Aachen - SPD fordert Gemeinschaftsschulen und neue Schulbezirke

SPD fordert Gemeinschaftsschulen und neue Schulbezirke

Von: Margot Gasper
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Ja zu Schulbezirken: Mathias Dopatka. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sobald der neue gesetzliche Rahmen im Land festgezurrt ist, will die SPD in Aachen ihren Antrag auf den Tisch legen. „Wir werden uns sehr klar für die Wiedereinführung der Schulbezirksgrenzen einsetzen”, kündigt Mathias Dopatka, Ratsherr und schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, an.

Die rot-grüne Landesregierung stellt den Kommunen frei, die Schulbezirksgrenzen für Grundschulen wieder einzuführen.

Die neue Schulpolitik im Land eröffnet reichlich Chancen für Aachen, sind Dopatka und der Aachener SPD-Chef, der Landtagsabgeordnete Karl Schultheis, überzeugt. Diese Rahmenbedingungen gelte es nun vor Ort offensiv zu nutzen.

Seit es keine Schulbezirksgrenzen mehr gibt, können Eltern - im Prinzip - die Grundschule ihres Kindes frei wählen, sofern es an der Wunschschule ausreichend Kapazitäten gibt. In der Tat sei durch die Festlegung von Zügigkeiten (Zahl der Klassen pro Jahrgang) die schlimmsten Auswirkungen verhindert worden, bilanziert Dopatka.

„Einzelne, sehr gefragte Schulen sind nicht aufgebläht worden. Aber Absetzbewegungen von nicht so gefragten Schulen konnten nicht verhindert werden.” Und das treffe oft sehr engagierte Schulen in schwierigen Vierteln.

Schulbezirksgrenzen seien ein „wichtiges Regulativ”, um ein gutes, wohnortnahes Schulangebot zu erhalten. Deshalb werde die SPD die Wiedereinführung offensiv zur Debatte stellen.

Wichtige Signale für Aachen sehen die SPD-Vertreter auch beim „großen Batzen” Gemeinschaftsschule. „Wir wollen die Gemeinschaftsschule nach vorne bringen”, kündigt Dopatka an. Sein Wunsch: „Aachen soll zu den ersten Projektstädten gehören, die die Gemeinschaftsschule umsetzen.”

Die Gemeinschaftsschule, wie sie in NRW entstehen soll, ist eine Ganztagsschule, die auch zum Abitur führt. In Klasse 5 und 6 werden alle Schüler gemeinsam unterrichtet.

Danach sollen Schule, Schulträger und Eltern entscheiden, wie es ab Klasse 7 oder später weitergeht. Wichtig ist den Aachener SPD-Vertretern, dass eine Gemeinschaftsschule alle Schulabschlüsse bis zum Abitur anbietet. Deshalb, so Dopatka, müssen bei der Debatte über Gemeinschaftsschulen auch die Gymnasien mit ins Boot.

Karl Schultheis geht davon aus, dass das Schulgesetz im nächsten Jahr entsprechend geändert ist. „2012 könnte dann eine solche Gemeinschaftsschule in Aachen auf den Weg gebracht werden.”

Die Zeit bis dahin sollte aus Sicht der SPD genutzt werden, um intensiv mit allen Beteiligten darüber zu diskutieren, was man denn haben möchte in Aachen: womöglich eine weitere Gesamtschule oder aber vielleicht eine erste Gemeinschaftsschule.

Aber auch ohne Neuerungen im Schulgesetz wird manches jetzt möglich sein. „Die Möglichkeiten des alten Schulgesetzes können jetzt endlich umgesetzt werden”, freut sich Ratsherr Claus Haase, Sprecher der SPD-Fraktion, „Verbundschulen zum Beispiel sind jetzt überall möglich.” Die alte Landesregierung hatte solche Modelle gerade in den Großstädten mehr als restriktiv gehandhabt.

Reizthema G8

Durchaus zufrieden sind die Aachener Sozialdemokraten mit der geplanten Wahlfreiheit in Sachen G8. Die Schulkonferenzen der Gymnasien sollen sich bis zum Anmeldebeginn fürs Schuljahr 2011/12, also bis zum kommenden Frühjahr, entscheiden, ob sie das Abitur künftig nach 12 oder 13 Schuljahren anbieten.

Und insgesamt sieht MdL Karl Schultheis in der rot-grünen Bildungspolitik einen „guten Rahmen für lokale Aktivitäten”: „Wir setzen darauf, dass die neuen Möglichkeiten in Aachen auch genutzt werden.”

Grüne wollen keine Schulbezirksgrenzen mehr

Die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen war 2008 ein Projekt der schwarz-gelben Landesregierung. Eine Wiedereinführung der Schulbezirke halten die Aachener Grünen allerdings mittlerweile nicht mehr für sinnvoll.

„Seit dem Wegfall der Schulbezirksgrenzen können wir keine großen Wanderungsbewegungen bei Grundschülern in Aachen beobachten”, teilte Ulla Griepentrog, schulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, am Dienstag mit.

„Die Mehrzahl der Eltern wählt nach wie vor die wohnortnahe Grundschule für ihr Kind, dort, wo das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat.”

Mit der Festlegung von Zügigkeiten habe der Rat zudem ein „sinnvolles Steuerungsinstrument” in Aachen, so Griepentrog weiter.

„Die Wiedereinführung der Schulbezirksgrenzen halte ich deshalb nicht nur für überflüssig, sondern auch für kontraproduktiv. Wenn wir jetzt beobachten, dass eine größere Anzahl von Eltern ihr Kind an der nächstgelegenen Grundschule vorbei an einer anderen Grundschule anmeldet, dann passiert das ja womöglich nicht ohne Grund. Dann müssen wir uns die nicht gewählte Grundschule genau anschauen. Das ist eine Sache der Qualität. Jede Grundschule muss qualitativ so gut sein, dass keiner an ihr vorbeigehen will.”

In der Aachener CDU-Fraktion hat man das Thema Schulbezirksgrenzen noch nicht wieder neu diskutiert.

„Aber die CDU hat sie abgeschafft, und es spricht aus unserer Sicht nichts dafür, sie wieder einzuführen”, so Christian Steins, schulpolitischer Sprecher der CDU.

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