Aachen - Spendabel: 175.000 Euro für die Vitrine

Spendabel: 175.000 Euro für die Vitrine

Von: Christiane Krahl
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Zwischen Geldbrunnen und Elise
Zwischen Geldbrunnen und Elisenbrunnen kann bald gebaut werden (links Bild). Eine Firmenspende machts möglich. Schaufenster in die Vergangenheit: Eine luftige Konstruktion soll die wertvollen Bodenfunde erlebbar machen (rechtes Bild).Foto: Harald Krömer/Entwurf: kadawittfeldarchitektur

Aachen. Am Geld muss die Sache nun nicht mehr scheitern. Die archäologische Vitrine im Elisengarten kann gebaut werden. Und schon Ende Oktober könnte das Schaufenster in Aachens Geschichte fertig sein.

Möglich wird das durch eine wirklich ansehnliche Spende. Das Aachener Unternehmen Daten- und Systemtechnik GmbH (DSA) unterstützt das Projekt mit der stolzen Summe von 175.000 Euro.

Die Firma mit Sitz an der Pascalstraße übernimmt damit den städtischen Eigenanteil an den Baukosten des Pavillons. 698.170 Euro für die Vitrine, die nach Fertigstellung Teil der Route Charlemagne sein wird, gibt das Land Nordrhein-Westfalen dazu.

Oberbürgermeister Marcel Philipp, Gerhard Wittfeld, geschäftsführender Gesellschafter des Büros „kadawittfeldarchitektur”, sowie Eckhard Schulz, geschäftsführender Gesellschafter der Firma DSA, stellten die Planung am Mittwoch im Elisengarten vor.

Schon in der Jungsteinzeit, so weiß man mittlerweile, herrschte reges Treiben in dem Bereich. Dort wurde gehämmert und immer wieder Maß genommen. Denn die Klinge jedes vor Ort gefertigten Feuersteinbeils sollte mühelos Holz spalten oder die Jagdbeute zerteilen können. Wo der rund 5000 Jahre alte Arbeitsplatz der Ur-Aachener Handwerker sich befindet und wie er aussah, davon können sich die Aachener dann ab Herbst selbst ein Bild machen.

In der archäologischen Vitrine sollen neben diesem Fund weitere Relikte aus der Bronzezeit, der Römerzeit und der karolingischen Epoche (etwa 800 nach Christus) zu sehen sein. Die DSA, einer der weltweit führenden Hersteller von Systemen zur Prüfung und Diagnose elektrischer und elektronischer Fahrzeugkomponenten in der Automobilindustrie, möchte mit der Großspende in der Region Aachen bekannter werden und eine symbolische Verbindung zwischen ihren rund 200 Mitarbeitern und der Stadt schaffen.

Architekt Gerhard Wittfeld erläuterte den Entwurf für die rund acht mal 15 Meter große begehbare Vitrine. Die kostbaren Denkmäler dürfen beim Bau nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, deshalb soll die elliptisch geformte Vitrine größtenteils in einer Werkstatt gefertigt und später über den freigelegten archäologischen Objekten abgesetzt werden. „Wir verwenden für das Vitrinenfundament spezielle Mikrobohrpfähle, die so gesetzt werden, dass nichts beschädigt wird”, erläuterte der Planer.

Die Funde sollten von Glaswänden eingerahmt, jedoch nicht überdeckt werden. Auf vorgegebenen Wegen kann sich der Besucher zwischen den Glaswänden bewegen und alle Einzelheiten der bis zu zwei Meter tief liegen Bodenfunde betrachten. Hinweistafeln sollen genauere Auskünfte über die Objekte geben. Für die Außenwände sind filigrane Streben aus Edelstahl vorgesehen, die möglichst viel Sonnenlicht durchlassen. Für das Dach ist ebenfalls eine Stahlkonstruktion geplant. Der Standort soll auf dem Weg zwischen Geld- und Elisenbrunnen liegen.

Oberbürgermeister Philipp und Stadtarchäologe Andreas Schaub zeigten sich Mittwoch sehr erfreut, dass mit der archäologischen Vitrine die geschichtsträchtigen Funde im wahrsten Sinne des Wortes wieder aus der Versenkung geholt und dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Spende sei eine formale Schenkung, die in einer der kommenden Ratssitzungen positiv behandelt werde, ist Philipp sehr zuversichtlich.

Schaub plant schon weiter

Stadtarchäologe Schaub denkt indes schon weiter. Vielleicht könne man in Zukunft einen archäologischen Rundgang etablieren, in dem alle archäologischen Fenster und die neue Vitrine zusammengefasst werden, überlegt er.

Die archäologische Vitrine, die vor knapp zwei Jahren als Station ins Großprojekt Route Charlemagne aufgenommen wurde, hatte sich zunehmend zu einem Zankapfel entwickelt. Arge Bauchschmerzen bereiteten den Politikern die steigenden Baukosten, die zuletzt auf rund 800.000 Euro veranschlagt wurden. Vor allem die Opposition fand das bei weitem zu teuer.
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