Sieben Ponys auf kleiner Ladefläche eingepfercht

Von: Holger Richter
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Erste Hilfe am „Tatort“: Die Bundespolizisten sind schockiert von ihrem Fund, kümmern sich aber sofort um die Tiere. Diese Beamtin gibt dem Pony eine Möhre, denn auf dem kleinen Hänger war für Wasser oder Futter kein Platz. Foto: Bundespolizeiinspektion Aachen

Aachen. Eigentlich waren die Bundespolizisten auf der Suche nach Schleusern, die illegal Menschen über die Grenze schmuggeln wollen. Doch schon als sie am Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr auf den angehaltenen Kleintransporter mit Anhänger zugingen, merkten sie, dass ihnen da wohl etwas anderes ins Netz gegangen ist.

„Als sie sich dem Fahrzeug näherten, nahmen sie klagende Tiergeräusche und Tierkotgeruch aus dem mit einer Plane verschlossenen Kleinanhänger wahr“, beschreibt Pressesprecher Knut Paul die Situation am ehemaligen Grenzübergang in Lichtenbusch.

Und tatsächlich, als sie die blaue Plane am Anhänger öffneten, bewahrheiteten sich ihre schlimmen Befürchtungen. „Was die Beamten zu sehen bekamen“, berichtet der Polizeisprecher, „war für sie kaum fassbar“. Im Protokoll liest sich das so: „Auf der knapp vier Quadratmeter großen Ladefläche waren sieben Shetlandponys eingepfercht. Die Tiere waren in einem derart schlechten körperlichen Zustand und standen in ihren eigenen Exkrementen. Sie waren weder mit Wasser noch mit Futter versorgt.“

Die Bundespolizisten halfen sofort und beendeten das Martyrium der Tiere. Sie wurden samt Hänger beschlagnahmt und nach Absprache mit dem zuständigen Veterinäramt der Städteregion in Sicherheit gebracht.

„Die Ponys befinden sich jetzt auf einem vernünftigen Hof und werden tierärztlich betreut“, berichtet Holger Benend am Dienstag. Doch leider sind die guten Nachrichten des Sprechers der Städteregion damit schon erschöpft, denn: „Die Tiere sind gesundheitlich in einem sehr schlechten Zustand“ berichtet er weiter. „Sie sind alle durchweg infiziert, wir wissen aber noch nicht, was es für ein Infekt ist.“

Daher habe man den Ponys Blutproben entnommen, die derzeit in Krefeld untersucht würden. Bis das Ergebnis vorliegt, bekommen die Pferde Antibiotika. „Wir päppeln die Pferde gerade auf“, so Benend.

„Unser größtes Problem aber ist, dass wir nicht wissen wem die Tiere gehören“, fügt der Sprecher hinzu. Der Fahrer des Kleintransporters, ein 47-jähriger Rumäne mit Wohnsitz in Belgien, hatte der Bundespolizei nämlich weder Eigentumsnachweise noch eine Transportbescheinigung für die Europäische Union vorlegen können. Die fünf Pferdepässe, die er dabei hatte, gehörten jedenfalls nicht zu den Ponys. Außerdem habe er „widersprüchliche Angaben zum Aufnahme- und Verbringungsort der Ponys“ gemacht, berichtet die Bundespolizei.

Viele offene Fragen

Für die Städteregion, in deren Obhut die Tiere derzeit sind, bedeutet das eine Menge offener Fragen: Woher stammen die Tiere? Wohin sollten sie gebracht werden? Warum wurden sie unter diesen Umständen transportiert? „Es könnte sein, dass die Ponys in Belgien gestohlen wurden“, vermutet Holger Benend. Daher wolle man Kontakt zur belgischen Polizei aufnehmen. Auch die Bundespolizei, die gegen den 47-Jährigen eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutz- und Tierseuchengesetz erstattet hat, ermittelt weiter.

Die Bundespolizei stoppt immer mal wieder illegale Tiertransporte an der Grenze. Eine offizielle Statistik gebe es aber nicht, teilt Sprecher Bernd Küppers mit. Aachener Tierschützer vermuten allerdings, dass es aufgrund der Grenznähe in der Region ein internationales Netzwerk fragwürdiger Pferdehalter und -züchter gibt, die vermutlich mit möglichst billiger Tierhaltung maximalen Profit beim Verkauf erzielen wollen. Jährlich gehen nach Auskunft der Pressestelle rund 550 Meldungen über Tierschutzvergehen beim Veterinäramt der Städteregion ein.

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