Spagat zwischen Karriere und Kindern

Von: Martina Stöhr
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Ellen Begoli (Linke), Ulla Thönnisen (CDU), Daniela Jansen (SPD), Moderatorin Lee Beck, Hilde Scheid (Grüne) und Birgit Havenith (FDP, von rechts) diskutieren anlässlich des Equal Pay Days über die Situation der Frauen zwischen Beruf und Familie. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Flexible Kinderbetreuungszeiten, Minijobs und Teilzeit nach Erwerbspausen, Frauenquoten in Vorständen und neue gesetzliche Vorgaben standen unter anderem zur Diskussion, als sich eine Reihe von Politikerinnen am Dienstagabend im Super C im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Equal Pay Day Gedanken über die Situation der Frauen gemacht haben.

„Das Thema ist auch heute noch: Kinder oder Karriere“, beschrieb Hilde Scheidt (Grüne) die Lage. Und es werde sicherlich noch einige Generationen dauern, bevor die Lohnlücke geschlossen werde, war sie überzeugt. Die SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Jansen zeigte sich optimistischer: Mindestlohn und ein überarbeitetes Rentenkonzept seien Schritte in die richtige Richtung, sagte sie.

Um die Gleichberechtigung der Frau voranzutreiben, müsse man schon sehr früh in der Erziehung ansetzen, forderte sie zudem. Dass die typischen Frauenberufe wie Pflegeberufe und Berufe im Gesundheitswesen und im Handel so schlecht bezahlt werden, müsse überdacht werden.

Und tatsächlich sprechen die Zahlen laut Diskussionsrunde Bände: Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer, sie treten nach der „Kinderpause“ kürzer und kehren in Minijobs oder Teilzeitbeschäftigungen ins Arbeitsleben zurück und verlieren dabei wertvolle Rentenansprüche. Und in Unternehmensvorständen sind sie so gut wie gar nicht vertreten.

„Als Unternehmerin treffe ich viele Frauen, die nicht mehr arbeiten wollen“, meinte CDU-Kreisvorsitzende Ulla Thönnissen. Sie nähmen das Risiko Minijob billigend in Kauf, um bei ihrer Familie sein zu können. „Wir müssen die Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit der Frauen verbessern“, forderte sie auch mit Blick auf flexiblere Kita-Zeiten.

Uneinigkeit unter den Frauen

In diesem Punkt allerdings bestand Uneinigkeit unter den Frauen. Während Hilde Scheidt im Sinne des Kindeswohls darauf beharrte, dass die bisherigen Kita-Zeiten ausreichend seien, forderten andere mehr Flexibilität. Zwei Kitas werden laut Scheidt aber ab dem Sommer in Aachen auch die sogenannten Randbetreuungszeiten abdecken. Es bleibe abzuwarten, wie die Nachfrage aussehen werde. Kinder sollten aber keinesfalls mehr als neun Stunden in einer Betreuungseinrichtung verbringen, betonte sie.

Dass der Spagat zwischen Familie und Beruf nicht leicht zu bewältigen ist, konnte auch Birgit Haveneth (FDP) bestätigen. Sie habe als Mutter von vier Kindern selbst alle Stationen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf durchlebt. Sie verwies darauf, dass Frauen im Zweifel auch in der Lage sein müssen, die finanzielle Absicherung der Familie zu übernehmen: im Todesfall des Mannes oder bei plötzlicher Arbeitslosigkeit.

Und Ellen Begolli (Linke) wünschte sich, dass sich alle Frauen parteiübergreifend für die Belange der Frauen einsetzen sollten. Der Preisverfall in den Pflegeberufen müsse gebremst werden, und das sei nur durch entsprechende Gesetze zu erreichen, fügte sie hinzu.

„Reden, reden, reden: das machen wir schon seit Jahren“, meldete sich Marion Moss, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der RWTH, aus dem Publikum zu Wort. Sie wünschte sich mehr gemeinsame, parteiübergreifende Aktionen und fand dabei durchaus Zuspruch. Dass es sinnvoll sei, auch ganz gezielt Männer zu solchen Veranstaltungen einzuladen, darauf verwies einer der wenigen männlichen Zuhörer. Die Männer seien schließlich die Entscheidungsträger, meinte er.

„Wir wollen die Hälfte von der Erde und die Hälfte vom Himmel, sagte die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen an einer Stelle und fügte optimistisch hinzu: „Und die holen wir uns.“

Ziel des Equal Pay Days war es diesmal, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, das Minijobs oder Teilzeitbeschäftigung Spuren in der individuellen Erwerbsbiografie hinterlassen. Neben der Podiumsdiskussion unter Moderation der Journalistin Lee Beck waren auch Aktionen an unterschiedlichen Standorten und Workshops geplant.

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