Seine Gemeinde zählt mittlerweile rund 300 Mitglieder

Von: Georg Dünnwald
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Vor zehn Jahren kam Archimandr
Vor zehn Jahren kam Archimandrit Josef Pustoutov nach Aachen. Hier hat er die russisch-orthodoxe Gemeinde aufgebaut. Am Sonntag feiert er sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Foto: Harald Krömer

Aachen. „In Aachen war ich das erste Mal im Jahr 1976”, erinnert sich Archimandrit Josef Pustoutov, der Pfarrer der russisch-orthodoxen Aachener Gemeinde „Heilige Tamara Zarin von Georgien”. Am 30. April vor 40 Jahren wurde der Pater vom Metropoliten von Nowgorod und Leningrad (heute St. Petersburg) in dessen Privatkapelle zum Priester geweiht.

„In der kommunistischen Sowjet­union war das nicht so einfach. Schließlich war das Riesenland offiziell atheistisch”, erzählt der Archimandrit. Archimandrit ist in der russisch-orthodoxen Kirche vergleichbar mit dem Prälaten in der römisch-katholischen Kirche. „Heutige Priesteramtskandidaten wissen gar nicht, wie gefährlich ein Theologiestudium damals in der Sowjetunion war.”

Vor dem KGB versteckt

Pustoutov ist froh, dass religiöse Menschen in Russland heutzutage keine Befürchtungen vor staatlicher Repression zu haben brauchen. Er selbst musste sich seinerzeit anderthalb Jahre vor dem sowjetischen Geheimdienst KGB verstecken. „Die Kirche bot da Schutz”, berichtet er. „Als Student bekam ich ein Telegramm meines Vaters, in dem der mich aufforderte, zu einer bestimmten Uhrzeit in einem Postamt auf seinen Anruf zu warten. Aber weil ich nicht gerade einen guten Draht zu meinem Vater hatte, wurde ich misstrauisch.”

Deshalb schickte der Theologiestudent seinen Freund ins Moskauer Postamt. Der wurde auch gleich vom KGB festgenommen, kam aber erwartungsgemäß schnell wieder frei, weil er ja der Falsche war.

Freizügigkeit innerhalb des Landes herrschte damals - unter Leonid Breschnew - in der Sowjetunion nicht, das Recht, ins Ausland zu reisen, gab es schon gar nicht. Nur einige Metropoliten (Erzbischöfe) durften in Begleitung ins Ausland reisen. Und dazu gehörte auch der Metropolit von Nowgorod und Leningrad, der als der „Außenminister” des Moskauer Patriarchats galt. Und auch Pustoutov durfte mit, weil der Erzbischof ihn zum Privatsekretär ernannt hatte.

Die erste Station für Pustoutov waren die Niederlande. In Utrecht fand 1974 der ökumenische Weltkongress statt. „Ich liebe die Niederlande seither.” Mit Königin Beatrix und Prinz Claus hat er sogar schon Kaffee getrunken. Weitere Stationen waren die Schweiz, Italien, Frankreich. Sieben Mal hat sich der Priester mit Papst Johannes Paul II. getroffen, fünf Mal mit ihm gegessen. „Es gab immer Fisch. Und immer stand ein besonders guter Weißwein auf dem Tisch, es gab aber keinen Wodka”, erinnert sich Pustoutov. „Der Papst war ein äußerst kluger, beredter und freundlicher Mensch”, sagt er.

Auf Italienisch habe er sich mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche unterhalten. Denn seine Sprachkenntnisse in Italienisch und Französisch waren die Grundlage für sein Amt als Privatsekretär des Metropoliten.

Vor zehn Jahren kam der Archimandrit auf eigenen Wunsch nach Aachen, um hier eine Pfarrgemeinde zu gründen. Seine heute 90-jährige Mutter brachte der 66-Jährige gleich mit. Sie führt ihm immer noch den Haushalt. Der Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, stellte eine angemessene Wohnung zur Verfügung. „Meine Mutter erzieht mich immer noch”, sagt er schmunzelnd.

Während sein Kontakt zum Vater, der in der Roten Armee als Pilot seinen Dienst versah, eher begrenzt war, hat der Priester ein inniges Verhältnis zur Mutter. „Meine Mutter war Chefärztin in der Sowjetunion ”, erzählt er. Heiraten darf er nicht, weil er Mitglied des Ordens des Heiligen Basilius ist.

„Vor allem Dr. Linden hat uns immer sehr geholfen”, schwärmt der Priester von der Freundschaft zum Aachener Ex-OB. Denn es galt, aus dem Nichts eine Pfarrgemeinde aufzubauen, die mittlerweile immerhin rund 300 Mitglieder zählt.

Festhochamt am Sonntag

In der Schützenstraße ist das Gotteshaus in einem mehrstöckigen Wohnhaus untergebracht. Bald soll beim Notar ein Kaufvertrag fürs Erdgeschoss und die Kellerräume unterschrieben werden, dann gehören der Gemeinde die geweihten Räume.

Sein Berufsjubiläum wird Pater Josef Pustoutov am Sonntag um 10.30 Uhr im russisch-orthodoxen Gemeindezentrum in der Schützenstraße mit einem Festhochamt feiern.

Noch eine weitere Feier ist angesetzt, allerdings steht der Termin noch nicht fest. Für diese Feier nämlich haben sich einige Erzbischöfe angemeldet, die mit dem Jubilar feiern möchten.
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