Aachen - Speisung mit politischem Anspruch

Speisung mit politischem Anspruch

Von: Andreas Bongartz
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Mit Kartoffelsuppe gegen Krieg und Hunger: Die Aachener „Food not Bombs”-Gruppe möchte bei öffentlichen Essensausgaben, wie hier am Elisenbrunnen, nicht nur knurrende Mägen stillen, sondern auch für die Ungerechtigkeiten der Welt sensibilisieren. Foto: Andreas Bongartz

Aachen. Es heißt, in Zukunft entzünden sich die großen Konflikte der Welt an Armut und Hunger. Im Umkehrschluss könnte man folgern: Frieden geht durch den Magen. Ob Kartoffelsuppe und Kartoffelsalat nun für mehr Harmonie auf dem Globus sorgen?

Für Simon Alles und seine Freunde ist es zumindest ein Anfang. Am Elisenbrunnen verteilen die Studenten Suppe und Salat an alle, die Hunger haben. „Food not Bombs” - Essen statt Waffen lautet ihr Motto. „Food not Bombs” - das ist auch der Name der Initiative, die die Aachener ins Leben gerufen haben.

Sie folgen damit internationalen Beispielen: „Food not Bombs” ist eine weltweite Initiative, die ihren Ursprung 1980 in der Antiatomkraftbewegung in den USA hatte. Unabhängige „Food not Bombs”-Gruppen haben sich seitdem überall auf der Welt gegründet.

Nicht nur an Bedürftige

Nach diesem Vorbild wird nun auch in Aachen bei verschiedenen Anlässen umsonst Essen verteilt. Allerdings nicht nur an Bedürftige: Ob Obdachlose, Passanten oder Geschäftsleute - alle sind willkommen. „Jeder, der sich mit uns unterhalten möchte und Hunger hat, ist gerne eingeladen”, sagt der 27-jährige Simon Alles.

Denn im Gegensatz zu Wohltätigkeitsorganisationen wie den Tafeln, geht es bei „Food not Bombs” nicht bloß um eine Armenspeisung. „Wir haben einen klaren politischen Anspruch.” Das Politikum ist das Essen selbst, die Initiative thematisiert militärische Rüstung einerseits und die Verschwendung von Lebensmitteln andererseits. „Die Staaten der Welt geben Milliarden für Rüstung aus und sind gleichzeitig nicht in der Lage, ihre Bevölkerung mit genügend Essen zu versorgen, das ist doch Irrsinn.”

Simon Alles verweist auf Studien von Unicef, nach denen täglich mehr als 20.000 Kinder an den Folgen von Hunger sterben, „während tonnenweise Lebensmittel in den Müll wandern, nur weil sie den ästhetischen Maßstäben unserer Gesellschaft nicht mehr entsprechen.”

Um gegen diese Politik der Verschwendung ein Zeichen zu setzen, bereitet „Food not Bombs” vegetarische und vegane Mahlzeiten (die Aktivisten lehnen jegliche Form von Gewalt ab, auch solche gegen Tiere) aus Nahrungsmitteln zu, die normalerweise im Abfall landen würden. „Wir bekommen Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien und Gemüseläden”, berichtet Simon Alles.

Über die Essensausgabe an öffentlichen Plätzen komme man zudem mit den Menschen ins Gespräch. Eine willkommene Gelegenheit, um für die Anliegen der Gruppe zu sensibilisieren. „Das ist eine schöne Ausgangslage, ganz anders als ein Infostand oder eine Demo und funktioniert wunderbar.”

Noch finden die öffentlichen Essenausgaben der Aachener „Food not Bombs”-Gruppe eher sporadisch statt. Für regelmäßige Termine fehlt es den Aktivisten noch an Mitgliedern. Das soll sich ändern: „Wir suchen immer neue engagierte Mitglieder”, sagt Simon Alles. Dann klappt es vielleicht auch mit dem Weltfrieden.
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