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Selbstsicher gelbe Knöllchen verteilen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Politessen wie Uta Hanzen (l.) und Christine John müssen sich gegen aggressive Parksünder behaupten. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wer kennt das nicht: Man springt schnell aus dem Auto, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Parkticket? „Ach was, dauert ja nicht lange” - aber doch länger als erwartet, und schon hängt ein kleiner gelber Zettel an der Windschutzscheibe.

Diese Knöllchen zu verteilen ist der Job von Politessen wie Uta Hanzen (38) und Christine John (47). Die einen Parksünder nehmen den gelben Zettel - wohlwissend, dass sie im Unrecht sind - gelassen und ärgern sich über sich selbst, andere werden wütend und schimpfen auf die Politessen, selten werden Menschen handgreiflich.

„Es kommt im Alltag immer wieder vor, dass die Menschen den Politessen mit aggressivem Verhalten begegnen”, weiß deren Chef Detlef Fröhlke, Leiter des Ordnungsamtes. Ob Halteverbot oder Parkplatzmangel - wir sind an allem Schuld. Zumindest werfen die Leute uns das vor”, sagt John.

Seit fünf Jahren ist Christine John im Verkehrsüberwachungsdienst unterwegs, ihre Kollegin Uta Hanzen seit drei Jahren. Eingesetzt sind die Frauen im Bezirk Stadtmitte, und dort haben sie schon viele Diskussionen mit Parksündern geführt. „Die meisten Menschen begegnen uns wirklich freundlich und haben Verständnis”, erzählt Hanzen - die meisten, aber eben nicht alle. „Einmal hat mich ein Mann ein ganzes Stück verfolgt. Er hatte im Halteverbot geparkt”, erzählt sie.

Eine erfahrene Kollegin sei ihr damals zur Hilfe gekommen. „Manche Menschen kommen uns auch zu nah oder werden laut”, beschreibt Politesse John. Und auch für diesen anderen Fall müssen Politessen gerüstet sein. „Stopp, bis hier und keinen Schritt weiter!” Das ist ein Satz, den die Politessen in kritischen Situationen laut und bestimmt sagen können müssen. Und das haben sie jüngst in einem Selbstbehauptungs- und Verteidigungskurs - einem Wen Do Seminar - gelernt. Alle 100 bei der Stadt beschäftigten Politessen sollen diesen Kurs im Laufe des Jahres machen.

„Eine Befragung der Politessen hat gezeigt, dass der Bedarf nach einem solchen Kurs vorhanden ist”, betont Astrid Brammertz, Leiterin des städtischen Büros für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Soziales der Stadt. „Wenn sich die Mitabeiterinnen selbstsicher und selbstbewusst fühlen, haben sie weniger Ängste und das wirkt sich positiv auf ihr Wohlbefinden aus.” Nicht nur warme und wasserdichte Jacken, die die Politessen jetzt übrigens auch neu bekommen, seien wichtig, sondern auch Selbstsicherheit im Arbeitsalltag.

Anspannung könne beispielsweise Rückenschmerzen auslösen. Unterstützt wird das Gesundheitsprojekt daher nicht nur von der Stadt, sondern auch von einer Kranken- und einer Unfallkasse. „Heute könnte ich mich in einer kritischen Situation viel selbstbewusster präsentieren”, resümiert Uta Hanzen. „Der Kurs hat uns positiv gestärkt”, fügt ihre Kollegin hinzu. Und im Falle eines tätlichen Angriffs wüssten sich die Frauen nun auch körperlich zur Wehr zu setzen. Nachvollziehbar ist das aggressives Verhalten für die Politessen aber nicht. „Wir machen ja nur unseren Job.”

Interessanterweise sei das Aggressionspotenzial in der Weihnachtszeit besonders hoch, berichten die Politessen. Dann seien viele Menschen in der Stadt und Parkplätze würden knapp.

Generell haben die Frauen festgestellt, dass das Aggressionspotenzial in den letzen Jahren gestiegen sei. „Vor allem wenn eine von uns alleine unterwegs ist, machen sich die Leute frech. Ist ein Mann dabei, sieht das anders aus”, erzählen die beiden. Persönlich nehmen die Politessen das Verhalten nicht. „Die Aggression richtet sich ja gegen den Beruf und die Uniform. Nicht gegen uns persönlich.”
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