Aachen - Selbst alte Wasserhähne kommen zu neuen Ehren

Selbst alte Wasserhähne kommen zu neuen Ehren

Von: Gerald Eimer
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Badewannen als Sitzmöbel: Accessoires wie diese halten die Erinnerung an die Geschichte des alten Stadtbads am Blücherplatz wach. Asghar Adami will das Haus für die kreative Szene öffnen. Foto: Andreas Hermann

Aachen. Ohne Publikumsverkehr ist das Haus Blücherplatz 24 eigentlich nicht denkbar. Jahrzehntelang war es eine wichtige Adresse für all jene Aachener, die zu Hause keine eigene Dusche oder Badewanne hatten. Später tobten die Kinder der Kita Spielwiese durch die Räume des ehemaligen Stadtbads. Und nun will Eigentümer Asghar Adami das geschichtsträchtige Haus traditionsgemäß erneut für ein interessiertes Publikum öffnen.

Dem Diplom-Designer schwebt dort ein Ort für die kreative Szene vor. „Hier kann man Arbeit und Kultur zusammenbringen“, ist Adami überzeugt, der die ehemaligen Kita-Räume soeben umfassend renoviert hat und überzeugt ist, den Aachenern eine außergewöhnliche Location bieten zu können.

„Diese Räume haben Geschichte und Atmosphäre, so etwas wird überall auf der Welt gesucht und geschätzt“, schwärmt der gebürtige Iraner, der in den 1970er Jahren zum Studium nach Aachen kam und heute auch als Mode- und Kostümdesigner erfolgreich ist.

14 Wannen, 16 Brausen

Und tatsächlich erinnert in dem im Bauhaus-Stil errichteten Bau noch vieles an seine Anfänge. 1930 wurde es eröffnet, um Arbeitern und dem ärmeren Teil der Bevölkerung eine gründliche Körperpflege zu ermöglichen. 14 Wannen und 16 Duschen standen auf zwei Etagen in abgeschlossenen Kabinen zur Verfügung, die für ein paar Groschen angemietet werden konnten. Im Keller wurde das Wasser mit Kohle auf die richtige Temperatur gebracht und nach oben gepumpt.

Die Steinböden und gelben Kacheln im Erdgeschoss und Treppenaufgang sind bis heute Zeugen dieser Vergangenheit. Und mehr noch: Zu sehen sind auch noch alte Duschköpfe, Wasserhähne und selbst Wannen – das meiste allerdings umfunktioniert für neue Zwecke. Die Duschen dienen nun der Beleuchtung, alte Armaturen werden als Türklinken genutzt, Wannen wurden aufgesägt und zu Sitzmöbeln hergerichtet.

Für jeden, der das Haus betritt, will Adami per Sensor Duschgeräusche einspielen, zudem muss man hinter der Einganstür einen Duschvorhang beiseiteschieben. „Ich habe versucht, die Geschichte des Hauses zu erhalten“, sagt Adami, der das alte Stadtbad bereits Ende der 1980er Jahre der Stadt abgekauft hat und schon damals an einen Ort für die Kunst dachte.

Die Erkrankung eines Galeristen machte seinerzeit den Plan zunichte, so dass dann die Kita Spielwiese den Zuschlag bekam und 25 Jahre lang im alten Stadtbad den Ton vorgab. Nach deren Umzug zum Drimborner Wäldchen im November 2014 erinnerte sich Adami wieder an sein früheres Vorhaben. „Wenn ich es jetzt nicht verwirkliche, dann nie mehr“, sagte er sich.

Für Ausstellungen, Events, Lesungen oder Modeschauen seien die Räumlichkeiten ideal, ist der in Maastricht ausgebildete Designer überzeugt. Das Umfeld könnte er sich kaum passender denken: Wenige Meter entfernt richtet die Stadt das ehemalige Straßenbahndepot zu einem neuen Hort für Künstler und soziale Einrichtungen her, zur anderen Seite hin wird über eine neue Nutzung der Kirche St. Elisabeth nachgedacht und nicht weit entfernt ist ja auch das Ludwig-Forum. Da würde sich ein frisch saniertes und künstlerisch umgestaltetes Stadtbad gut einfügen.

Besondere Adresse

Neben Veranstaltungsräumen stünden auch Ateliers oder Büros zur Verfügung. Und im ehemaligen Maschinenraum im Keller will er eine Theke und einen Raum zum Chillen schaffen. Vernissagen könnten dort bei Häppchen und Getränken in etwas rusikalerer Atmosphäre ausklingen.

Es sind Räume für Leute, die eine besondere Adresse suchen, ist Adami überzeugt. „Ich bin gespannt, wie das von den Aachenern aufgenommen wird“, sagt er. Wann genau sie erstmals das ehemalige Stadtbad wieder von innen betrachten dürfen, ist allerdings noch unklar. Es gebe zwar viele Interessenten, das endgültige Nutzungskonzept dürfte jedoch erst in den nächsten Monaten stehen.

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