Aachen - Sein Leben ist Karnevalsgeschichte pur: Helmut Schultz wird 90

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Sein Leben ist Karnevalsgeschichte pur: Helmut Schultz wird 90

Von: Manfred Kutsch
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Helmut und Elfriede Schultz eint nicht nur die Liebe zum Öcher Platt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sein Leben – Aachener Karnevalsgeschichte pur. Seit 70 Jahren ist Helmut Schultz Mitglied des Aachener Karnevalsvereins (AKV). Er war Prinz von 1955, jahrzehntelang AKV-Elferrat und Beirat. Am Dienstag feiert er seinen 90. Geburtstag, ruht in sich und ist trotz angeschlagener Gesundheit zumeist gut gelaunt: „Mein Leben war zu allen Zeiten schön“, sagt er.

„Guck mal“, sagt der gelernte Tuch-Großhandelskaufmann mit leuchtenden Augen beim Besuch im heimischen Wohnzimmer. Schon beugt der Senior stolz den Oberkörper herunter, streckt seine Arme aus, berührt mit den Fingern den Teppich – und freut sich: „Dieses sonnige Gemüt hat er sich immer bewahrt“, kommentiert Ehefrau Elfriede schmunzelnd die Szenerie.

Seit 43 Jahren verheiratet

Sie muss es wissen. Seit 43 Jahren ist die Öcher Mundart-Expertin (Schängche, Kabarett „Pech & Schwefel“) mit dem Archivar und Ehrenweinbergsmeister des AKV („Öcher Heuschreck Durchbruch“) verheiratet. Ein facettenreiches Paar mit 17 Jahren Altersunterschied – beide verbunden im Patchwork mit zwei Kindern aus Helmut Schultze_SSRq erster Ehe, sechs Enkeln und sieben Urenkeln.

Man kann mit diesem „Mister Verlässlichkeit“ über Gott und die Welt reden, über beides hat er viel nachgedacht. Und ist dabei für sich selber zu Ergebnissen gekommen, die er gerne seinen Nachkommen vermittelt: „Sich immer dem Leben stellen! Sich nie verbiegen lassen! Dem Menschen möglichst friedfertig begegnen“, lautet die Philosophie des 90-Jährigen.

Auch wenn sich das „Geburtstagskind“ seit drei Jahren überwiegend in die kleine Welt der gemeinsamen Wohnung nahe dem Hangeweiher zurückgezogen hat – er findet dort inneren Lebensraum zuhauf: Hier seine närrische Museums-Bar, ein Raritäten- Sammelsurium aus hochkarätigen Auszeichnungen wie dem „Jölde Hazz va Oche“ des AKV oder der vollständigen Sammlung aller Orden der Nachkriegsprinzen.

Dort die drei großen Fischbassins auf der Fensterbank zum Garten, die Elfriede mit Muscheln und Sand jener Strände füllte, an denen sich das Ehepaar immer wieder erholt hat – allem voran von der Arbeit rund um den eigenen Getränkegroßhandel. Da wirken die dekorativen Erinnerungen an entspannte Zweisamkeit in Israel, Spanien, Ägypten, Teneriffa oder dem Nordkap wie Balsam auf ihre Seelen.

Ein Alaaf reichte

Apropos Erinnerungen. Welche begleiten das jecke Urgestein bis heute im Karneval? Schwere Frage. Der Narr grübelt. Und dann sagt er in unverwechselbarer Öcher Semantik: „Früher wurde sich mehr Freud gemacht.“ Was er damit meint, weiß Helmut Schultz aus eigener Erfahrung nur zu gut. Etwa aus seiner Prinzenzeit zehn Jahre nach dem Krieg: „Das ganze Tamtam von heute gab es da nicht. Es reichte, wenn der Prinz kam und Alaaf rief. Das Volk hat sich selbst unterhalten, geschunkelt und gesungen.“

Das Leben des Helmut Schultz war eben immer schön. Zu allen Zeiten. Und das gilt für ihn auch noch heute – an seinem 90. Geburtstag.

 

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