Sogar der alte Lastenaufzug ist noch vorhanden

Von: Wolfgang Schumacher
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Der „Papiermühlenweg“ ist auch als Straßenname wieder aktiviert worden. Dort befinden sich alte Fabrikgebäude, die zu Wohnungen und großzügigen Büroräumen umgebaut wurden. Foto: Andreas Herrmann Foto: Andreas Herrmann
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Architekt Andreas Elsbroek über den Ausbau der Textilfabrik: „Das hat richtig Spaß gemacht.“ Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es sei einfach schön und aufregend, aus einem solch alten Bestand etwas Neues zu formen, meint Architekt Andreas Elsbroek. Er hat sich nach dem Aus für die Lingener Wäschefabriken (Label Joseph Janard und Toni Gard) ab 2010 mit den Investoren Sandra und Martin Wibelitz an die Arbeit gemacht.

Entstanden und inzwischen zu 99 Prozent fertig – an der Tiefgarage wird noch gewerkelt – ist ein ausgesucht schönes Areal am Papiermühlenweg, teils umgebaut in altem Fabrikgemäuer, teils völlig neu errichtet und beides ausgestattet mit großzügigen Wohnungen sowie exklusiven Büroflächen. Zu erreichen ist das kleine, idyllische Eckchen zwischen Kongress- und Brabantstraße einzig durch eine schmale Durchfahrt an der oberen Augustastraße. Dort waren bis zum Neubau des nahen Justizgebäudes Teile des Aachener Amtsgerichts untergebracht.

Die Einfahrt am Haus Augusta­straße 80 ist ein echtes Nadelöhr Dies hat den Vorteil, dass dahinter von jetzt auf gleich Ruhe und Abgeschiedenheit vorherrschen. In den Gebäuden der alten Pastor‘schen Textilfabrik, deren Nachfolger in der 1960er Jahren die Produktion einstellten, hat Architekt Elsbroek Wohnungen in einem Größenzuschnitt von 60 bis 180 Quadratmetern ausgebaut, die oberste Etage des langgestreckten Fabrikgebäudes ging komplett an eine bekannte Aachener Rechtsanwaltskanzlei mit Schwerpunkt Insolvenzrecht.

Durchs alte Treppenhaus

Zur Kanzlei gelangt man durch das restaurierte Fabriktreppenhaus. Im Kernbereich ruht noch der alte Lastenaufzug aus der Zeit der Jahrhundertwende. Damals, im Übergang zum 20. Jahrhundert, brummte die Industrie im Kaiserreich so richtig.

„Der Aufzug funktioniert einwandfrei“, schmunzelt Elsbroek. In Betrieb gehen wird das stählerne und klassisch dunkelgrau bis schwarz angepinselte Altertümchen aber nicht mehr: „Man braucht eine Erlaubnis zum Führen“, erklärt er, und die habe heute niemand mehr.

Zusammen mit der Denkmalschutzbehörde habe man im Bestand vieles umsetzen können, die Zusammenarbeit sei top gewesen. Von Behinderungen, wie sie oftmals beklagt werden, keine Spur, lobt Elsbroek.

Das zentrale Gebäude – er selbst hat sein Architekturbüro im vorderen Trakt des einstigen Fabrikkontors – beherbergt in den zwei unter der Kanzlei liegenden Geschossen großzügige Wohneinheiten. Sie gehen über beide Geschosse und sind angelegt wie ein Haus im Haus. Die alten Fabrikfenster habe man belassen und von innen eine energetisch wertvolle Doppelverglasung eingesetzt.

Und selbst die großen Wohneinheiten seien ganz schnell weg gewesen, berichtete der Architekt. Die 32 Wohneinheiten im neu gebauten Bereich, der parallel zu Kongressstraße verläuft, kommen jetzt auf den Markt. Auch die Wohneinheiten dort liegen im Bereich zwischen 60 bis 170 Quadratmetern, letzteres eine Größe, die nach den vielfachen Teilungen in Eigentumswohnungen am Markt nur schwer zu finden ist.

Beverbach im Untergrund

Zu kämpfen hatten die Bauleiter vor Ort mit dem Untergrund. Denn Aachen ist bekanntlich auf Wasser gebaut. So gründet der Tuchfabrikstandort auf einem Bereich, in dem der Beverbach im Untergrund unterwegs ist. „Einen richtigen Verlauf haben wir nicht gefunden“, meinte Elsbroek, aber überall seien Wasserläufe gewesen, ein alter Kanal kann heute noch besichtigt werden.

Als man das Wasser fand und keinen Wasserlauf dazu, war man etwas ratlos. Ein Blick in alte Bücher machte alles klar: Bereits ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde an dieser Stelle eine Papiermühle betrieben. „Und wo eine Mühle ist, da ist auch ein Mühlbach“, das liege auf der Hand, meint Elsbroek. Sogar eine obere und eine untere Papiermühle gab es damals, später eine Mahlmühle.

Die industriehistorischen Fassaden, so etwa der altertümliche Schornstein auf dem ehemaligen Kesselhaus, machen das Wohnambiente aus. Aachen, stellt Elsbroek nüchtern fest, hat eine Reihe solcher Ecken. Doch nur wenige seien heute bereit, solche anspruchsvollen Projekte zu entwickeln.

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