St. Leonhard-Abiturienten: Reif für Uni, aber nicht für Disco

Von: Georg Dünnwald und Juliette Blot
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Direkt unter dem Lenné-Pavillon, im Club Zero des Spielcasinos Aachen, wollten zwei Abiturjahrgänge des St. Leonhard-Gymnasiums abtanzen bis zum Morgen. Für viele wurde nichts draus. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Vorfreude war groß, als Samstag vor acht Tagen, im gläsernen Lenné-Pavillon des Spiel­casinos der Abiball des St. Leonhard-Gymnasiums stattfinden sollte. ,,Die Schüler hatten alles vorbereitet, es sollte ein ganz besonderer Abend werden.“ Jedoch ist Martin Mersmann, Vater der 19-jährigen Abiturientin Laura, noch ganz außer sich über das, was letztendlich folgte.

Für die Abiturienten, Freunde und Geschwister, die unter 18 Jahre alt sind, endete der Festabend früher als geplant. Rund 110 Schulabsolventen aus zwei Abiturjahrgängen wollten feiern, zusätzlich waren rund 390 Gäste anwesend.

Wie es bei solchen Veranstaltungen üblich ist, sollte nach dem Buffet und einem kleinen Programm im Club Zero, der Diskothek unter dem Pavillon, abgetanzt werden. Als alle freudig zu dem Club runter gehen wollten, kam die böse Überraschung: ,,Niemand unter 18 kommt rein“, sollen einigermaßen barsch die vor der Discotür stehenden Sicherheitsleute gesagt haben.

Empörung machte sich unter allen Beteiligten breit, die für den Ball immerhin pro Person 35 Euro hingeblättert hatten. „Beim Reservieren der Räume, wurde den Abiturienten, die den Ball organisiert hatten, nichts davon gesagt“, beschwert sich Mersmann. Im Gegenteil, eine bei der Casino-Gastronomie beschäftigte Dame habe der Vorbereitungsgruppe zugesichert, dass auch unter 18-Jährige in bestimmten Fällen den Club Zero betreten dürften.

Die Türsteher einer Sicherheitsfirma aber wollten nicht einmal die Jugendlichen in Begleitung von Erziehungsberechtigten einlassen. Obwohl das Jugendschutzgesetz dies gestattet. Dennoch berief sich der herbeigerufene Gastronomie-Verantwortliche auf das Jugendschutzgesetz. Auf Vorhaltungen der Eltern, dass ihre Kinder sehr wohl nach dem Jugendschutzgesetz mit ihnen zusammen in die Disco dürften, entschied sich der Gastronomiemann, eine Hausregelung der Westspiel GmbH für das Zutrittsverbot anzuführen. Die könne er nicht außer Kraft setzen. Für minderjährige Abiturienten aber habe er eine Ausnahme gemacht, die dürften bis 2 Uhr nachts bleiben.

Nach anschwellendem Protest von den entsetzten Jugendlichen und deren Eltern reagierte die Führungskraft der Casino-Gastronomie nassforsch, wie Mersmann erzählt. Er drohte, dem gesamten Abiturjahrgang mit dem Rauswurf aus dem Club Zero.

Unermüdlich ins Zeug gelegt

„Wes Geistes Kind sind die eigentlich“, dachte sich Schulleiter Stefan Menzel über den Disco-Türsteherdienst und die Gastronomieführungskraft, als er die Streitigkeiten vor der Tür des Club Zero mitbekommen hatte. Er war, wie alle Lehrer des Abschlussjahrgangs, von den Abiturienten eingeladen. „Die waren die Veranstalter und haben sich sehr ins Zeug gelegt, sich alle erdenkliche Mühe gegeben. Und es hätte so ein schöner Abend werden können, wenn die Casino-Gastronomie nicht quergeschossen hätte“, erklärte der Schuldirektor am Montag. Dabei hatten die Jugendlichen den Lenné-Pavillon und den Club Zero ausgesucht, weil ihrer Meinung nach dort alles so richtig zusammenpasste.

Am Ende feierten die Abiturienten ohne ihre Freunde und Geschwister, denen der Zutritt verwehrt wurde. Auch die Eltern blieben draußen, weil sie sich um ihren ausgeschlossenen Nachwuchs kümmern mussten.

David Schnabel, Pressesprecher von der Westspiel AG, zeigte sich am Montagnachmittag erstaunt: „Das Orga-Team des Gymnasiums hat mit der Casino-Gastronomie vorher den Ablauf klar geregelt, dabei war auch die Vereinbarung über die Nutzung des Club Zero“, sagte er den „Nachrichten“.

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