Sinti und Roma sind so „wie alle anderen auch“

Von: Martina Stöhr
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Aachen. „Die Nationalsozialisten verfolgten nicht nur Juden, sondern auch Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle und politisch Andersdenkende.“ Mit diesen Worten erinnerte Denver Igharo, stellvertretende Schülersprecherin an der Heinrich-Heine-Gesamtschule, daran, dass auch Sinti und Roma unter der Verfolgung der Nazis zu leiden hatten.

Wie viele genau der Gewaltherrschaft zum Opfer fielen, sei nicht belegt. Das Leiden der Sinti und Roma nahmen die Schüler am gestrigen Holocaust-Gedenktag zum Anlass, sich eingehender mit dieser Volksgruppe zu beschäftigen. Nach der kurzen Gedenkrede zündeten sie Kerzen an und gedachten der Opfer des Holocaust in einer Schweigeminute.

Prädikat: Schule ohne Rassismus

Schon vor zwei Jahren erhielt die Heinrich-Heine-Gesamtschule das Prädikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Zum Holocaust-Gedenktag setzen die Schüler jeweils ein Schwerpunktthema. Diesmal war es Zimka Sulejman, die die Sinti und Roma ins Gespräch brachte. Eine Schülerfahrt ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, in dem mehr als 20.000 Sinti und Roma ermordet wurden, machte sie so betroffen, dass sie sich wünschte, ihre Mitschüler würden mehr über ihr Volk erfahren. Und dazu hatten die am Holocaust-Gedenktag bei zwei Referaten reichlich Gelegenheit.

„Noch heute haben Sinti und Roma unter Vorurteilen und Diskriminierungen zu leiden“, meinte Denver Igharo. Dabei sei ein fester Wohnsitz für viele Sinti und Roma heute eine Selbstverständlichkeit. „Viele arbeiten als Arbeiter, Angestellte oder Selbstständige in ganz gewöhnlichen Berufen“, führte sie weiter aus.

Die Roma und Sinti seien eine Menschengruppe aus Indien, die vor vielen Jahren auf ihrer Wanderschaft über Griechenland den Balkan erreicht hätte, erklärte Friedrich Gruschei den Schülern in einem Referat. Man habe sie als wild und ungestüm empfunden, so dass sich eine romantische und wilde Mystik um die Zigeuner gerankt habe. „Bald entstand so etwas wie eine heimliche Sehnsucht nach dem anderen Leben der Zigeuner“, sagte Gruschei. Denen habe man alsbald unter anderem Hexerei, Betteln, Zauberei und Weissagerei nachgesagt.

Keine Antwort

„Was aber ist denn nun ein Zigeuner“, wollte eine Schülerin dann wissen. Marie Alievska, Romani aus Stolberg, gab darauf eine ganz einfache Antwort. „Zigeuner sind Menschen wie alle andern auch. Mit ihren eigenen Traditionen, mit ihrer eigenen Kultur…“ Und warum sie von den Nazis verfolgt wurden, darauf weiß auch sie keine Antwort.

Sie selbst ist stolz darauf, Romani zu sein, und sie hat auch nichts dagegen einzuwenden, wenn sie Zigeunerin genannt wird. Die Menschen so zu nehmen, wie sie sind, ohne danach zu fragen, woher sie kommen, ist laut Stephan Safer, Lehrer an der Heinrich-Heine-Gesamtschule, der Schlüssel zur Verständigung.

Sein Kollege Manfred Kriebs ist stolz auf seine Schülerinnen und Schüler. Sie seien politisch aktiv und das sei eine wunderbare Erfahrung. Jedes Jahr organisieren sie ein bis zwei Veranstaltungen zum Thema Rassismus. Denn nur dann dürfen sie das Prädikat „Schule ohne Rassismus“ auch in Zukunft behalten.

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