Aachen - Selbst die Pinguine im Tierpark frieren

Selbst die Pinguine im Tierpark frieren

Von: Werner Breuer
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Strahlende Sonne, klirrende Kälte: Was manchen Spaziergänger freut, setzt den Tieren mitunter sehr zu. Nicht alle haben ein ausreichend dickes Fell. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Alles Weicheier!” Tierpark-Chef Wolfram Graf-Rudolf stellt seinen Pinguinen in Sachen Wintertauglichkeit kein gutes Zeugnis aus. Dabei sollte man doch annehmen, dass die Frackträger von Hause aus solche Temperaturen gewöhnt sind, an die sich die Öcher in diesen Tagen erst gewöhnen müssen.

„Die doch nicht”, sagt Graf-Rudolf. Die Pinguine vom Drimborner Wäldchen stammten nicht aus dem ewigen Eis, sondern aus Regionen vor den Küsten von Südafrika und Namibia. „Da friert nichts zu”, weiß der Experte, „die Tiere kennen das gar nicht”.

Vom Eis verscheucht

Der Westzipfler hingegen kennt zugefrorene Gewässer - aber er unterschätzt sie. Das meint zumindest die Stadt, die öffentlich warnt vor dem Schlittschuhlaufen auf womöglich zu dünnem Eis.

Dennoch zog es viele Aachener am Montag etwa zum Stauweiher Kupferbach, wo sie allerdings nicht zum Zuge kamen.

Ein Mitarbeiter des Umweltamtes scheuchte die Eisläufer von dannen, weil der Ansturm nach Angaben von Axel Costard vom städtischen Presseamt zu Schäden an den Anlagen geführt hatte.

Doch nicht allein eingerissene Tore riefen die Stadt auf den Plan. „Auch aus Sicherheitsgründen” sei der Mitarbeiter eingeschritten, so Costard.

Neben der Gefahr des Einbrechens gebe es noch ein weiteres Risiko: Die kratzenden Kufen oben könnten unter dem Eis die winterschlafenden Fische wecken, die aber ihren Winterschlaf im äußerst kühlen Nass dringend bräuchten.

Graf-Rudolfs Pinguin-Weicheier baden hingegen eher lau. „Die sind in ihrem Haus und haben da drinnen auch ein Becken”, erklärt der Tierpark-Chef.

Da sind sie außerdem sicher vor dem Fuchs, der vor Wochen ein grausames Blutbad unter ihren Artgenossen angerichtet hatte und nun mit einem Elektro-Weidezaun auf Abstand gehalten wird. Zudem ist der Pool draußen ohnehin zugefroren.

Der ist ja auch nicht so schön tiefergelegt wie die Wasserleitungen der Stawag. „Mindestens einen Meter tief” seien die Rohre im Erdreich vergraben, sagt Unternehmenssprecherin Corinna Bürgerhausen, „bis es da friert, dauert es schon einen längeren Zeitraum”.

Dass es laut Wetterfrosch-Weissagung vorerst frostig bleiben soll, schreckt die Stawag nicht, mit dem „längeren Zeitraum” seien nicht bloß ein paar Tage gemeint, sagt Corinna Bürgerhausen.

In den Wasserwerken könne den Filteranlagen oder anderen technischen Einrichtungen in beheizten Innenräumen ebenfalls nicht viel passieren.

Und auch die Stromversorgung sei gesichert: Wichtige Bauteile von Umspannwerken würden gleichfalls beheizt. „Kälter als fünf Grad sollen die nicht werden”, so Bürgerhausen, also sorgt man für die richtige Temperatur. „Alle Vorkehrungen sind getroffen”, sagt die Unternehmenssprecherin.

Auch der Tierpark hat sich auf strenges Winterwetter eingerichtet. Heizmatten und Wärmestrahler sorgen für kuschelige Atmosphäre etwa bei den Erdmännchen. Und die Pelikane wurden, damit sie nicht festfrieren, lieber reingeholt.

„Keiner muss draußen schlafen”, diese Parole gibt auch die Stadt an die Obdachlosen aus. „Bei diesen Temperaturen bringt man damit sein Leben in Gefahr”, sagt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt. Die elf Übergangsheime der Stadt hätten noch ausreichend Kapazitäten.

Obwohl am Dienstagmorgen 15 Personen um warme Schlafplätze nachgesucht hätten, sei noch genug Platz. „Die Türen sind immer offen”, sagt Evelin Wölk, „aber viele wollen es nicht”.

Auch im Tierpark wollen viele lieber draußen bleiben. „Die Hochlandrinder freuen sich richtig über das Wetter”, berichtet Wolfram Graf-Rudolf, „und auch die Kamele sind gelassen, die haben ein dickes Fell.”

Es leben also nicht nur Weicheier im Drimborner Wäldchen.
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