Kornelimünster - St. Kornelius: Der Dachstuhl kostet 250.000 Euro

St. Kornelius: Der Dachstuhl kostet 250.000 Euro

Von: Georg Dünnwald
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Foto: Ralf Roeger

Kornelimünster. Im Aachener Dom hat er sich schon ausgetobt, in der Propsteikirche von Kornelimünster frisst sich der gemeine kleine gescheckte Nagekäfer zurzeit satt. Auf seiner Speisekarte steht Eichenholz.

Und aus Eichenholz ist der Dachstuhl der altehrwürdigen Propsteikirche, die einst von Karls des Großen Sohn Ludwig der Fromme im Jahr 814 für ein Benediktinerkloster errichtet wurde.

Nun steht der Dachstuhl vor der dringenden Sanierung, mit der im Frühjahr kommenden Jahres begonnen werden kann. 250.000 Euro wird die kosten, gestern bekam Propst Ewald Vienken von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) eine Zusage über 50.000 Euro für die Dachsanierung des Hauptschiffs der Kirche. „Die restlichen 200.000 Euro setzen sich aus Spenden, Kirchensteuermitteln und Landeszuschüssen zusammen“ erklärt der Propst.

Bußgelder

Er ist hoch erfreut über die Spende der Stiftung, die ebenfalls, laut Roland Tauber, dem Ortskurator Jülicher Land/Euregio der DSD auf Spenden angewiesen ist. Das meiste Geld, das die DSD einnimmt, stammt aus den Überschüssen und Abgaben der Glücksspirale, „hin und wieder bekommen wir aber auch Bußgelder von Gerichten zugesprochen“, erläutert Tauber.

Der Schadenbefund an der Kirche ist beträchtlich. „Um der Pilgermassen Herr zu werden, wurde die Kirche ständig erweitert“, erklärt der Architekt Hans-Martin Lützenburg. Schließlich werden in der Propsteikirche drei Heiligtümer – das Schürztuch, mit dem Jesus Christus beim letzten Abendmahl die Füße seiner Jünger gewaschen haben soll, das Grabtuch Jesu Christi und das Schweißtuch, das Jesu Kopf im Grab umhüllte – aufbewahrt, die wie die vier Aachener Heiligtümer (das Kleid Mariens, die Windeln Jesu, das Lendentuch Jesu und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers) alle sieben Jahren während einer über einwöchigen Wallfahrt gezeigt werden. Bis zur Reformationszeit waren Aachen und Kornelimünster unter den Hauptzentren der Wallfahrtsorte zu finden und wurden in einem Atemzug mit Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela erwähnt.

Statische Schäden

Die Erweiterungen seien eine der Ursachen, dass am Dachstuhl statische Schäden festgestellt wurden und an den Gewölben starke Risse aufgetreten seien. Durch aufsteigende Feuchtigkeit von unter der Kirche fließenden Wasserläufen habe ich am Holzgestühl des Dachs Schimmel gebildet, der schließlich den gescheckten Nagekäfer angelockt habe. „Das Insekt kann zwar schlecht sehen aber sehr gut riechen. Zehn Kilometer weit kann es den Duft von schimmelnder Eiche aufnehmen. Deshalb ist der Käfer, der seine Eier auf Eichenholz legt, auch im Aachener Dom zu finden“, weiß Lützenburg. Ideal aber sei die Umgebung von Kornelimünster. Das Münsterwäldchen werde forsttechnisch genutzt, „da bleibt kein totes Eichenholz als Nahrungsquelle für den Käfer liegen, also macht er sich in den Dachstühlen von Kirchen und an Fachwerkhäuser ran.“ Lützenburg hat noch mehr schlimme Schäden in St. Kornelius festgestellt: „An den bleiverglasten Kuppelfenstern sind Undichtigkeiten entstanden, auch der Naturstein im Umgang hat stark gelitten.“

Es ist nur ein paar Monate her, da musste die Korneliuskapelle, ein Barock-Anbau, in dem früher die Heiligtümer aufbewahrt wurden, grundsaniert werden (wir berichteten).

Vor 15 Jahren hat sich die DSD schon einmal an einer Instandsetzung des Chorgestühls der ehemaligen Abteikirche beteiligt.

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