Skulptur-Entdeckung in der Kaffeepause

Von: Werner Breuer
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Vom Café van den Daele ins Suermondt-Ludwig-Museum: Café-Betreiber Alexander Kockartz (Mitte) übergab die Christus-Figur an die Kuratoren Dagmar Preising und Michael Rief. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es war eine lohnende Kaffeepause für Dagmar Preising und Michael Rief. Die beiden Kuratoren der aktuellen Ausstellung „Made in Utrecht – Meisterwerke mittelalterlicher Bildhauerkunst“ im Suermondt-Ludwig-Museum saßen im Café van den Daele, nippten an ihren Heißgetränken und entdeckten auf einem Sims eine Christus-Figur.

„Das ist Utrecht“, meinte Dagmar Preising, nachdem sie die 46 Zentimeter große Statue aus Gips genauer betrachtet hatte. Dann fing der Papierkram an: Preising und Rief forschten in Archiven, kontrollierten sogenannte Verlustlisten – und sind sich nun sicher: Das Dekorationsstück aus den Alt-Aachener Café-Stuben ist ein Abguss einer Eichenholz-Skulptur aus dem frühen 16. Jahrhundert, die einmal zu den Beständen des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums gehörte.

„Da ist sie irgendwann zwischen 1923 und 1939 verschwunden“, weiß Michael Rief inzwischen. Was nicht heißen soll, dass in dem Haus an der Wilhelmstraße seinerzeit Kunstwerke verkramt wurden. „Es ist wohl damals verkauft worden“, meint Rief.

Kopien aber sind dem Museum geblieben, und das gleich haufenweise. Fleißig wurden Gipsabgüsse produziert – unter anderem nach dem Zweiten Weltkrieg im Hinterhof des Museums – und verkauft. Preising und Rief haben einen alten Katalog aufgetrieben, in dem die Nachbildungen der Darstellung von Christus als Salvator Mundi für 18 Mark angeboten werden. Heute dürften sie nach Riefs Schätzungen einige Hundert Euro wert sein.

Und das verschollenene Original taxiert er auf „den hohen fünfstelligen oder niedrigen sechsstelligen Bereich“. Den Namen des Künstlers kennen die beiden Kuratoren noch nicht. In Fachkreisen firmiert er als „Meister des steinernen Frauenkopfes“. Ein belgischer Historiker soll denn Mann inzwischen enttarnt haben.

Der Abguss seines Werkes ist mittlerweile zum Suermondt-Ludwig-Museum umgezogen und wird in die noch bis zum 16. Juni laufende Ausstellung integriert. Café-Betreiber Alexander Kockartz ist einstweilen erleichtert, dass das Schätzchen gut verwahrt ist. „Das ist ja hier kein Alcatraz.“

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