutzbehauptung, bewertete die Staatsanwältin die Einlassungen, er habe „gelogen wie selten ein anderer” und er habe die Tat von langer Hand geplant.

Sogar die Kabelbinder waren genau vorbereitet. Mit ihnen hatte er die Ehefrau des späteren Opfers kurz nach 18 Uhr gefesselt und mit der Waffe am Kopf gezwungen, ihn zum Büro ihres Mannes zu führen. Dort wollte er mit geladener und gespannter Pistole den 56-jährigen Besitzer zwingen, die Samstagskasse herauszugeben.

Der körperlich überlegene Mann dachte aber gar nicht daran, schilderte Schetter die Geschehnisse weiter. Er bewarf den Täter mit einer Kiste und ging auf ihn los. In dem Moment habe der Angeklagte geschossen, und zwar zielgerichtet in die Brust des Ladenbesitzers. „Wer aus so kurzer Distanz einem Menschen in die Brust schießt, der nimmt seinen Tod zumindest billigend in Kauf”, so die Staatsanwältin kurz und bündig.

Als Mordmerkmal komme hinzu, dass er mit dem Schuss seine Flucht ermöglichen und damit eine Straftat verdecken wollte. Erst der zweite Schuss löste sich in dem Handgemenge. Der Angeklagte stellte dies alles anders dar, führte an, er sei betrunken gewesen und der Schuss habe sich im Gemenge gelöst.

Alles Schutzbehauptungen, meinte auch der Nebenkläger-Anwalt Alexandros Tiriakidis. Er schilderte nochmals, dass sein Mandant nur zufällig - „weil der Schusskanal so günstig verlief” - überlebt habe, sonst wäre der versuchte ein tatsächlicher Mord. Auch die Ehefrau habe psychisch gelitten, weil sie mit der Waffe am Kopf und mit gefesselten Händen den Aufenthalt ihres Mannes verraten musste.

Urteil wird heute verkündet

Verteidiger Ulrich Gleißner führte ins Feld, dass sein Schützling sehr wohl Verantwortung für die Tat übernehme. Er sei schließlich ein „Selbststeller” und habe sich der Polizei offenbart, obwohl er bereits im Ausland untergetaucht war. Das Urteil wird am Freitag um 10.30 Uhr im Landgericht verkündet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert