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Spielcasino: Räuber hielt sich nicht an den Dresscode

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Noch in der Nacht wurden in dem ehemaligen Kurhaus umfangreiche Spuren gesichert, bislang aber ohne greifbares Ergebnis.
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In der Nacht zum Freitag wurde das Casino an der Monheimsallee von einem Maskierten heimgesucht. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und leitete eine breit angelegte Suche ein. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Foyer im Spielcasino an der Monheimsallee überwindet als Mann nur, wer mit Schlips und Sakko bekleidet ist, die Kleiderordnung sieht ein gepflegtes Äußeres vor. Der Mann, der in der Nacht zum Freitag in die hohen Hallen stürmte, bevorzugte einen weniger vornehmen Dresscode.

Er war komplett schwarz gekleidet, hatte eine Maske auf und trug in der Hand eine Pistole. Solchermaßen ausgestattet überwand der etwa 1,80 Meter große Mann gegen 1.25 Uhr den durch zahlreiche Kameras gesicherten Eingangsbereich, in dem sich mehrere Angestellte befanden, und gelangte sehr zügig zu den Kassen, wo er die Waffe auf eine 25-Jährige richtete.

Die Kassiererin bekam ob des Überraschungsgastes einen derartig großen Schreck, dass sie lauthals zu schreien begann, was den Mann, der bis dahin eine gewissen Kaltblütigkeit an den Tag gelegt hatte, veranlasste, die Beine in die Hand zu nehmen. Darüber wundert sich auch Polizeisprecher Paul Kemen: „Dass jemand bei soviel Kameras und Bediensteten überhaupt reingeht und dann wieder unverrichteter Dinge abzieht, ist auch nicht alltäglich.“ Die Kassiererin trug einen Schock davon, auch unter ihren mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen sorgte der Überfall, der erste dieser Art seit der Eröffnung im Jahre 1976, für einen Riesenschrecken.

Zum Zeitpunkt der Tat hielten sich etwa 20 Besucher im ehemaligen Neuen Kurhaus auf, die unverletzt blieben. Die Polizei rückte sofort mit einem großen Aufgebot an und leitete eine umfangreiche Fahndung ein. Eingesetzt wurde ein Sprengstoffspürhund, der in der näheren Umgebung, etwa auf der Monheimsallee und im Stadtpark, nach der Pistole suchte, ohne Ergebnis. Die Suchaktion wurde in der gesamten Innenstadt fortgesetzt, aber am Morgen erfolglos abgebrochen. Kemen: „Irgendwo muss der Mann in ein Fluchtmittel gestiegen sei.“ Die Ordnungshüter bitten deshalb um Hinweise, ob jemand besondere Beobachtungen dazu gemacht hat, und zwar unter der Telefonnummer 0241/9577-31301 oder 0241/9577-34210 (außerhalb der Bürozeiten).

Die Spielbank wird betrieben von Westspiel, der Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG, die an acht Standorten in Deutschland solche Einrichtungen unterhält. 2010 kamen noch 120 000 Besucher in die beiden Aachener Spielstätten (das Automatenspiel wurde 2002 in das Kapuziner-Karree ausgelagert). Damals erwirtschaftete die Spielbank noch 7,4 Millionen Euro und damit, im Zuge einer allgemeinen Krise der Branche, 1,3 Millionen weniger als im Jahr 2009, zu dieser Zeit hatte sie noch rund 200 Beschäftigte, inklusive der Gastronomie.

Varieté im Flügel

Bei der Spielbankleitung an der Monheimsallee wollte man am Freitag keine Stellung zu dem außergewöhnlichen Vorfall beziehen und verwies auf die Zentrale in Duisburg. Doch auch dort ging man auf Tauchstation: „Das ist ein laufendes Verfahren. Dazu dürfen wir keinen Kommentar abgeben“, teilte eine Sprecherin lediglich mit.

Ohnehin gibt es im Hause eine gewisse Verunsicherung, einige Jahre war unklar, ob die Westspiel-Gruppe im Dreiländereck, in dem die Konkurrenz auch jenseits der Grenzen groß ist und die Besucherzahlen und Einnahmen beständig zurückgingen, bleiben wird.

Erst 2011 wurde klar, dass das Casino auch über die 2018 auslaufende Konzession hinaus existieren wird, dazu soll das in die Jahre gekommene Haus für 21 Millionen Euro saniert und das Automatenspiel zurückgeholt werden. Die Westspiel-Gruppe erhielt die Zusage für den Standort Köln nur unter der Zusicherung, in Aachen zu investieren. Als zusätzliche Attraktion soll in einem Flügel des Hauses ein Varieté angesiedelt werden.

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