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Sie wollen das freundliche Gesicht des Islam zeigen

Von: Rolf Hohl
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Die Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat bereitet sich auf den Infotag vor: (v.l.) Shezad A. Sabir (Präsident), Imam Faiz Khan, Iman Mahmoud Malhi und Generalsekretär Salman Ahmad. Foto: H. Krömer

Aachen. Wer klein ist, hat es nicht immer einfach im Leben. Allzu leicht wird man übersehen, ignoriert oder beiseite geschubst. Mit gerade einmal knapp 300 Mitgliedern ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat die kleinste religiöse Gemeinschaft in Aachen und teilt daher manchmal dieses Schicksal.

Nichtsdestotrotz wollen sie sich aktiv an der öffentlichen Diskussion über den Islam beteiligen und den Bürgern das freundliche Gesicht ihrer Religion zeigen. Zuweilen werden den Mitgliedern der Ahmadiyya dabei aber noch Steine in den Weg gelegt – auch von der Stadt.

Mit einem Informationstag will die Ahmadiyya am 18. Februar ab 9 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz in Aachen, in der Englerthstraße in Eschweiler und auf dem Morlaixplatz in Würselen auf sich und ihre Ziele aufmerksam machen. „Wir wollen zeigen, dass wir uns an das Grundgesetz halten und Aufklärung leisten, weil unserer Religion in der heutigen Zeit viel unislamisches zugeschrieben wird“, sagt der Imam Mahmoud Malhi.

Er wurde in Deutschland ausgebildet und sieht sich und seine Glaubensgenossen daher in der Pflicht: „Für uns heißt Integration, dem Land soviel wie möglich mit unserer Arbeit zurückzugeben.“

In Hamburg und Hessen hat die Ahmadiyya-Gemeinschaft daher den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts zugesprochen bekommen und ist damit mit den christlichen Kirchen rechtlich gleichgestellt. Auch in anderen Bundesländern hat sie die Chance, diesen Rechtsstatus zu erhalten, um etwa das im Grundgesetz verankerte Recht auf Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu gewährleisten.

Deutschlandweit hat die Gemeinschaft mit Ursprung im heutigen Indien etwa 40.000 Mitglieder in über 220 Gemeinden und wird vom Verfassungsschutz als „unauffällig, friedlich und integrationswillig“ beschrieben.

Völliger Gewaltverzicht

Weil die Ahmadiyya aber für einen reformierten Islam einsteht und etwa für völligen Gewaltverzicht und die Gleichberechtigung der Frau plädiert, wird sie selbst von anderen muslimischen Glaubensgemeinschaften abgelehnt. Auch an der muslimischen Pilgerfahrt nach Mekka dürfen ihre Mitglieder nicht teilnehmen.

Der Kontakt zu andersgläubigen Muslimen sei privat zwar unkompliziert, aber öffentlich finde kaum ein Dialog statt, wie der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde Aachen, Shezad Sabir, sagt. „Diese Kampagne soll zeigen, dass wir offen sind und uns zum Frieden bekennen. Damit kommen wir auch den Bitten vieler Bürger nach, die sich von uns eine klare Positionierung gegenüber Gewalttaten wünschen.“

Auch der für die Aachener Mansoor-Moschee verantwortliche Imam und Theologe Faiz Khan betont: „Die Radikalen können wir als Gesellschaft nur an den Rand drängen, wenn wir zusammenhalten.“ Seit mehr als 30 Jahren ist die Gemeinde dafür auch in der Kaiserstadt aktiv und leistet Seelsorge, veranstaltet Obdachlosenspeisungen und selbst das Freitagsgebet in der Moschee wird auf Deutsch gehalten.

Die Mitgliedschaft beim Dialog der Religionen in Aachen, das eigens für den interreligiösen Austausch geschaffen wurde, wird der Ahmadiyya jedoch bis heute verwehrt.

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