Sekundarschule in Aachen vorerst kein Thema

Von: Margot Gasper
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Aachen. Manche wollten kaum noch daran glauben. Die rot-grüne Minderheitsregierung und die CDU-Opposition haben es tatsächlich geschafft, einen „Schulfrieden” für Nordrhein-Westfalen hinzubekommen.

Die Einigung sieht im Kern die Einführung einer „Sekundarschule” für die Jahrgangsstufen fünf bis zehn vor. Zumindest die Klassen fünf und sechs sollen schulformübergreifend geführt werden (wir berichteten). Vom Tisch ist damit das Modell Gemeinschaftsschule von Rot-Grün, aber auch die CDU-Idee von der Verbundschule mit eigenständigem Haupt- und Realschulzweig.

Auch in Aachen wird dieser neue Schulkonsens - der Städtetag NRW nennt ihn historisch - mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen. Schließlich hat sich hier in jüngster Zeit in Sachen Schulentwicklung viel getan. Der Schulverband Aachen-Ost ist als Modellversuch auf dem Weg, die vierte Gesamtschule geht in wenigen Wochen an den Start.

Ulla Griepentrog, schulpolitische Sprecherin der Grünen, kommentierte die Einigung am Tag zwei des neuen Schulfriedens mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Genial” findet sie, dass der anhaltende Zank ums Schulsystem endlich beigelegt sein soll. „Seit ich ein Kind war, gab es Streit darum, was die bessere Schule ist. Nun kümmert man sich endlich wieder darum, was in der Schule passiert.”

Allerdings befürchtet Griepentrog, dass die schwachen Schüler in dem neuen Modell zu kurz kommen werden. „Die Hauptschulen haben auf Dauer keine Chance, weil die Eltern sie meiden”, sagt Griepentrog. „Die Schüler aber gibt es weiter.”

Auf dem Land biete die neue Sekundarschule aber in der Tat die Chance, Schulen ortsnah zu erhalten. „Das Gesetz ist für Kommunen gemacht, denen die Schülerzahlen dramatisch wegbrechen. Uns in der Stadt hilft es nicht.” Die spannende Frage sei aber auch in Aachen, ob Realschulen zur Zusammenarbeit mit Hauptschulen bereit seien. „Das könnte man jetzt durchaus noch einmal abfragen.”

Erst mal abwarten, gibt dagegen Christian Steins, Schulexperte der CDU, als Devise aus. „Mit dem Schulverband Aachen-Ost und der vierten Gesamtschule haben wir in Aachen bereits neue Strukturen geschaffen”, sagt er. „Da müssen wir jetzt nicht an vorderster Front stehen, um Neues zu schaffen.”

Auch Steins zeigte sich zufrieden, dass im Zank um die Schulpolitik ein Konsens gefunden ist und jetzt zehn bis zwölf Jahre Ruhe an der Schulfront herrschen soll. „Die Diskussion auf Landesebene hat schon sehr genervt.”

Hauptschule und Realschule werden aus seiner Sicht weiter Bestand haben. „Die Sekundarschule stellt diese Schulformen nicht infrage. Und wenn Haupt- und Realschulen den Weg in die Sekundarschule gemeinsam gehen wollen, dann würden wir uns dem sicher nicht verschließen.” Gleichwohl betont der CDU-Ratsherr: „Wir werden den Schulen nicht von oben etwas aufdrücken.”

Die Gesamtschulen dürften mit dem neuen Konzept Sekundarschule zufrieden sein, schätzt Steins. Denn der Schulkompromiss sieht vor, dass diese neue Schulform keine gymnasiale Oberstufe haben wird. Das schulformübergreifende Lernen in den Klassen 5 und 6 begrüßt Steins ausdrücklich.

Aus Sicht der FDP braucht zumindest Aachen nicht noch eine weitere Schulform. „Mit Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule sind wir eigentlich abgedeckt”, sagt Schulexpertin Gretel Opitz. „Und für die Eltern ist die Vielzahl an Schulformen sehr verwirrend.”

„Alle Parteien mussten Kröten schlucken”, bilanziert Mathias Dopatka, schulpolitischer Sprecher der SPD. „Der Schulfrieden bringt zwar eine deutliche Verbesserung. Aber er bleibt auch deutlich unter den Möglichkeiten, die es gegeben hätte, wenn die CDU auf Landesebene nicht so viele Punkte blockiert hätte.”

Der SPD-Ratsvertreter findet es allerdings „unglücklich”, dass die neue Schulform keine eigene Oberstufe haben soll. „Die SPD in Aachen hat immer für längeres gemeinsames Lernen plädiert und zwar mit der Möglichkeit bis zum Abitur.” Das von der rot-grünen Minderheitsregierung favorisierte Modell einer Gemeinschaftsschule wäre da deutlich flexibler gewesen, ist Dopatka überzeugt: „Diese Schule hätte eine eigene Oberstufe haben können oder aber mit einem Gymnasium kooperieren können. Die Gemeinschaftsschule hätte den Weg zum Abitur offengehalten.”

Schulentwicklung steht heute ab 17 Uhr auch im Schulausschuss auf der Tagesordnung. Der Schulverband Aachen-Ost wird wissenschaftlich begleitet. Professor Marold Wosnitza von der RWTH stellt heute erste Erkenntnisse zum Erfolg des Modellversuchs vor.
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