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Sozialethiker Friedhelm Hengsbach für Streikrecht im kirchlichen Dienst

Von: Anke Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Seit 20 Jahren gibt es die „Diözesane Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen” im Bistum Aachen. Bei der Feierstunde: (von links ) Bischof Heinrich Mussinghoff, Generalvikar Manfred von Holtum, Diözesancaristasdirektor Burkhard Schröders, Prof. Friedhelm Hengsbach und Günter Däggelmann, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das Bistum Aachen hat etwas zu feiern. Seit 20 Jahren besteht die „Diözesane Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen” - DiAG MAV. Hinter dieser sperrigen Abkürzung verbirgt sich ein Zusammenschluss aus gewählten Vertretern der rund 300 Mitarbeitervertretungen (MAVen) im Bistum, denen die gleiche Bedeutung zukommt wie den Gewerkschaften.

Die DiAg MAV gestaltet im Austausch mit dem Bistum die Rahmenbedingungen mit, sichert die Weiterbildung der MAVen ab und berät in Rechtsfragen.

Natürlich hatten alle das passende Wort fürs Jubiläum parat: Vor den vielen Vertretern der MAVen bedankte sich von Holtum zunächst für deren Engagement im täglichen Einsatz für ihre immerhin 28.700 Kollegen im ganzen Bistum Aachen. Zurzeit habe es das Bistum nicht leicht, durch den vorgegebenen Umorganisierungsprozess müssten viele Einrichtungen überdacht werden, was auch personelle Konsequenzen nach sich ziehe.

„Die Kirche muss aber ihre Arbeitsverhältnisse selber regeln”, betonte von Holtum und spielte damit auf den sogenannten dritten Weg der katholischen Kirche an, der jenseits von öffentlich ausgehandelten Tarifverträgen einen kircheneigenen Weg im Arbeitsrecht vorsieht.

Damit gab von Holtum ein Thema vor, dessen Brisanz Günter Däggelmann, der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der MAVen, sofort deutlich machte. „Wir stehen loyal zum System, auch wenn es uns manchmal schwer fällt. Aber wir verlangen Schutzmechanismen in den Servicegemeinschaften und keine Praktiken wie in der Drogeriekette Schlecker!”

„Sozial gerechte Arbeitswelt”

Mit diesen harschen Worten meinte Däggelmann die arbeitsrechtliche Behandlung der Leiharbeiter, Ausländer oder der angelernten Kräfte in den verschiedenen kirchlichen und caritativen Einrichtungen.

Schützenhilfe erhielt er von dem angesehenen Sozialethiker Friedhelm Hengsbach. In seinem Vortrag „Mitverantwortung der Mitarbeitervertretung für eine sozial gerechte Arbeitswelt” plädierte der Jesuit für die Etablierung kirchlicher Gewerkschaften, denn „kirchliche Einrichtungen mausern sich zu Konzernen, da braucht es Formen der Mitbestimmung”.

Vehement trat er für das Streikrecht im kirchlichen Dienst ein und riet den Bischöfen, sich neutral gegenüber den MAVen zu verhalten und nicht die Dienstherrenseite zu übernehmen. Für die Zukunft sieht der Sozialethiker die Arbeit „am Menschen” als größtes Betätigungsfeld an: „Es wird eine immer größerer Nachfrage nach Pflege, Bildung und Kultur geben. Die Zeit wird kommen, dass diese Artikel besser bezahlt werden”, sagte Hengsbach. Daher sei es auch so wichtig, die kirchlichen arbeitsrechtlichen Strukturen beizeiten zu reformieren.
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