Sinfonieorchester zeigt die unbekannten Seiten des Glenn Gould

Von: Martina Rippholz
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Sie präsentieren Glenn Gould
Sie präsentieren Glenn Gould und mehr (von links): Vassili Voronin, Michael Dühn, Thomas Beaujean und Stéphane Egeling. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Genie, Exzentriker, Jahrhundertpianist - der kanadische Musiker und Komponist Glenn Gould bildet den Dreh- und Angelpunkt des 1. Kammerkonzerts, mit dem Sinfonieorchester und Theater Aachen in die neue Saison starten. In diesem Jahr wäre Gould, der Anfang der 1980er Jahre starb, 80 Jahre alt geworden.

Die runde Zahl kam Stéphane Egeling, Solooboist des Sinfonieorchester, gerade recht. Er hat die Federführung für dieses Konzert übernommen. Denn traditionellerweise gestalten die Musiker die vierteilige Reihe in eigener Regie. Zum Auftakt wollen Egeling, Dramaturg Michael Dühn, Konzertmeister Felix Giglberger und die anderen Profis dem Publikum zeigen, dass Glenn Goulds Schaffen weitaus vielseitiger war als die Einspielungen der „Goldberg”-Variationen von Johann Sebastian Bach.

„Fast niemand weiß, dass Gould auch komponiert hat”, erklärt Egeling. Mit der Aufführung seines ersten und einzigen Streichquartetts will das Sinfonieorchester das ändern. Egeling: „Das Werk ist durch und durch romantisch. Es wird selten gespielt und ist sehr anspruchsvoll.” Das bestätigt auch Geiger Vassili Voronin, der zum achtköpfigen Ensemble gehört.

Goulds Eigen-Komposition bildet den Ausgangspunkt für die weiteren Werke, die am kommenden Sonntag und Montag im Theater präsentiert werden. Sie alle stehen in engem Bezug zu dem Ausnahmekünstler. Bachs „Kunst der Fuge” etwa. Egeling: „Gould nannte es das schönste Stück überhaupt.” Neben Bach steht auch der von dem Kanadier vielfach interpretierte Georg Friedrich Händel auf dem Programm, und zwar mit der ersten Triosonate in B-Dur. Goulds Liebling aber war der englische Komponist Orlando Gibbons, von dem die Aachener gleich zwei Werke genießen dürfen: „fantasia a 6 nr. 1” und „Pavan & Galliard”.

Zudem warten die Musiker des Sinfonieorchesters noch mit einer Entdeckung auf. Die „Symphonie sur la bataille a Hochstadt” von Johann Fischer erzählt von einer Schlacht im Spanischen Erbfolgekrieg. „Die gesamte Schlacht wird in dem Werk sehr plastisch dargestellt”, erklärt Egeling. Fischers Bombastik ist nur eine der Herausforderungen, der sich Egeling und die anderen stellen wollen. Und zwar mit viel Engagement, wie Michael Dühn bestätigt: „Alle sind mit Herzblut dabei”.

Seit Beginn der Reihe unterstützt die „Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde zu Aachen” den Einsatz der Sinfonieorchester-Musiker über ihren reguläre Verpflichtungen hinaus. Stellvertretender Vorsitzender Thomas Beaujean: „Durch diese Serie kann man auf einzigartige Art die Vielfalt der Kammermusik erleben.” Diese Vielfalt und die Vielfalt Glenn Goulds können Besucher am Sonntag, 22. Januar, 11 Uhr, sowie am Montag, 23. Januar, 20 Uhr, im Spiegelfoyer des Theaters erleben. Karten gibt es beim AN-Ticketshop, Buchkremerstraße 1-7. Wer auch alle weiteren Kammerkonzerte (siehe Box) besuchen will, kann an der Theaterkasse (Tel. 0241/4784244) eine Abo-Karte mit festen Plätzen kaufen.

Überblick über die weiteren Kammerkonzerte

Auch die weiteren drei Kammerkonzerte finden im Spiegelfoyer des Theaters Aachen, Theaterplatz 1, statt.

Sonntag, 18. März, 11 Uhr, und Montag, 19. März, 20 Uhr: Maurice Ravel, „Chantes Madacasses”, Francis Poulenc, Sonate für Oboe und Klavier, César Franck, Klavierquartett f-Moll.

Sonntag, 22. April, 11 Uhr, und Montag, 23. April, 20 Uhr: Luciano Berio, „Opus Number Zoo”, Franz Danzi, Bläserquintett g-Moll, Alexander Borodin, Streicherquartett Nr. 2.

Sonntag, 24. Juni, 11 Uhr, und Montag, 25. Juni, 20 Uhr: Vaughan Williams, Streichquintett „Phantasy Quintet”, Lothar Klein, „AOIDOI”.

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