Shoppen im Web: Oft kommt der Zoll ins Spiel

Von: Heiner Hautermans
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Da kommt einiges zusammen: Zol
Da kommt einiges zusammen: Zollamtsrat Schmitz zeigt die Sendungen, die wegen unklarer Beschreibung, fehlender Rechnung oder anderer Verdachtsmomente beim Zollamt in der Charlottenburger Allee landen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die 22-Jährige nutzt das Internet, wie es inzwischen viele Menschen tun, nicht nur junge: Bücher lässt sie aus England kommen, Kleider aus Singapur, Schmuck aus Amerika - gelebte Globalisierung. Bei der letzten Bestellung, einem handgenähten Sommerkleid aus Thailand, war es anders als sonst.

In der Wohnung der Studentin landete lediglich ein Schreiben der Post. Sie könne sich das Paket beim Zoll in der Charlottenburger Allee abholen, wurde ihr mitgeteilt. Begründung: Auf dem Päckchen hätte die Rechnung draufkleben müssen. Beim Zoll? Die Studentin staunte.

„Wir bekommen viele Anrufe, weshalb muss ich zum Zoll”, bestätigt Zollamtsleiter Stefan Schmidt, der Chef von 21 Beschäftigten. Denn diese Art des Einkaufens nehme stetig zu und mache inzwischen einen Großteil der Arbeit in der Abteilung Import aus. 10.500 von 24.000 Sendungen im letzten Jahr kamen per Post und landeten im Keller des - angemieteten - Gebäudes Charlottenburger Allee 27-29, meist Textilien und elektronische Geräte. Objektive aus Hongkong sind darunter oder Modellbau-Loks aus China.

Für alle gilt, dass sie in den internationalen Frachtzentren für Land, See und Luft, meist dem Flughafen in Frankfurt, aussortiert wurden, weil entweder die Rechnung an der Außenseite fehlte, Zweifel am Wert der Ware bestand oder sie Verboten und Beschränkungen unterliegt.

Keine Waffen oder Arznei

So dürfen beispielsweise keine Arzneimittel eingeführt werden, Waffen und Betäubungsmittel selbstredend ebenfalls nicht. Oder wenn der Verdacht besteht, dass mit dem Paket etwas nicht stimmt, etwa gegen Markenrechte verstoßen wird, beispielsweise bei der Einfuhr von italienischen Designerschuhen zum Schnäppchenpreis aus Hongkong. Auch die Aufschrift „Geschenk” macht die Transporteure eher misstrauisch. „Die Post tritt in den Frachtzentren als Vertreter der Empfänger auf und überführt sie in den freien Verkehr”, erklärt Stefan Schmidt.

Wenn das aus den oben genannten Gründen aber nicht an die normale Adresse möglich ist, müssen die Besteller im Hauptzollamt antreten und dafür mitunter einige Zeit mitbringen. Manchmal sind es um die 100 Kunden aus der Städteregion und einem Zipfel des Kreises Euskirchen, die vor dem Ausgaberaum Schlange stehen und im Beisein das Zollbeamten das Päckchen öffnen, den Inhalt gemeinsam sichten, die Rechnung präsentieren und anschließend 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer entrichten müssen - wenn alles gut geht.

Das ist längst nicht immer der Fall: 52 Pakete wurden 2011 aus dem Verkehr gezogen, weil der Inhalt gegen den gewerblichen Rechtsschutz verstieß („Produktpiraterie”). Zollamtsrat Schmitz: „Eigentlich wird alles gefälscht. Sogar Fälschungen werden gefälscht.” Häufig handele es sich um Kleidung oder Spielekonsolen.

109 Arzneimittel wurden ebenfalls konfisziert, darunter Viagra-Präparate oder 500-Dosen-Aspirin aus den USA „für einen Appel und ein Ei”. Zwei Mal wurden Waffen beschlagnahmt, beliebt sind etwa Laserpointer oder Zielfernrohre. 13 Mal verstießen Sendungen gegen die Produktsicherheit, so hatten Elektro- oder Spielzeuggeräte nicht das benötigte CE-Zeichen. Die beschlagnahmte Waren werden entweder vernichtet (beispielsweise Fleisch) oder an die Absender zurückgeschickt.

Nicht selten kommt es auch vor, dass der Wert der Ware zu niedrig angegeben wird. Etwa für eine Schallplatte wird nur 25 Euro deklariert, das Schätzchen wird aber für 1000 Euro gehandelt. In diesen Fällen, so sagt Abfertigungsbeamter Gerhart Kunz, recherchieren er und seine Kollegen selbst im Internet, um den wahren Wert zu ermitteln. Der Delinquent riskiert dann eine Strafanzeige wegen Steuerhinterziehung.

Teure Internet-Schnäppchen

Keine Abgaben werden erhoben bis zu einer Grenze von 22 Euro, wobei die Versandkosten zum Warenwert hinzugerechnet werden. Ab 150 Euro ist dann aber nicht nur die Einfuhrumsatzsteuer (19 Prozent) fällig, sondern der normale Zoll, bei Textilien zwölf Prozent. Schmidt: „Da wird manch ein Internet-Schnäppchen teurer, als wenn man es hier im Laden gekauft hätte.” Übrigens: Es lohnt sich, die Waren rasch abzuholen, ab dem zehnten Tag werden nämlich 50 Cent Aufbewahrungsgebühr erhoben - pro Tag.

Die Aachener Studentin hat das Sommerkleid aus Thailand inzwischen abgeholt. Sie hatte 42,25 Euro über das Internet bezahlt, hinzu kamen noch 8,03 Euro Einfuhrumsatzsteuer. Die hätte die Post sonst in Frankfurt stellvertretend für sie entrichtet und dann per Nachnahme bei ihr zurückkassiert. Jetzt fehlt nur noch das Wetter, dass sie es anziehen kann.

Das Zollamt Charlottenburger Allee wurde zum 1. Januar 2003 errichtet und ist das jüngste und mit 21 Bediensteten zugleich größte der drei Zollämtern des Hauptzollamts Aachen. Der Abfertigungsservice ist montags bis mittwochs sowie freitags von 7.30 bis 16 Uhr geöffnet, donnerstags bis 18 Uhr. Wie jedes andere Zollamt auch ist das Amt an der Charlottenburger Allee in zwei Bereiche gegliedert, nämlich Import und Export. Im Jahr 2011 wurden insgesamt 82.300 Sendungen zum Export abgefertigt. Der Schwerpunkt lag dabei auf Maschinen, Maschinenteilen und Süßwaren. Auf der Importseite durchliefen 24.000 Sendungen (davon 10.500 Postsendungen), insbesondere Textilien und elektronische Geräte, den Zoll.
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