SPAC: Viel Kleingeld macht auch Kunst

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
Mit einer besonderen Idee för
Mit einer besonderen Idee fördert Julie Hanique (Bild) Nachwuchskünstler. Deren Werke sind derzeit im Atelierhaus zu sehen.

Aachen. Stimmt, Herr Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler. Man braucht nur etwas Kleingeld, um ihn rauszulassen: Die Münzen schmeißt man in den „Kunst-Automaten”, dann faucht oben ein kleines Flämmchen aus einem Rohr und schwups - „unterstützt man damit Kunst und wird selbst zum Teil der Kunst”, wie es Nadya Bascha, die Geschäftsführerin des Atelierhauses Aachen, formuliert.

Der Kunstautomat ist eine ziemlich gerissene Erfindung des Belgiers Alain de Clerck, der damit in Lüttich schon allerhand Menschen zu Kunstförderern gemacht hat. Mutmaßlich waren auch viele Kinder darunter, die Spaß an der zum Flammenwerfer umgebauten Parkuhr fanden und dem von ihren Erziehungsberechtigten erbettelten Kleingeld die Maschine fütterten. Die Ausbeute habe de Clerck anfangs „wie Robin Hood” unter jungen Künstlern verteilt, erzählt seine Mitstreiterin Julie Hanique.

Hilfe für bedürftige Künstler

Aber so geht das natürlich nicht: Die frisierte Parkuhr ist immerhin Teil eines „Projekts”, das auch einen Namen hat, den man zumindest im frankophonen Lüttich mit etwas Bedeutung schwängern kann: SPAC steht für Société Publique dAide Culturelle und hat damit die selben Buchstaben wie das in der Wallonie bekannte CPAS. Das Kürzel steht für Centre Publique dAide Sociale, zu deutsch Öffentliches Sozialhilfezentrum. Und um Hilfe für bedürftige Künstler gehe es eben auch, so Julie Hanique.

Diese „Öffentliche Gesellschaft zur Kulturhilfe” kauft mit dem Automatenkleingeld - immerhin kommen da rund 2000 Euro jährlich zusammen - Arbeiten zeitgenössischer Künstler auf. So entstand seit 2002, als das erste Förderflämmchen entzündet wurde, die Sammlung SPAC, die im Depot des Lütticher Musée dArt Moderne et dArt Contemporain untergebracht ist.

Nun sind die Werke erstmals außerhalb Lüttichs zu sehen. Das Atelierhaus Aachen zeigt Malerei, Skulpturen, Objekte oder auch Fotografien. Da hängen etwa großformatige Fotos von Lara Gasparotto an einer kleinen Wand, und auf einer großen Wand wird ein kleines Bild von Messieurs Delmotte (der Plural von Monsieur ist der Gag beim Künstlernamen) präsentiert, das ein fahrendes Fahrrad ohne Fahrer zeigt.

Groß rauskommen können die Künstler nicht: Ihre Namen und die Titel der Werke sucht man in der Schau vergeblich. Die Zuordnung soll über Handzettel und entsprechende Nummerierung ermöglicht werden, verspricht Bascha. Denen wäre dann auch zu entnehmen, welche Werke nicht zur Lütticher Sammlung gehören, sondern von jungen Künstlern aus Maastricht stammen.

Dort gibt es parallel in der Brandweer eine Ausstellung mit SPAC-Werken und Arbeiten von jungen Künstlern aus Aachen und Maastricht. Immerhin spielt sich das Ganze im Rahmen euregionaler Zusammenarbeit ab; und auch aus SPAC wird durch ein angehängtes „E” für Europa ein griffig-englisches SPACE.

Die Schau in Aachen wird am Samstag, 24. September, um 15 Uhr eröffnet mit einem Grußwort von Rick Takvorian vom Kulturbetrieb. Zu sehen ist sie bis zum 30. Oktober jeweils von dienstags bis freitags zwischen 10 und 13 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 15 Uhr. Im Rahmen der Aachener Kunstroute am kommenden Samstag und Sonntag, 24. und 25. September, hat das Atelierhaus an der Süsterfeldstraße 99 von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Dort ist auch der Kunstförderungsautomat von Alain de Clerck zu sehen - allerdings nur im Bild. Wer in Aachen Geld in einen Parkscheinautomaten wirft, braucht einstweilen nicht auf eine kunstfördernde Flamme zu hoffen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert