Sonnenfinsternis: Großes Programm in der Sternwarte

Von: Alfred Stoffels
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Ab 8 Uhr bietet die Sternwarte am Hangeweiher ein buntes Programm rund um die Sonnenfinsternis. Samt Vortrag über die Verdunkelung vor 1200 Jahren. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist wieder soweit: Am Dienstag wird sich auch in Aachen die Sonne verfinstern. Bei ihrem Aufgang um 8.37 Uhr hat der Mond die Sonnenscheibe schon zu einem Drittel bedeckt, das steigert sich dann peu à peu auf fast 70 Prozent. Ob das Spektakel tatsächlich besichtigt werden kann, hängt von der Bewölkung ab.

Laut Wettervorhersage stehen die Chancen in NRW fifty-fifty. Die örtliche Sternwarte ist jedenfalls auf alle Eventualitäten vorbereitet und lädt zum großen Mitgucken ein. Zum Lernen gibt es auf jeden Fall was: Vorgesehen ist ein hochinteressanter „Jubiläums”-Vortrag zur Sonnenfinsternis vor 1200 Jahren.

Im Gegensatz zur heutigen Darbietung der Himmelskörper war die Sonnenfinsternis am 30. November 810 eine totale: Die Sonne versteckte sich vollkommen hinter dem Mond, und es wurde dunkel am helllichten Tag, was in damaligen Zeiten zu großer Aufregung und Verwirrung führte. Auch Karl der Große wird Zeuge des Schauspiels gewesen sein, zumal er Sonnenfinsternissen große Bedeutung beimaß - sie beunruhigten ihn, so dass er nach Erklärungen und Deutungen suchen ließ.

Das alles werden der emeritierte RWTH-Professor Walter Oberschelp und Kurt Schäfer von der Sternwarte Aachen erläutern - und noch einiges mehr: Beim Studium alter Urkunden wurden zahlreiche Belege für das Stattfinden der Finsternisse entdeckt. Was all jene, die mehrere Jahrhundert Mittelalter für nicht existent halten, in neue Bedrängnis bringt. Karl Thönnissen von der Volkshochschule, die die Sternwarte in ihrer Obhut hat: „Solche Vorgänge kann man nicht nachträglich erfinden.”

In wichtigen Quellen der Karolingerzeit wurden Mond- und Sonnenfinsternisse als „Staatsereignisse” angesehen und aufgezeichnet. Im Rahmen einer Dissertation, die vor wenigen Jahren erschien, sind die Quellenangaben aufgelistet und mit moderner Astro-Software überprüft worden; in den meisten Fällen stellten sie sich als korrekt heraus. Die Liste soll heute in der Sternwarte präsentiert werden, „interaktiv” per Computer.

Das Besucherprogramm in der Sternwarte am Hangeweiher beginnt gegen 8 Uhr. Wenn es sich lohnt, sind Beobachtungen von der Galerie aus geplant, bei ungünstigem Wetter gibt es im Inneren eine Animationsvorführung, in dessen Verlauf gezeigt wird, was man sehen könnte.

Bis zum Beweis des Gegenteils darf jedoch auf klares Wetter gehofft werden, so dass man das Naturschauspiel ohne zwischengeschaltete Technik verfolgen kann. Dabei ist allerdings Vorsicht geboten. Man darf nicht direkt in die Sonne gucken, auch eine dunkle Brille reicht nicht. Stattdessen sollte man sich eines starken Filters bedienen oder spezieller Augengläser, die es beim Optiker gibt.

Eigentümliche Stimmung

Im zweiten Fall, bei dicht bedecktem Himmel, Schnee oder Regen, wird es eine ziemlich eigentümliche Stimmung geben - „recht dunkel, aber nicht hochdramatisch”, wie sie die VHS-Experten prophezeien. Langschläfer, so ihre Vermutung, würden sich noch einmal im Bett rumdrehen in der irrigen Ansicht, die Sonne sei noch gar nicht richtig aufgegangen.

Sonnenfinsternisse, ob teilweise oder komplett, sind seltene Veranstaltungen. Eine totale Sonnenfinsternis gab es in Deutschland zuletzt im August 1999: Für ein paar Minuten wurde der Tag zur Nacht, am Himmel leuchteten die Sterne auf, die Vögel hörten auf zu singen. Die nächste Totalverdunklung ist in Aachen erst wieder im September 2081 zu bestaunen - deshalb sollte man heute einen Blick riskieren.
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