Sprachförderung von der Kita bis zur Berufsschule

Von: Daniel Gerhards
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Mehr tun für die Integration:
Mehr tun für die Integration: Die Bundestagsabgeordneten Aydan Özo?uz und Ulla Schmidt diskutierten in Aachen. Zweiter von links Richard Okon von der OT Josefshaus. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Integration ist ein Thema mit vielen Facetten. Es geht um Zuzug, Einbindung in die Gesellschaft, Bildung, Religion, Gleichberechtigung, Staatsbürgerrecht oder darum, dass sich Menschen heimisch fühlen. Um solche Aspekte ging es bei der SPD-Diskussionsveranstaltung „Integration geht und alle an” in der Nadelfabrik.

Gekommen war Bundestagsmitglied Aydan Özoguz. Die gebürtige Hamburgerin ist stellvertretende SPD-Vorsitzende und Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion. Mitgebracht hatte sie eine Menge Statistiken und Daten zur Migration in Deutschland.

Sie zeigte anhand von Kurven und Tabellen, dass er nur geringfügig mehr Menschen gibt, die nach Deutschland kommen, als solche, die abwandern. Man könne also kaum noch davon sprechen, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. Oder anders gesagt: „Deutschland ist ein Zuwanderungsland, aber es kommen keine Massen.” Und dennoch sei Integration nötig. Denn 19 Prozent der Einwohner Deutschlands haben heute einen Migrationshintergrund. In Aachen hat sogar jeder Dritte einen ausländischen Hintergrund.

Die SPD setze beim Thema Integration auf Bildung, etwa auf „durchgehende Sprachförderung von der Kita bis zur Berufsschule”, erklärte Özoguz. „Wie soll ich Mathe verstehen, wenn ich die Aufgabe nicht verstehe?”, fragte Özoguz. Solche Angebote dürften aber nicht nur auf Kinder von Migranten beschränkt sein. Es gebe viele deutsche Kinder, die Sprachförderung bitter nötig haben.

Zudem wolle man dafür sorgen, dass weniger junge Leute die Schule ohne Abschluss verlassen. Auch der Übergang von der Schule in den Beruf soll erleichtert werden. Özoguz formulierte das Ziel, dass jeder eine Berufsausbildung haben soll.

Richard Okon, Leiter der Offenen Tür Josefshaus im Ostviertel, forderte mehr Personal, das sich um die Jugendlichen kümmert. Und Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund. „In der Pubertät können sich die Jugendlichen nicht gegen ihre Eltern auflehnen”, sagte Okon. In muslimischen Familien sei der Vater unantastbar. „Dann bilden die Jugendlichen Gruppen, in denen der Stärkste und Brutalste die Richtung vorgibt.” Okon forderte ein „ergänzendes Bildungssystem für Migranten und unterprivilegierte Deutsche”.

Der Aachener SPD-Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt kommt es bei der Integration auf gegenseitiges Verstehen und Anerkennen an und darauf, aufeinander zuzugehen. „Menschen die nach Deutschland kommen, sollen genauso behandelt werden, wie die, die schon lange hier leben.” Man müsse die Kulturen respektieren und sich mit Achtung begegnen, sagt Schmidt.

Kinder tragen viel Verantwortung

Das ist für Ye-One Rhie, die im Ostviertel aufgewachsen ist, ein wichtiger Aspekt. Die Politikstudentin sagte, dass es Kinder mit Migrationshintergrund schwerer haben, als deutsche Kinder. Sie „haben größere oder andere Probleme”, sagte Rhie. Denn oft tragen Kinder, wenn sie besser deutsch sprechen als ihre Eltern, eine Menge Verantwortung. Sie schreiben Briefe für die Eltern und begleiten sie zu Ärzten oder Ämtern. Und dabei gebe es viele ernüchternde Erlebnisse.

Rhie: „Ich habe mich nie schlechter gefühlt als in Situationen, in denen meine Eltern schlecht behandelt wurden.”
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