Skurrile Szenen um die Frage, was Freundschaft aushält

Von: Anke Hinrichs
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Kann Freundschaft wirklich so
Kann Freundschaft wirklich so viel aushalten? Diese Frage stellt Regisseur André Schülke im Stück „Freundinnen” im Theater 99. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Das Schicksal meint es doch immer mal wieder gut. Hätte Sarah nicht genau diese Freundinnen und wären diese Freundinnen in ihrer Beziehung zueinander nicht so rührend unaufrichtig, so wäre Sarahs Plan nicht aufgegangen.

Die Premiere der Tragikomödie „Freundinnen”, die das Theater Bohème jetzt im Theater 99 feierte, zeigte einmal mehr, was Freundschaft noch sein kann.

Dabei erscheint zunächst alles ganz anders als es ist. Sarah feiert ihren Geburtstag mit ihren beiden besten Freundinnen aus der Studienzeit. Vor 25 Jahren studierte das Trio Medizin irgendwo in Amerika, heute sitzen alle fest im Sattel als Radiologinnen, Lucy als Chirurgin.

Die schillernde, extrovertierte Lucy, brillant von Jutta Steinbusch interpretiert, scheint der Motor in der Beziehung der Frauen zu sein. Sie drängt die totkranke Sarah dazu, sehr nüchtern von Nina Franzberger gespielt, sich den Hirntumor „rausschälen” zu lassen und zwar von ihr höchstpersönlich. Die etwas schüchtern und zurückhaltend wirkende Jacky, die Marion König herrlich als scheinbar immer zu spät Gekommene verkörpert, muss während der heftigen Auseinandersetzungen zwischen beiden beschwichtigen und die Wogen glätten - es sollte doch ein schöner Geburtstag werden.

Verborgenes Geheimnis

Und nicht nur Sarah weiß, dass dies ihr Letzter sein wird. Hier verbirgt sich ein Geheimnis, das sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum erst nach und nach ins Bewusstsein einsickert, und am Ende die Frage offen lässt, ob Freundschaft wirklich so viel aushalten kann.

Dazwischen geht es lustig bis derb zu. Ein Spiel, wie es wohl nur in Amerika stattfinden kann, generiert zum Lügendetektor. Jede Frau gibt ihr Geheimnis preis, die anderen müssen erraten, warum es bisher noch nicht erzählt worden ist. Es entstehen aberwitzige Situationen, wie sie nur Freundinnen aushalten können. Die Drei räkeln sich im Pyjama mit viel Alkohol und ein bisschen Haschisch gackernd auf dem Boden, gleich darauf wechseln Beleidigungen ihre Besitzerin.

Regisseur André Schülke hat hier ein als reine Komödie von Daniel Maximilian und Thomas Pauli erdachtes Stück in eine Tragikomödie umgeschrieben, mit für die drei Schauspielerinnen passgenau gestalteten Dialogen. Dabei bleibt jede bis fast zum Schluss in ihrer Rolle verhaftet, im Finale findet jedoch ein bizarrer Rollentausch statt - es ist eben nichts mehr so, wie es am Anfang schien. Schülke hat sich hier des brisanten Themas Sterbehilfe genähert, aber nicht mit einer Träne im Knopfloch, sondern kurzweilig und in frechem Duktus. Das Finale bescherte den Besuchern einen Abend mit vielen Denkanstößen, ohne belehrend zu sein. Damit ist „Freundinnen” eine wirklich gelungene Produktion und absolut sehenswert.

Die Aufführungen im Oktober

Das Stück „Freundinnen” im Theater 99, Gasborn 9-11, ist noch zu sehen am 14., 15. und 16. Oktober. Karten gibt es unter Telefon 0241/ 27458. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.

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