Aachen - Sinnvoller Grundwasserschutz oder Beutelschneiderei?

Sinnvoller Grundwasserschutz oder Beutelschneiderei?

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wenn Johannes Rottmann am Steppenberg aus dem Fenster schaut, kommen ihm schnell Zweifel am Sinn des Landeswassergesetzes: Ihm als Hauseigentümer schreibt es künftig eine Dichtheitsprüfung seines Abwasserkanals vor, um den Grundwasserschutz zu gewährleisten.

Doch wenige Meter neben seinem Grundstück dürfen Landwirte ungebremst Düngemittel und Unkrautvernichter aufs Feld spritzen. „Der vergiftet das Grundwasser weit mehr”, schimpft der pensionierte Chemiker.

Was läuft schon durch eine normale Abwasserleitung, gibt Rottmann zu bedenken. Dass man dennoch per Gesetz nach kleinsten Haarrissen suchen lassen will, hält er für „milde ausgedrückt einen Schildbürgerstreich”. Und mit dieser Meinung steht er längst nicht alleine da.

Bundesweit haben sich inzwischen Bürgerinitiativen gebildet, die die von oben verordnete Dichtheitsprüfung nicht widerspruchslos hinnehmen wollen und eine bürgerfreundlichere Ausgestaltung des Gesetzes fordern. Rottmann findet, dass die Landesregierung voreilig gehandelt habe, denn noch gibt es keine bundeseinheitliche Regelung für den Grundwasserschutz.

So ist der Protest derzeit in Grenzlage zu anderen Bundesländern am schärfsten, weil dort die unterschiedliche Handhabung als besonders ungerecht empfunden wird. Hinzu kommt, dass auch jede Kommune eine andere Vorgehensweise gewählt hat.

Alle Protestler eint die Einschätzung, dass die Dichtheitsprüfung ein bürokratischer Irrsinn sei, die einzig der „Kanal- und Rohr-Branche” zugute komme. Tatsächlich bezeichnete auch die Kreishandwerkskammer den §61a im Landeswassergesetz bereits als „Konjunkturprogramm”.

Alleine in der Städteregion gibt es rund 150.000 private Kanalanschlüsse, die in den kommenden Jahren untersucht werden müssen. Bei Kosten von bis zu 500 Euro pro Grundstück lässt sich schnell errechnen, dass unter Hinweis auf den Umweltschutz ein Millionengeschäft lockt.

Kritiker wie Rottmann halten die Dichtheitsprüfung für unsinnig und ärgerlich. Denn häusliches Abwasser sei ohnehin nur minimal mit Reinigungsmitteln und Fäkalien verunreinigt, Undichtigkeiten an den Rohren seien auch nach vielen Jahren unwahrscheinlich, die Gefahr fürs Grundwasser sei somit gleich Null. Andere Bundesländer würden daher auf Dichtheitsprüfungen privater Anschlüsse ganz verzichten.

Während vor allem in Ostwestfalen und im Ruhrgebiet die Protestwelle wächst, bleibt es in Aachen bislang ruhig. Rottmann vermutet, dass viele Hauseigentümer noch nicht registriert hätten, was auf sie zukommt. „Die meisten wachen erst auf, wenn es ans Portemonnaie geht und wehtut.”

Er selbst hat zwar nicht vor, nun auch in Aachen den Protest gegen die Dichtheitsprüfung zu organisieren, würde sich aber über mehr Widerspruch freuen. Ob das die Politiker beeindrucken wird, ist offen: Noch halten CDU, SPD und Grüne im Land an der Dichtheitsprüfung fest, einzig die FDP hält die Regelung für mindestens fragwürdig.

Zur Eile besteht für Eigentümer kein Anlass

Hauseigentümer in Aachen sollten keinesfalls jetzt schon übereilt Dichtheitsprüfungen veranlassen. Die Stadt arbeitet noch an einem Gesamtkonzept und wird Eigentümer rechtzeitig informieren. So sollen auch Baumaßnahmen - etwa durch die Stawag - mit Anliegern abgestimmt werden, um Kosten zu sparen.

Je nach Wohnlage im Stadtgebiet haben Eigentümer bis zum Jahr 2023 Zeit, die geforderte Untersuchung zu veranlassen. Nach 2007 fertiggestellte Anschlüsse gelten als geprüft. Der Dichtheitsnachweis muss jedoch alle 20 Jahre erbracht werden.

Vor Haustürgeschäften wird ausdrücklich gewarnt. Die Prüfung darf nur durch sachkundige und zugelassene Prüfer erfolgen. Mehr dazu unter http://www.aachen.de/dichtheitspruefung.
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