Aachen - Schutzstreifen: Für Autos bei Bedarf erlaubt

Schutzstreifen: Für Autos bei Bedarf erlaubt

Von: Margot Gasper
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Wenig Platz für Autos: Wer von der Kasinostraße in die Hackländerstraße einbiegt, landet fast unweigerlich auf dem Schutzstreifen. Foto: Harald Krömer
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Schutzstreifen für Radfahrer auf dem Alexianergraben: Im Begegnungsverkehr können Autofahrer im Bedarfsfall über die gestrichelte Linie fahren. Für echte Radfahrstreifen reicht der Platz nicht. Foto: Harald Krömer

Aachen. Drüberfahren oder nicht? Seit auf Aachens Straßen immer mehr Schutzstreifen für Radfahrer markiert sind, reagieren Autofahrer nicht selten verunsichert. Auch CDU-Verkehrsexpertin Gaby Breuer bekannte am Donnerstag im Mobilitätsausschuss: „Ich versteh’ die Schutzstreifen nicht.“

Unsicher sind Pkw-Fahrer vor allem, ob sie diese Markierungen überfahren dürfen. Zumal Schutzstreifen sich in der Regel dort finden, wo kein Platz ist für einen ausgewachsenen Radfahrstreifen.

Uwe Müller, Abteilungsleiter Verkehrsmanagement im städtischen Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, kann viel erzählen zum System Schutzstreifen. „Grundsätzlich haben Pkw-Fahrer auf dem Schutzstreifen nichts zu suchen“, erklärt er. „Bei Bedarf allerdings dürfen Autos den Schutzstreifen befahren – natürlich nur, wenn dort gerade kein Radfahrer unterwegs ist.“ Zum Beispiel, wenn zwei Wagen ansonsten partout nicht aneinander vorbeikämen.

Die Schutzstreifen gehören zum großen „Maßnahmenplan Radverkehr“, den die Kommune aufgelegt hat, damit das Radeln in der City attraktiver wird. „Radverkehr ist Fahrverkehr“, erklärt Müller den heutzutage anerkannten Grundsatz, „deshalb gehören Räder auf die Straße.“

Das gilt gemeinhin als sicherer für die Zweiradfahrer. In Aachen habe man schon früh, Mitte der 90er Jahre, damit begonnen, den klassischen Radweg vom Gehweg auf die Straße zu verlegen, berichtet er. Inzwischen erlaube der Gesetzgeber außerdem, die Schutzstreifen flexibel nach den örtlichen Gegebenheiten einzusetzen. Und das passt den Aachenern mit ihrem historisch gewachsenen, an vielen Stellen engen Stadtbild gut ins Konzept.

Heute findet der Verkehrsteilnehmer vor allem zwei Varianten auf der Straße: zum einen den klassischen Radfahr­streifen mit einer breiten gestrichelten Linie und einem dicken Radweg-Em­blem mit blauem Hintergrund. „Dieser Radfahrstreifen“, erläutert Müller, „ist ein Sonderweg nur für Radfahrer“: Fahrradfahrer müssen ihn nutzen. Alle anderen dürfen ihn auf keinen Fall befahren. Radfahrstreifen gibt es überall da, wo ausreichend Platz ist; in der Regel 3,25 Meter Breite je Fahrspur und 1,85 Meter Breite für den Radfahrstreifen.

„In Aachen haben wir diesen Platz aber häufig nicht“, weiß Müller. Auf eher engen Straßen soll deshalb der Schutzstreifen (dünne gestrichelte Markierung und Radwegzeichen in Weiß) den Radlern etwas Schutz bieten. „Der Radfahrer kann und sollte diesen Schutzstreifen nutzen“, sagt Müller. „Der Autofahrer dagegen darf die Linie bei Bedarf überfahren.“

Beispiel Alexianergraben: Die Straßenbreite reicht dort nur für Schutzstreifen. Besonders Busse und Lkw im Begegnungsverkehr müssen aber immer mal wieder auf den Schutzstreifen ausweichen.

Sogar an der schmalen Hackländerstraße zwischen Kasinostraße und Römerstraße findet der Verkehrsteilnehmer einen Schutzstreifen vor. Und auch hier gilt: Im Normalfall hat der Autofahrer auf dem Schutzstreifen nichts verloren. Im Begegnungsverkehr allerdings können Autofahrer gar nicht anders als den Schutzstreifen mit zu nutzen.

Eng ist es auch auf dem Reichsweg. Breite Fahrzeuge müssen an der Einmündung zum Adalbertsteinweg den Schutzstreifen nutzen, sonst landen sie auf der Gegenfahrbahn. „Der Schutzstreifen auf dem Reichsweg wurde schon 2009/10 angelegt“, erklärt Müller. „Heute würden wir den Verkehrsteilnehmern dort mehr Platz einräumen.“

Und schließlich das Nadelöhr Lagerhausstraße: Hier testen die städtischen Verkehrsplaner ein neues Prinzip. In beide Richtungen gibt es Schutzstreifen für Radfahrer. Zwei vollwertige Fahrspuren für Autos waren auf der vielbefahrenen Achse dann nicht mehr unterzubringen. „Deshalb haben wir uns für überbreite Richtungsfahrbahnen entschieden.“

Der Autoverkehr kommt also zweispurig am Bahnhof an – und ab da wird‘s eng. Das verwirrt vor allem nicht ortskundige Autofahrer. „Die Autos fahren zwischen Bahnhof und Marschiertor jetzt oft versetzt“, beobachtet Müller, „das mindert das Tempo“. Problematisch sei das aber nur in Spitzenzeiten, zweimal am Tag eine Stunde im Berufsverkehr.

Auch die Wilhelmstraße ist ein Sonderfall. Durch die neuen Schutzstreifen bleibt weniger Platz für Autos. „Weil die Verkehrsbelastung aber so hoch ist, wollten wir unbedingt zwei Fahrspuren in jede Richtung erhalten“, erklärt Uwe Müller. Busse und Lkw, die auf der rechten Spur von der Normaluhr Richtung Kaiserplatz rollen, müssen auch hier die Schutzstreifen überfahren.

Monika Volkmer ist viel mit dem Rad in der Stadt unterwegs. „Radfahrer sind fahrende Verkehrsteilnehmer“, sagt die Aachener Kreisverbandsvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). „Radfahrer gehören auf die Straße. Da werden sie besser wahrgenommen. Für Radfahrer ist es sicherer, auf der Straße zu fahren.“

Volkmer verweist darauf, dass überholende Autofahrer einen Mindestabstand von 1,50 bis zwei Metern zum Radfahrer einzuhalten haben – „und zwar unabhängig davon, ob ein Radfahrer auf einem markierten Radfahrstreifen, einem Schutzstreifen oder auf der ‚nackten’ Straße fährt. Dies wird leider von fast allen Kraftfahrzeuglenkern mal mehr und mal weniger missachtet.“ „Im Idealfall“, sagt Volkmer, „halten alle Verkehrsteilnehmer die Augen auf und achten aufeinander“.

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