Aachen - Seltsames Ding neben Kaiser Karl

Seltsames Ding neben Kaiser Karl

Von: Werner Czempas
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Ist den Sozialdemokraten ein D
Ist den Sozialdemokraten ein Dorn im Auge: der hässliche Hydrant mitten auf dem Markt. Die Feuerwehr will sich mit dem seltsamen Ding „stadtgestalterisch” befassen. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Das seltsame Ding steht ein paar Meter neben dem Kaiser Karl in seinem „Eäzekomp”, dem Bronzebecken des Marktbrunnens. Steht da vor dem Rathaus wie das respektlose „Manneken Pis” in Brüssel. Künstlerisch verfremdet.

Nicht marmorn wie in der belgischen Hauptstadt, sondern eisern. Knappe 1,50 Meter ist das Aachener Männlein groß und leuchtet in knallrotem Overall über den Platz. Graue Baskenmütze als Deckel auf dem Kopf. Schwarze Stiefel. Und in der Mitte metallic-grau ein Stutzen, aus dem das Wasser schießt, wenn es schießen soll. Manneken Pis eben.

Aber während das Brüsseler Wahrzeichen entzückte Touristen in Scharen anlockt, schenkt dem Öcher Männchen keiner großartig Beachtung. Man sieht das Kerlchen - und zieht weiter. Denkt sich nix. Nicht so die Mitglieder der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte.

Das rote Ding ist den Genossen schon seit langem aufgefallen. Weil es vor der hell-dunklen Patina des altehrwürdigen Rathauses und neben dem bronzefarbenen Eäzekomp so kreischend hässlich herumsteht. Den Markt verschandelt. Warum steht das Ding da? Wie ist es da hingeraten? Wann? Und was hat es überhaupt vor?

Riesige Zisterne

Wen die SPD-Bezirkler in der Vergangenheit auch fragten, keiner wusste nichts Genaues. Also packte die SPD die Gelegenheit beim Schopfe, als in der Bezirksvertretung die Löschzugführer von Aachen-Nord, Ralf Kaulen, und Aachen-Mitte, Bernd Spykers, zum Thema „Ehrenamtliches Engagement der Freiwilligen Feuerwehr” referierten.

Die Herren Löschzugführer brillierten in Hochform und entledigten sich ihrer Aufgabe nicht dröge, sondern so „unterhaltsam und lehrreich”, wie Bezirksbürgermeister Achim Ferrari zu Recht schmeichelte, dass in der heiter-lockeren Atmosphäre Patrick Deloie von der SPD entschlossen aufs Ganze ging: „Sagen Sie mal, der Hydrant da auf dem Markt, ist der von einem Feuerwehrfest übrig geblieben?”

Ein Hydrant ist also das potthässliche Ding. Worauf die Herren Löschzugführer erneut zur Rede ansetzten, von besonders gefährdeten Objekten wie Rathaus und Dom erzählten und ihre Zuhörer mit der Kunde verblüfften, unterm Markt liege eine riesige Zisterne, die aber nicht mehr in Betrieb sei.

Sie sprachen von Unterflur- und Überflur-Hydranten und das geriet ihnen wieder so anschaulich, dass jedem Laien klar wurde, wieso ein Überflur-Hydrant mehr Wasser liefert als sein unterfluriger Bruder. Warum es also ratsamer ist, dass vor dem Rathaus das Überflur-Ding Brandwache schiebt. Baurechtlich vorgeschrieben.

Kultur-frevlerische Schandtat

Und zudem, so die Löschzugführer, habe der Hydrant schon immer an dieser Stelle auf dem Markt gestanden. Woraufhin es in den sozialdemokratischen Reihen quirlig wurde und den Wehrmännern ein vielstimmiges „Nee, nee, nee!” entgegenschallte. Vielfach verunsichert kratzten sich die Herren Löschzugführer am Kopf.

So bleiben etliche Fragen weiterhin unbeantwortet. Seit wann steht das Ding da? Und wenn es dort überflur-hydrantisch stehen muss, warum muss es so hübsch hässlich sein? Kann es sich in seiner technischen Derbheit nicht in eine dunkle Ecke verkrümeln? Oder im Eäzekomp, versteckt unter der Rüstung des großen Karl? Aber, aber: Den legendären alten „Keiser Karel” zum Überflur-Hydranten, zum „Manneken Pis en em Eäzekomp” umzufunktionieren - eine kultur-frevlerische Schandtat sondergleichen.

Bei den Löschzugführern Mitte und Nord aber sieht sich die SPD endlich mit ihren Fragen angekommen. Und angenommen. Die Wehrherren versprachen, sich den Fall mit dem fiesen Markt-Hydranten „stadtgestalterisch zu überlegen”.
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