So kompliziert ist der Weg aus der JVA in die Freiheit

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. An dieser Sache verzweifelt selbst Manfred Engelhardt. Der ehemalige Personalratsvorsitzende des Studentenwerks hatte sich mächtig für den Häftling L. (58) ins Zeug gelegt, hatte ihm Jobs besorgt und wollte ihm einen Weg in die Resozialisierung ebnen.

Doch wegen eines fehlenden Gutachtens ging alles schief. L. hat in der Tat eine Latte von Vorstrafen aufzuweisen, ist aber eigentlich wegen eher weniger schwerer Delikte in der JVA in der Soers eingebuchtet worden.

Die wiederholten Rechtsverstöße brachten dem gelernten Koch schließlich die äußerst strenge Maßregel der „Sicherungsverwahrung” ein - damit die Allgemeinheit vor seinen Übergriffen geschützt ist.

Neben den eher kleinen Betrügereien bringt den Mann, kaum ist er auf freiem Fuß, ein geradezu unwiderstehlicher Hang zum Steuern eines Automobils auf die schiefe Bahn, dies weil der Koch schon lange keinen „Lappen” mehr hat.

Doch jetzt sei aus dem Saulus ein Paulus geworden, meint Engelhardt, eine schwere Krankheit im Frühjahr habe den Mann gewandelt.

Weil der Gefangene ein guter Koch der Haute Cuisine ist, hat Engelhardt - auch der ist gelernter Koch - dem Kollegen bereits zwei Stellen besorgt, auch ein Zimmer stand schon bereit.

Und Rechtsanwältin Martina Nadenau stellte die entsprechenden Anträge bei der zuständigen Strafvollstreckungskammer. Doch den Richtern, die eigentlich der Freiheit für L. nicht abgeneigt sind, wie zu hören war, fehlt bereits seit Monaten ein Gutachten des beauftragten Sachverständigen.

Auf die lange Bank

Gutachter Dr. Martin Albrecht aus Nettetal, in Aachen durchaus gut bekannt, scheint die Causa „Sicherungsverwahrung für L. - ja oder nein” auf die lange Bank geschoben zu haben.

Erst kürzlich - sein Auftrag datiert von Mai dieses Jahres, wie die Rechtsanwältin kopfschüttelnd anmerkt - habe man ihn zufällig in der JVA aufgespürt.

Danach legte er dem Gefangenen L. schnell Antwortbögen mit rund 800 Fragen vor, die er ausfüllen sollte. Albrecht hielt das auf Anfrage der „Nachrichten” für „normal” und wollte sich weiter nicht äußern. Engelhardt bedauert, „dass die Jobs jetzt weg sind”. Aber er könne die Arbeitgeber nicht länger vertrösten.

Ob das alles denn im Sinne der gesetzlich gewollten Resozialisierung sei, fragt sich Manfred Engelhardt. Seine Antwort: „Nein!”
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