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Schwertbad: Bringt Expertise Bewegung in die Verhandlungen?

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Am Freitag geht es wieder einmal ums Ganze: Betriebsrat und Geschäftsführung sprechen über die Zukunft des Burtscheider Schwertbads. Falls notwendig, werden die Verhandlungen am Montag fortgesetzt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Freitag ist ein wichtiger Tag für Bad Aachen: Geschäftsführung und Betriebsrat des Schwertbades treten wieder zu Verhandlungen über die Zukunft der orthopädisch-rheumatologischen Fachklinik mit 270 Beschäftigten zusammen.

Momentan schwelt im Burtscheider Kurgebiet ein ungelöster Konflikt zwischen beiden Betriebsparteien, es geht um den Lohnverzicht, den rund 100 Beschäftigte, die ehemals bei der Rheumaklinik angestellt waren, leisten sollen. Individuell hat sich kaum einer von ihnen dazu bereiterklärt, neue Arbeitsverträge mit einer geringen Dotierung sind nur in geringer Stückzahl unterschrieben worden.

Die Verhandlungen laufen schon seit Monaten, vor etwa einem Jahr hatte die Marienhaus-Holding, einer der größten Gesundheits- und Sozialkonzerne Deutschlands mit rund 14.000 Mitarbeitern, erklärt, dass sie Rheumaklinik und Schwertbad zusammenlegen werde. Knapp 40 Stellen fielen weg, künftig werde ein Neubau für 35 Millionen Euro errichtet und müssten die Angestellten auf Teile ihres Gehalts verzichten. Für die ehemaligen Schwertbad-Angestellten hat man sich mit Verdi auf ein Niveau von 90 Prozent des Tarifvertrags des Öffentlichen Dienstes (TVöD) verständigt, für die gut 100 Beschäftigten der ehemaligen Rheumaklinik, für die TVöD gilt, sollten in Einzelgesprächen Reduzierungen geregelt werden. Das hat bekanntlich nicht geklappt, deshalb fahren momentan zwei Züge aufeinander zu, die Fronten sind verhärtet.

Der Marienhaus-Konzern hat nämlich immer wieder erklärt, dass man den Standort Aachen erhalten wolle, eine Absenkung der Gehälter angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber unerlässlich sei – ansonsten drohe die Schließung. Man wolle aber weitere Gespräche führen und halte die Hand ausgestreckt, hieß es immer wieder von der Marienhaus-Stiftung. Für diese Schließung ist jetzt jedoch erstmals ein Datum genannt worden, nämlich der 30. September. Zu diesem Zeitpunkt ist nämlich der Arbeitsagentur eine mögliche Massenentlassung angekündigt worden. Ein rein formaler Akt, sagt Heribert Frieling, der Leiter der Marienhaus-Kommunikation: „Das schreibt der Gesetzgeber vor.“

OB will vermitteln

Auch Betriebsratsvorsitzender Frank Stehr ist von dem Datum nicht übermäßig beeindruckt: „Das ist ein normales Vorgehen, davon lassen wir uns nicht bange machen. Die Schließung ist nach wie vor eine Drohung. Der Beschluss ist noch nicht gefallen.“ Ende Juni soll dem Vernehmen nach der Marienhaus-Stiftungsrat über die Zukunft der Aachener Dependance entscheiden. Eine wichtige Rolle in den Verhandlungen dürfte eine Überprüfung des aktuellen Businessplans spielen, die auf Antrag des Betriebsrats von einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft vorgenommen worden ist und am Freitag erstmals vorgelegt wird.

Um die Position der Arbeitnehmer zu stärken, sind in den letzten Tagen offene Briefe, etwa von den Aachener Grünen, verfasst worden, auch die Burtscheider SPD hat ihre Solidarität mit den Beschäftigten erklärt. Gewerkschaftssekretär Harald Meyer hat ebenfalls Parteien, Politiker, Bischöfe und Minister angeschrieben und auf die Problematik aufmerksam gemacht: „Wir bitten Sie, Stellung zu beziehen und Ihren Einfluss für den Erhalt des Schwertbades geltend zu machen.“

In die Gespräche einbezogen ist auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, der allerdings nicht einseitig Partei ergreift, sondern zu vermitteln versucht: „Die Verantwortung liegt auf beiden Seiten. Letztlich wird es nur gelingen, wenn sich beide Seiten bewegen.“ Er habe schon den Eindruck, dass die von den Grünen angeschriebene Vorstandsvorsitzende sowie die Geschäftsführung sich ihrer sozialen Verantwortung für die Beschäftigten bewusst seien, allerdings müssten sie auch darauf achten, den Betrieb wirtschaftlich sicher in die Zukunft führen zu können. Sollte es zu einer Schließung kommen, wäre das eine „Katastrophe für Aachen“. Aber auch dann sei es möglich, dass das Schwertbad von einem neuen Betreiber weitergeführt würde.

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