Spannende Kunst an der Schnittstelle von Ost und West

Von: Amien Idries
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Tatjana Jurakowa und Waldemar Faber begeisterten beim Festival vor liebevoll gestalteten Kulissen mit dem Puppenstück „Däumelinchen”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Melancholische Balalaika-Musik, Babuschkas und Trinkgelage mit Wodka: Solche Klischees beherrschen noch immer das Russland-Bild vieler Deutschen. Die Gelegenheit, hinter solche Stereotype zu blicken, bot sich den Aachenern am Wochenende in der Aula Carolina.

Der Verein „ART-Hilfe” hatte zum Integrationsfestival der Künste geladen. Es sollte Initialzündung sein für den Dialog zwischen Ost und West.

„Wir haben Künstler aller Gattungen eingeladen, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, aber inzwischen größtenteils im Westen leben”, berichtet Waldemar Faber von der ART-Hilfe. So entstehe spannende Kunst an der Schnittstelle zwischen Ost und West, die Faber als „postsowjetisch” bezeichnet.

Zum Beispiel Ludmila Richters: Die 56-Jährige war als sowjetische Soldatin zu Beginn der 1980er Jahre in Afghanistan stationiert. Heute fertigt sie aus Bundeswehrdecken und Filz pazifistische Wandteppiche. „Ich habe damals die Schrecken des Krieges kennengelernt und möchte mit meinen Arbeiten ein Statement gegen den derzeitigen Konflikt in Afghanistan setzen”, so Richters, die inzwischen in den Niederlanden lebt.

Oder die Bilder von Michael Dobbelt aus Dresden: Der in St. Petersburg geborene Künstler hat eine Serie gemalt, die die Bilder von sowjetischen Helden der Arbeit persifliert. Anstelle von Menschen sieht man Teddybären vor rotem Hintergrund.

Auch Tänzer zeigten ihr Können. Hier ist vor allem das renommierte Tanzensemble „Do Theatre” zu nennen, das am Samstagabend „Do-Re-Mix 2” präsentierte. Einen schauspielerischen Höhepunkt setzte Alexej Boris, der in dem Stück „Lysistrata” gleich 14 Frauen spielte, die den Krieg zwischen Sparta und Athen mit Hilfe eines Sexstreiks beenden wollen.

Für Begeisterung nicht nur bei den Kindern sorgte das Puppenstück „Däumelinchen” in der Inszenierung von Tatjana Jurakowa, die in Aachen vor allem wegen des nach ihr benannten Theater-Projekts bekannt ist. Vor liebevoll gestalteten Kulissen hauchte Jurakowa gemeinsam mit ihrem Mann Waldemar Faber den selbstgebastelten Figuren Leben ein.

Insgesamt überzeugte das Festival durch ein breites Angebot, zu dem auch Malereiworkshops und Musik gehörten. Einziger Wermutstropfen bei den Veranstaltern waren die Besucherzahlen, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Schade eigentlich, denn eine so vielfältige Veranstaltung hätte mehr Zuspruch verdient.
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