Selten in Not: Gestrandete Vogeljunge nicht mitnehmen

Von: Thomas Vogel
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Dieses Schwarzkehlchen kann als Ästling noch nicht fliegen. Foto: stock/blickwinkel
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Auch wenn dieses Amselküken einen verwaisten Eindruck macht: Das Tier auf keinen Fall einfach mitnehmen, warnt der Nabu. Handaufzuchten haben nur geringe Überlebenschancen. Foto: stock/blickwinkel

Aachen. Rettungsaktionen haben Hochsaison. Nicht Flutopfer sind hier gemeint, sondern Jungvögel. Zwischen Erst- und Zweitbrut – jetzt im Juni – wird der Vogelnachwuchs flügge und lernt allmählich das Fliegen. Hopsende Amseln oder Kohlmeisen werden von Passanten als hilfsbedürftig angesehen und kurzerhand mitgenommen. Damit tut man den Tieren allerdings keinen Gefallen.

Handaufzuchten haben kaum Überlebenschancen, betont der Naturschutzbund (Nabu) Aachen. Zwar sei verständlich, dass Passanten versuchen, die Tieren aus ihrer Lage zu befreien. Oft schafften diese das jedoch ganz alleine. Ständig geben die Kücken sogenannte Standortlaute von sich, durch die sie von den Elterntieren gefunden werden können.

Ästlinge – Jungvögel also, die das Nest bereits verlassen, aber noch nicht fliegen können – seien oft 50 bis 100 Meter vom Nest entfernt zu finden, erklärt Herbert Fleu, Vogelexperte des Aachener Nabu. Oft springen sie herum, schlagen mit den Flügeln und machen bei den ersten Startversuchen einen kranken Eindruck, ohne krank zu sein. „Nur ganz selten handelt es sich bei gefundenen Jungvögeln am Boden um verlassene, verletzte oder geschwächte Tiere, die Hilfe benötigen“, stellt Fleu klar.

Es gibt jedoch Umstände, unter denen Beobachter einschreiten sollten: wenn sich der Nachwuchs von Amsel, Meise, Fink und Star an einer vielbefahrenen Straße niedergelassen hat oder von Nachbars Katze bedroht wird. Dann heißt es: behutsam aufnehmen und in überschaubarer Entfernung wieder absetzen. Am besten natürlich zurück ins Nest.

Die Angst, dass die Vogelmama ihr Junges nicht mehr zurücknimmt, weil es nach Mensch riecht, ist unbegründet. „Vögel können sehr schlecht riechen, teilweise gar nicht“, sagt Fleu.

Die sehr geringen Überlebenschancen für Wildvogel-Küken, die in menschlicher Obhut aufgezogen werden, resultieren unter anderem aus der Fütterung. Selbst wenn alle zwei Stunden Nahrung zugeführt wird, so Fleu, erhalten die kleinen Vögel nicht alle Stoffe, die sie auf einem von den Elterntieren abwechslungsreich mit Insekten gedeckten Tisch zur Verfügung haben.

Kleinvogel-Küken nehmen selbst Auffangstationen kaum auf, sagt der Experte. Die seien vornehmlich für Greifvögel zuständig. Sollte dennoch dringend der Rat eines Profis für ein krankes, verletztes oder verwaistes Findelkind gesucht werden, sollte man sich an die Naturschutzorganisationen, Stadt oder Städteregion, Zoos oder Tierärzte wenden, empfiehlt der Nabu. Oder an Herbert Fleu direkt.

Ein verletztes Tier könne man auch mal liegen lassen, das nächsthöhere Glied in der Nahrungskette freut sich. In jedem Fall aber betont der Nabu-Vogelexperte Fleu: „Wildvögel gehören nicht in Menschenhand!“

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